„Embedded“ Fotos – rechtmässig oder nicht?

Wie schwer es ist, sein Recht gegen schmierige Anwälte und dumpfbackige Arschlöcher durchzusetzen, erlebe ich privat grade selbst. Und dass selbst ein Urteil nichts zählt, sondern der Prozessgegner dennoch Wunschkonzert spielen kann, ist mir absolut unbegreiflich.

Genauso unbegreiflich ist allerdings auch, dass der Europäische Gerichtshof der Meinung ist, fremde Videos oder Fotos „einzubetten“ sei kein Verstoß gegen das Urheberrecht. Was das Gericht hierbei komplett vernachlässigt, ist die Tatsache, dass der Betrachter eines auf diese Art „embedded“ untergebrachten Fotos keinen Unterschied erkennt zu demselben Foto, dass der Seitenbetreiber unrechtmässig heruntergeladen hat und als Kopie auf seinem Webspace vorhält. Während das eine nach allgemeiner Betrachtung also einen Urheberrechtsmissbrauch darstellt, ist das andere neuerdings legitimiert. Mit nicht unterscheidbarem Ergebnis!

Fast denke ich, der Getty-Weg wäre in diesem Zusammenhang gradezu mustergültig: Eingebettete Fotos werden in einem deutlich sichtbaren Rahmen dargestellt, der die korrekte Bildunterschrift und den Urheber-Nachweis enthält. Wenn zudem jeder Urheber – automatisiert – von der Einbettung seiner Werke erfahren würde und die Möglichkeit hätte, diese im Stil der großen Bildagentur gegen Werbung zu ersetzen, wäre ein großer Schritt in Richtung Mündigkeit der Urheber getan ;-)

Ausstellungstipp: Martin Parr: WE LOVE BRITAIN!

Martin Parr Ballsaal im Roundhouse, Bergen-Hohne Camp, 2013 Aus/From: WE LOVE BRITAIN!, 2013/14 Pigment Ink Print, 101,6 x 152,4 cm Besitz des Künstlers © Martin Parr / Magnum Photos

Martin Parr: Ballsaal im Roundhouse, Bergen-Hohne Camp, 2013. Aus/From: WE LOVE BRITAIN!, 2013/14 Pigment Ink Print, 101,6 x 152,4 cm, Besitz des Künstlers © Martin Parr / Magnum Photos. Mit freundlicher Genehmigung des Sprengel-Museums Hannover

Martin Parr: WE LOVE BRITAIN!
18. Oktober 2014 bis 22. Februar 2015

Der Brite Martin Parr (*1952) ist – dank seines rastlos produktiven Interesses an der Spezies Mensch und seinem direkten, von trockenem Humor getragenen Blick – einer der einfluss- reichsten dokumentarisch arbeitenden Fotografen der Gegenwart.

Die Ausstellung im Sprengel Museum Hannover ist das Ergebnis einer Einladung: Über 16 Monate war Parr in Niedersachsen auf der Suche nach Spuren einer möglichen ‚Britishness‘: Immerhin hatte vor 300 Jahren ein hannoverscher Kurfürst den englischen Thron bestiegen, hatte vor 68 Jahren eine britische Militärregierung das heutige Bundesland Niedersachsen gegründet und beendet der Abzug der britischen Truppen gerade eben ein Kapitel deutsch- britischer Geschichte.

Parr fotografierte während der Eröffnung des Schlosses Herrenhausen, auf der Geburtstags- feier der Queen und auf dem ‚größten Schützenfest der Welt‘ in Hannover. Er besuchte einen Lady Di Club, privat geführte Militärmuseen, einen Sammler von James Bond-Devotionalien, die britischen Garnisonen in Bergen-Hohne, Fallingbostel und Hameln und einiges mehr. Ca. 70 in diesen Zusammenhängen entstandene Fotografien werden, begleitet von einer Publikati- on, im Rahmen der umfangreichen Ausstellung MARTIN PARR. WE LOVE BRITAIN! vor- gestellt. Der Sparkassen-Kulturfonds, die Niedersächsische Sparkassenstiftung, die Sparkasse Hannover und die NORD/LB stehen dem Sprengel Museum Hannover in diesem Projekt als hilfreiche Partner zur Seite.

Mit ca. 380 Arbeiten aus acht Serien gibt die Ausstellung MARTIN PARR. WE LOVE BRI- TAIN! auf mehr als 700 qm einen Einblick in verschiedene Schaffensphasen des Fotografen. Parrs Untersuchungen zur Gegenwart nahmen in den 1970er-Jahren ihren Ausgang in privaten Wohnzimmern und führten über Befragungen der sinnstiftenden Kraft des Glaubens, über schottische Schlechtwetterzonen und Freizeitressorts der sogenannten kleinen Leute an den Küsten der Insel, in die Tiefen des britischen Gemeinwesens. Von dort aus folgten sie ihren Protagonisten auf den Spuren des internationalen Tourismus, um letztendlich dort auch den internationalen, neureichen und luxusaffinen Jetset aufzustöbern. Während LUXURY bereits 2011 in der Ausstellung PHOTOGRAPHY CALLING! in Hannover zu sehen war, präsentiert WE LOVE BRITAIN! neben der in Niedersachsen entstandenen Arbeit die Serien BAD WEATHER (1982, aus der Sammlung der Niedersächsischen Sparkassenstiftung, Hannover), THE LAST RESORT (1983-1986), THE COST OF LIVING (1989), COMMON SENSE (1995-1999), AUTOPORTRAITS (seit 1991), SCOTTISH LAND-SCAPES (1995-2010) und LIBERATION (2012-13). Dabei nimmt LIBERATION eine Sonderstellung ein. Die Serie ergänzt die in Deutschland entstandene Arbeit um einen weiteren Aspekt britisch-deutscher Geschichte: Jährlich am 9. Mai wird auf den Kanalinseln Jersey und Guernsey der Liberation
Day, der Tag der Befreiung von den Deutschen im Mai 1945 und damit das Ende des Zweiten Weltkrieges begangen.

Martin Parr lebt in Bristol und ist seit 1994 Mitglied der renommierten Fotoagentur Magnum. Neben der eigenen Fotografie widmet Parr sich dem Sammeln von Fotobüchern und Editieren von Publikationen zu Fotobüchern, dem Kuratieren von Fotofestivals und -ausstellungen und vielem mehr.

Die Ausstellung wird am 17. Oktober 2014, um 19.00 Uhr festlich eröffnet und begleitet von zahlreichen Veranstaltungen und Führungen.
Es begrüßen Dr. Reinhard Spieler, Direktor Sprengel Museum Hannover, und
Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes,

Zur Ausstellung spricht Inka Schube, Kuratorin Sprengel Museum Hannover.

Im Verlag Schirmer/Mosel erscheint die Publikation MARTIN PARR. WE LOVE BRITAIN! Format 27 x 21 cm, 138 Seiten, ca. 70 Abbildungen, Text Inka Schube, € 19,95.

Joblog: Wegen des großen Erfolges

Unternehmensfotos für Spedition Hövelmann © Till Erdmenger – Businessfotos

Unternehmensfotos für Spedition Hövelmann © Till Erdmenger – Businessfotos

Beim Zirkus auf der Dorfwiese ist es ja so eine Sache – da wird gerne wegen des angeblich großen Erfolges verlängert. Bei meinem Auftrag für die Spedition Hövelmann in Rees lagen die Dinge anders. Zum einen war der Geschäftsführer verhindert, zum anderen gefielen dem Unternehmen meine Fotos so gut, dass Sie beim Magazin „Niederrhein Manager“, meinem Auftraggeber, insistierten, mich für einen weiteren Termin zu buchen. Und so ging das Shooting in der neu errichteten Gefahrgut-Lagerhalle (die innerhalb von 3 Minuten randvoll mit Löschschaum gepumpt werden kann, falls mal was schief gehen sollte) heute in die Verlängerung …

Unternehmensfotos für Spedition Hövelmann © Till Erdmenger – Businessfotos

Unternehmensfotos für Spedition Hövelmann © Till Erdmenger – Businessfotos

Unternehmensfotos für Spedition Hövelmann © Till Erdmenger – Businessfotos

Unternehmensfotos für Spedition Hövelmann © Till Erdmenger – Businessfotos

Unternehmensfotos für Spedition Hövelmann © Till Erdmenger – Businessfotos

Unternehmensfotos für Spedition Hövelmann © Till Erdmenger – Businessfotos

Günther, der Weltenbummler

Auch ich reise gern. Dieses Bild stammt von den Philippinen © Till Erdmenger – Businessfotos

Auch ich reise gern. Dieses Bild stammt von den Philippinen © Till Erdmenger – Businessfotos

Was dieser Mann erlebt haben muss, dürfte für einige Bücher reichen: Günther Holtorf reiste die vergangenen 26 Jahre lang um die Welt. Auf über 880.000km begleiteten ihn dabei seine Mercedes G-Klasse und zwei Leica-Kameras. Nun ist der 76-jährige zurück in Berlin. Die wenigen Fotos, die man bereits sehen kann, zeigen beeindruckende Szenen des Alltags in aller Welt, die weit authentischer wirken, als die meisten Hochglanz-Reisereportagen es vermögen. Jeder, der gerne reist und die Welt mit offenen Augen betrachtet, dürfte neidisch werden – vielleicht lässt uns Günther noch umfänglicher an seinen Abenteuern teilhaben. Ein hochwertig gedrucktes Buch wäre nicht nur ein krönender Abschluss dieser Reise, es ist in jedem Fall auch ein Statement in unseren schnelllebigen Zeiten voll Facebook und Twitter. Einige Impressionen finden Sie bei der Deutschen Welle und bei PetaPixel.

Original vs. Ideal: Die unbewusste Diskrepanz

IMG_4438Ein Projekt des Fotografen und studierten Psychologen Scott Chasserot sorgt derzeit für Aufmerksamkeit – „Original Ideal“. Dahinter steckt der Gedanke, die unbewusste Selbstwahrnehmung des Menschen sichtbar zu machen. Seine Alltags-Models wurden zunächst portraitiert, anschließend dutzendfach am Computer manipuliert. Schließlich sahen die Probanden ihre Diashow, während sie an einen Hirnscanner angeschlossen waren. Dieser sollte die Reaktion auf die „verschönerten“ Versionen messen und so aufzeigen, welche Idealvorstellung die Teilnehmer von sich selbst haben. Die im übrigen sehr schön gemachte Website zu diesem Projekt zeigt etliche Originalfotos in der Gegenüberstellung mit dem vermeintlichen Ideal.

Leider konnte ich keine Anhaltspunkte finden, nach welchen (genormten?) Kriterien die Portraits manipuliert wurden. Im Ergebnis fällt auf, dass vielfach eine deutlich symmetrische Variante bevorzugt wurde, bei einigen Personen sind auffällige Veränderungen der Augenfarbe zu beobachten, bei anderen wurden die Gesichtsproportionen stark verändert. Dass die Ergebnisse individuell – ja sogar unterbewusst – gewählt wurden besagt noch nichts über die zur Auswahl gestellten Versionen. Hier wäre weitere Information wünschenswert, die der Fotograf auch im Interview nicht preisgibt.

Dennoch unterstützt dieses Projekt die Erkenntnis jeden Profifotografen, dass Portraitierte nicht selten Kritik an den Ergebnissen äußern, weil sie sich „schlecht getroffen“ fühlen. Kein Wunder, wenn die Selbstwahrnehmung teils so frappant von der Realität abweicht!