Tipp: Kostenloses Online-Backup

Abtauchen ist auch keine Lösung, wenn die Daten einmal futsch sind … © Till Erdmenger – Businessfotos

Abtauchen ist auch keine Lösung, wenn die Daten einmal futsch sind … © Till Erdmenger – Businessfotos

Wie Sie Ihre gesamte Foto-Sammlung kostenlos in die Cloud speichern können (mittels Flickr), hatte ich kürzlich auf meiner Facebook-Seite beschrieben. Das klappt allerdings nur, wenn Sie Fotos als JPEG speichern – als Profi bleibe ich außen vor, da Flickr keine RAW-Daten akzeptiert. Über verschiedene Möglichkeiten, Online-Speicher sinnvoll für Fotos zu nutzen, habe ich auf meinem Blog ebenfalls bereits mehrere Beiträge veröffentlicht (hier oder hier).

Nun habe ich im Laufe der Zeit hier und da kostenlosen Speicherplatz eingesammelt und darf z.B. bei Box.net 50GB oder beim Mediencenter der Telekom 25GB Daten speichern. Da das Mediencenter gar keine Mac-Software mitliefert und die Box-App nur einen speziellen Ordner synchronisiert, habe ich mich nach alternativen Wegen umgesehen, Daten dort zu sichern. Beide genannten Anbieter lassen den Zugriff über WebDAV zu – und so können die Online-Speicher wie eine Festplatte ins OS X eingebunden werden. Damit stehen eine Vielzahl von Backup-Apps zur Verfügung, auch kostenlose, die die lokalen Daten auf die entfernte „Festplatte“ spiegeln. Wer ganz sicher gehen will, dass der WebDAV-Zugriff schon beim Rechnerstart etabliert wird, kann einen kleinen Trick anwenden. Soweit ich bisher feststellen konnte, ist das aber nicht einmal notwendig, wenn man nach dieser Anleitung vorgeht, weil GoodSync selbst die Zugriffsdaten zum Mediencenter speichert und die Verbindung daher selbsttätig herstellen kann. Wer – wie ich in diesem Fall – eine komplett kostenlose Variante sucht, kann als Software auch Duplicati verwenden. Die App ist kostenlos und verbindet sich alternativ nicht nur per WebDAV, sondern auch z.B. direkt mit Box.net, GoogleDrive, OneDrive und ähnlichen Services. Zudem kann das Backup verschlüsselt gespeichert werden – was ja auch keine schlechte Idee ist. Und Backups können automatisch getimt ablaufen. In dieser Konstellation erhalten Sie also mindestens 25GB, mit etwas Glück und einem Box-Promo-Code sogar 50GB völlig kostenlosen Online-Speicher, den Sie für Ihr Cloud-Backup nutzen können!

Ich will aber nicht verschweigen, dass mir persönlich auch diese Lösung noch nicht 100%ig zusagt, da ich für meine Foto-Datenbank noch deutlich mehr Speicherplatz benötige. Ich werde wohl in diesen aktuellen Speicher-Anbieter-Übersichten (hier und hier) nach einer für mich passenden Lösung suchen. Die kosten dann zwar etwas Geld, bieten zum großen Teil aber mit unbegrenztem Speicherplatz und iOS-Apps, die die verschlüsselten Daten aus dem Onlinespeicher anzeigen können, noch etwas mehr Komfort als meine oben beschriebene Budget-Lösung …

Profi-Fotos und das Recht auf Privatkopie

Businessportrait für Visus Consult © Till Erdmenger – Businessfotos

Businessportrait für Visus Consult © Till Erdmenger – Businessfotos

Gestern hatte ich über das BGH-Urteil zu Privatkopien von Fotos bereits auf meiner Facebook-Seite geschrieben. Heute berichtet auch Heise über das Gerichtsurteil: Eine Privatperson darf (für private Zwecke) Kopien von professionell erstellten Fotos seiner selbst anfertigen. Dies stehe nicht im Widerspruch zum Urheberrecht, stellte das BGH klar. Ich der Berichterstattung war allerdings gestern nicht deutlich geworden, inwieweit die klagende Fotografin bereits für die Aufnahmen bezahlt worden war und ob es sich um möglicherweise unbearbeitete Fotos handelte, die lediglich der Ansicht dienten. Der Artikel auf Heise.de klärt zumindest letzteres: Die Fotos waren nur zur Ansicht ausgedruckt worden. Grade angesichts der teilweise hämischen Kommentare unter den genannten Beiträgen möchte ich folgendes festhalten:

  • Profi-Fotos wurden auch schon vor 25 Jahren zu Privatzwecken vervielfältigt, und sei es im Copy-Shop. Wir Fotografen wissen das. Wir sind nicht naiv oder dumm, wenn wir kein Wasserzeichen auf unsere Fotos drucken.
  • Ich halte Privatkopien für vollkommen legitim. Daher erhalten auch Privatkunden von mir die digitalen Daten zu ihren Fotos – in voller Auflösung.
  • Dass selbstgescannte Ausdrucke von zur Ansicht überlassenen Fotos qualitativ weit entfernt von einem professionellen Abzug der Originaldaten sind, dürfte jedem Laien auffallen. Jeder Fotograf wird daher versuchen, solche minderwertigen Kopien seiner Fotos zu verhindern – sie werfen einfach ein schlechtes Licht auf seine Arbeit. Auch wenn diese Kopien für einen Sparfuchs „gut genug“ sind …
  • Das Urheberrecht sichert uns Fotografen unter anderem das Recht zu, über die Veröffentlichung unserer Fotos zu entscheiden. Wenn wir also ein Foto als nicht „gut genug“ einstufen, dürfen wir es löschen. Wir müssen es niemandem zeigen. Oder aushändigen.
  • Auch wenn Sie sich an Flatrate-Saufgelagen und ähnlich zweifelhaften Vergnügen beteiligen: Die vertragsgemäße Bezahlung eines Fotoauftrags beinhaltet nicht alle, sondern nur die vertraglich vereinbarten Nutzungsrechte an den Bildern. Eine Flatrate ist hier üblicherweise nicht vorgesehen.

Einen schönen Tag noch!

3 Tipps: Fotos für Social Media optimieren

Nachdem ich gestern in einem Tweet erwähnte, dass man Fotos in den Farbraum sRGB konvertieren sollte, wenn man sie im Internet benutzt, ging mir das Thema nicht aus dem Kopf. Es gehört ja noch eine Menge anderer Faktoren dazu, damit Fotos vernünftig auf Facebook oder Google+ dargestellt werden. Von Motiv, Ausschnitt und Belichtung einmal abgesehen, zählen dazu die genauen Pixelmasse des Fotos, die Schärfe und letztlich die Dateigröße.

  1. Masse des Fotos in Pixeln: Auf diesem Blog werden Fotos mit 624 Pixeln Breite dargestellt. Wenn ich ein Foto mit einer abweichenden Breite hochlade, muss WordPress mittels interner Algorithmen das Foto so umrechnen, dass es dennoch mit 624px dargestellt wird. Dass klappt nie so sauber und gut, wie mit Photoshop – im Ergebnis wirkt das dargestellte Foto unscharf. Dieses Problem betrifft alle Internetseiten, die Bilder in einem bestimmten Raster darstellen, so auch Facebook, Twitter oder Google+. Die Masse werden immer wieder einmal geändert, was das ganze schwierig macht. Einen aktuellen Überblick liefert dieses Cheat Sheet. Versuchen Sie – so gut es geht – Ihre Fotos auf die entsprechenden Pixelmasse umzurechnen und dedizierte Versionen für die einzelnen Seiten zu generieren
  2. Bildschärfe: Wird ein Foto kleiner gerechnet, um es im Internet zu zeigen, verliert es reale Pixel, also Details und damit Schärfe. Daher ist es ratsam, das Bild nach der Verkleinerung zu schärfen. Zu diesem Thema gehen die Meinungen sicherlich sehr weit auseinander und es gibt unzählige Varianten, um zum besten Ergebnis zu kommen. Man kann ein einfaches Schärfe-Filter verwenden, die Unschärfe maskieren oder z.B. eine Hochpass-gefilterte Ebene verwenden. Auch Lightroom bietet das automatische Schärfen von verkleinert exportierten Daten. Im oben verlinkten Video erklärt Michael Woloszynowicz detailliert, wie er Fotos mit Photoshop verkleinert, schärft und gegebenenfalls noch Textur hinzufügt. Das führt zu Punkt …
  3. Dateigröße: Wir besitzen zwar heute die schnellsten Computer und irrwitzige Übertragungsraten im Internet, die Flut an Bildern, Videos und animierter Werbung führt das alles jedoch ad absurdum. Gefühlt ist das Internet heute nicht schneller als vor Jahren. Umgekehrt zählt also noch immer die Maxime, die übertragenen Daten möglichst klein zu halten, um sie dem Betrachter zu liefern, bevor der die Geduld verliert. Photoshop kann schon ewig „Save for Web“ und auch mit Lightroom gelingen hervorragende JPEGs mit 60—80% Qualität. Im Video wird allerdings auch JPEGmini erwähnt, eine App, von der mir vor kurzem ein Freund erzählte. Ich war also neugierig und habe die Software „getestet“. Das von mir aus Lightroom exportierte JPEG hat eine Dateigröße von 8,5MB, die von JPEGmini neu berechnete Datei nur noch 3,8MB. Erstaunlich dabei ist, dass die Datei dem prüfenden Blick bei 100%-Darstellung standhält – es sind visuell keine Beeinträchtigungen zu erkennen. Sämtliche Metadaten (EXIF und IPTC) bleiben erhalten, ebenso der Hinweis auf den Farbraum. Ich finde das höchst erstaunlich und werde die App mal eine zeitlang für meine Social-Media-Fotos einsetzen. Abraten würde ich allerdings meinem Freund von seinem Plan, mittels dieses Programms seine gesamte Fotosammlung blindlings einzudampfen. Das wäre so, als hätte man früher seine Negative weggeworfen und nur die 9×13 Drogeriemarkt-Abzüge behalten. Und ehrlich: Festplattenplatz kostet heutzutage so wenig, dass es wenig ausmacht, ob die Bildersammlung nun 200GB oder nur 80GB groß ist … da sollte man lieber mal die vielen unnützen, unscharfen und schlechten Fotos aussortieren und löschen ;-)
Liebling, ich habe die Bilder geschrumpft …

Liebling, ich habe die Bilder geschrumpft …

Tipp: Konferenz „Digital Imaging in Unternehmen“

Marketing, Fotografen und Grafiker müssen gut vernetzt sein, damit Der Bilder-Workflow in einem Unternehmen funktioniert. (Foto für ISS © Till Erdmenger – Businessfotos)

Marketing, Fotografen und Grafiker müssen gut vernetzt sein, damit der Bilder-Workflow in einem Unternehmen funktioniert. (Foto für ISS © Till Erdmenger – Businessfotos)

Das Magazin c´t Digitale Fotografie veranstaltet im Herbst eine Konferenz-Reihe zum Thema „Digital Imaging in Unternehmen“. Dabei werden Schwerpunkte wie Farbmanagement, Bilddatenbanken, Keywording und Bildbearbeitung, aber auch rechtliche Fragen zur Bildnutzung angerissen. Nach meiner Erfahrung ein sehr wichtiger Themenkomplex für Unternehmen, die mit Bildmaterial umgehen wollen oder müssen. Vielfach sind dabei verschiedenste Personen involviert – Mitarbeiter wie auch externe Dienstleister – von denen nicht alle über technisches Fachwissen verfügen. Damit die berüchtigte Aussendung von Pressebildern im Word-Format zukünftig von professionelleren Lösungen ersetzt wird, Bilder firmenintern schnell und leicht wiedergefunden werden können und stets die nötigen Nutzungsrechte vorliegen, sollten Unternehmen sich mit oben genannten Bereichen beschäftigen. Die nun angekündigte Vortragsserie kann dazu beitragen. Im kleineren Massstab kann auch ich Sie gerne beraten – sprechen Sie mich einfach an.

Termine:
14.10. München
4.12. Köln
11.12. Hamburg

Fussball: Wie das Urheberrecht für absurde Gewinne missbraucht wird

Künftig vorgeschriebener Sicherheitsabstand „Fotograf—Stadion“ zum Schutz milliardenschwerer Übertragungsrechte? Veltins-Arena auf Schalke aus der Luft © Till Erdmenger – Businessfotos

Künftig vorgeschriebener Sicherheitsabstand „Fotograf—Stadion“ zum Schutz milliardenschwerer Übertragungsrechte? Veltins-Arena auf Schalke aus der Luft © Till Erdmenger – Businessfotos

Ich gebe es vorweg zu: Ich bin kein Fussball-Fan. Ich kann damit nichts anfangen. Es gibt mir auch nichts, dass „wir“ Weltmeister geworden sind – wo doch mehr als 99,9% der deutschen Bevölkerung rein gar nichts dazu beigetragen hat. Das aber nur am Rande. Mich erinnert der Fussball-Zirkus an Rom (Brot und Spiele für das Volk) und seine Sklaven (Spieler werden „verkauft“). Unglaublich, was da für Gewinne realisiert werden – das wissen Sie ja selbst. Was ich gestern gelesen habe, setzt dieser zügellosen Profitgier allerdings noch die Krone auf: Nun wird es britischen Fans verboten, während Fußballspielen zu fotografieren oder zu filmen. Denn die Bilder von den Toren sollen nicht sekundenschnell über Twitter & Co., sondern über die zahlenden Medien verbreitet werden. Die Übertragungsrechte wurden grade für 3 Milliarden britische Pfund verkauft! Soweit kann ich der Logik noch folgen – die Sender wollen für ihr Geld eine Gegenleistung, und Stadienbesitzer dürften womöglich „Hausrecht“ geltend machen. Absolut unfassbar ist allerdings, dass Dan Johnson, Sprecher der Premier League, dazu verlauten lässt: „Wir müssen unser geistiges Eigentum schützen“. Das ist absurd! Wie kann – bitteschön – ein Torschuss geistiges Eigentum raffgieriger Interessengemeinschaften sein? Denkt sich Herr Johnson solche Tore etwa aus? Passieren sie etwa gar nicht real? Dass das Urheberrecht auf solch abwegige Art missbraucht wird, um Einnahmen zu maximieren, kann nicht umkommentiert bleiben. Darum: Lassen Sie Ihrer Meinung freien Lauf und kommentieren Sie den Fall gleich hier unterhalb dieses Beitrags! Ich bin gespannt auf Ihre Meinung!

Zum Glück erkennt das Gericht, wie wenig ein Urhebernachweis im Bild zu suchen hat …

Wie sinnvoll ist ein Urheberhinweis im Foto? © Till Erdmenger

Wie sinnvoll ist ein Urheberhinweis im Foto? © Till Erdmenger

Im Rückgriff auf meinen Beitrag Gericht klärt: Sichtbarer Urheberhinweis ist nötig sei an dieser Stelle die aktuelle Rechtsprechung des Oberlandesgerichts Köln ergänzt: Die Möglichkeit, ein Bild losgelöst von der Website über seine ureigene URL anzuzeigen, ist eine technische Begleiterscheinung der Bild-Nutzung im Internet, keine abgabenpflichtige Zweitverwertung. Das ist nicht nur korrekt, es ist auch beruhigend, die manchmal abstrusen Auswüchse der Rechtsprechung zurecht zu stutzen.