© Till Erdmenger – Businessfotos

Nicht für die Schule, für die Karriere lernen wir

In Ihrer Kolumne „Erfolg als Fotograf“ schreibt Silke Güldner, die fotografische Ausbildung in Lehre und Studium müsse praxisorientierter und kaufmännischer werden. Zuerst erinnerte mich diese These an die Kölner Schülerin Naina, die vor kurzem darüber lästerte, zwar nichts über Steuern, Miete oder Versicherungen zu lernen, aber eine Gedichtsanalyse in 4 Sprachen schreiben zu können. Mit der Einschränkung, dass ich den Lehrbetrieb stets als langsam und damit leicht rückschrittlich kennengelernt habe, muss ich inzwischen den beiden aber Recht geben. Ein wenig Vorbereitung auf das wirkliche Leben dürften Schule und Berufsausbildung bieten. In meiner Ausbildung habe ich weder durch den Lehrbetrieb, noch in der Berufsschule nützliche Inhalte zum Thema Akquise, Mappengestaltung oder Betriebswirtschaft erhalten. Das wäre aber wünschenswert gewesen. Es fordert ja niemand gleich das Modell des „betreuten Lebens“. In ihrem Artikel gibt Fr. Güldner übrigens einige handfeste Tipps, wie man dennoch an die benötigten Informationen herankommt und sich weiterbildet … Liebe Leser, was denken Sie darüber? Kann und sollte die Ausbildung zum Fotografen mehr kaufmännisches Wissen und Tipps für die Karriere bieten? Sollte Schule generell nur das Lernen lehren? Ist jeder seines Glückes Schmied? Gibt es außerhalb der Lehre bessere Methoden, dass Wissen und die Erfahrungen anderer, bereits etablierter Fotografen anzuzapfen?

James Nachtwey: Refuse to accept the unacceptable!

James Nachtwey ist eine eindrückliche Persönlichkeit, die ich sehr bewundere. Der Fotograf ist nicht einfacher Kriegsberichterstatter, er legt immer wieder den Finger in die Wunde und zeigt, was unrecht ist. Für sein Lebenswerk ist der Amerikaner nun mit dem Lifetime Achievement Award der American Society of Magazine Editors geehrt worden. Seine bewegende Ansprache ist auf der Seite der Times zu sehen und nachzulesen. Grade wenn derzeit gerne von „Lügenpresse“ geschrieen wird: Es sind Menschen wie Nachtwey, die unfassbare Geschichten erzählen und uns in unserem Inneren berühren. Die uns daran erinnern, dass wir das Inakzeptable niemals akzeptieren dürfen. Und dass es Möglichkeiten gibt, die Umstände zu ändern.

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Fotostil: Für die Masse oder für die Seele?

In unnachahmlicher Gleichzeitigkeit sind derzeit zwei ganz unterschiedliche Sichtweisen auf die (Landschafts-)Fotografie zu lesen. Die eine repräsentiert den analytischen und pragmatischen Blickwinkel: Die PhotoPresse zitiert Ergebnisse von Shutterstock, nach denen in diesem Jahr vor allem unscharfe Hintergrundmotive gefragt sein werden. Bokeh muss sein. Ungewöhnliche Perspektiven – vor allem die Draufsicht. Florales, pastelliges, sanftes. Dies werden die meistgesuchten und bestverkauften Bilder 2015 sein. Den Gegenentwurf hält PetaPixel bereit mit der Frage, wo in diesem aufpolierten, dem selbstdefinierten Massengeschmack entsprechenden Ästhetizismus denn eigentlich die Seele des Schaffenden, die Kunst stecke? Ich glaube, diese Positionen machen „unser“ Fach, die Fotografie, so ambivalent und interessant. Als Künstler geht es mir darum, meine Seele nicht verkaufen zu müssen, als Geschäftsmann muss ich aber gewissen Strömungen, die auch Kundenwünsche formen, nachkommen. Sich darin nicht zu verlieren und seine eigene Handschrift sichtbar zu machen, ist  eine fantastische Herausforderung! Und obendrein schöner Lesestoff für einen verschneiten Nachmittag ;-)

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Urheberrecht – ein Generationenkonflikt?

Mit sicherlich guten Absichten ruft derzeit das fotoMagazin zu einer Diskussion über das Urheberrecht auf. Was sollte, was könnte geändert werden? Der einleitende Artikel verwirrt jedoch in mancher Hinsicht: So wird rund um den aktuellen Fall Böhmermann, der unerlaubt ein Profi-Foto in sozialen Netzwerken verbreitete, eine Situation konstruiert, die das Urheberrecht als Konflikt zwischen althergebrachten Gesetzen und der „Generation Internet“ darstellt. So einfach, glaube ich, darf man sich das aber nicht machen. Gesetze dürfen und müssen ihrer Zeit angepasst werden – das ist richtig. Dass Gesetze missachtet werden, kann aber nicht mit deren Alter oder Unzeitgemäßheit entschuldigt werden.

In den Kommentaren schreibt die Autorin des Artikels sinngemäß, dass es einer Person, die ein Foto „teilen“, d.h. weiterverbreiten, will, nicht zumutbar sei, den Urheber ausfindig zu machen und um Erlaubnis zu fragen. Das, mit Verlaub, muss ich entschieden zurückweisen! Kein Dünnbrettbohrer dieser Welt kann sich darauf berufen. Wenn es nicht möglich ist, den Urheber eines Werkes zu ermitteln, dann kann es auch keine von dessen Seite erteilten Nutzungsrechte an diesem Werk geben. Ich kremple das mal andersherum auf: Warum werden täglich millionenfach Fotos ohne die entsprechende Lizenz verwendet? Gestohlen? Weil es so einfach ist. Weil alle es machen. Weil niemand sich Gedanken darum macht, wessen „Eigentum“ das ist. Wieviele Becher Joghurt würden ohne Nutzungsgebühr verzehrt werden, wenn es genauso einfach wäre, sie mitzunehmen? Wer weiss. Der Unterschied liegt aber im Bewusstsein, was „stehlen“ und was „teilen“ ist. Es ist also wichtig, über das Urheberrecht zu sprechen und es darf natürlich darüber gestritten werden. So ist das nun mal üblich in unserer Kultur. Nur ignoriert werden darf es nicht.

© Till Erdmenger – Businessfotos

Die Wissenschaft hat festgestellt: Fotos vom Profi sind besser …

Ja, natürlich hätte ich nichts anderes hören wollen. Und selbstverständlich sollte man keiner Studie glauben, die man nicht selbst gefälscht hat. Aber: Durch die Beobachtung der Augenbewegungen und der Dauer, mit der Fotos oder Bildteile betrachtet werden, lassen sich einigermassen zutreffende und interessante Dinge feststellen, z.B., dass Dokumentarfotos mehr Interesse erhalten als Stillleben oder Gesichter das Auge des Betrachters als erstes anziehen. Die NPPA hat jetzt ihre Ergebnisse eines großen Tests veröffentlich, in dem Probanden 100 Amateurfotos und 100 Profifotos gezeigt wurden. In 90% der Fälle erkannten die Teilnehmer, aus welchem Lager das Foto stammte. Die 25 bestbewerteten Fotos stammten von Profis, ebenso die 20 am häufigsten erinnerten Motive. Das alles beweist noch nichts und klärt auch nur in groben Zügen, was denn nun ein Foto interessant macht. Es zeigt aber zu einer Zeit, in der uns eine Welt voller Bilder umgibt, dass Menschen sehr wohl zu differenzieren verstehen. Und das halte ich für die wichtige Botschaft an Werbetreibende und Marketer: Unterschätzen Sie nicht Ihr Publikum. Es ist sicherlich keine gute Idee, seine Zielgruppe für dumm zu verkaufen und mit billigen Knipsbildchen abzuspeisen – sie könnte es bemerken!

Ausstellung: Elliott Erwitt – KOLOR

Che Guevara © Elliott Erwitt 1964. Mit freundlicher Genehmigung der in focus Galerie, Köln

Che Guevara © Elliott Erwitt 1964. Mit freundlicher Genehmigung der in focus Galerie, Köln

Die in focus Galerie begeht im Januar 2015 ihr 25-jähriges Galeriejubiläum. In Deutschland gibt es nur wenige Galerien, die über 25 Jahre in einer kontinuierlichen Arbeit ausschließlich Fotografien präsentiert haben. In den vergangenen 25 Jahren wurden in über 140 Ausstellungen neben berühmten Fotografen wie z.B. Lucien Clergue, Bruce Davidson, Elliott Erwitt, Franco Fontana, Greg Gorman, F.C. Gundlach, Thomas Hoepker, Susan Meiselas, Marc Riboud, Willy Ronis, Jan Saudek oder Jeanloup Sieff auch viele neue Talente wie Peikwen Cheng, Thomas Kellner, Vadim Gushchin, Arno Rafael Minkkinen, Hans Jürgen Raabe, William Ropp oder Susan Dobson zum Teil erstmals in Deutschland vorgestellt.

Die Jubiläumsausstellung im Januar 2015 wird als weltweite Premiere Fotografien eines der berühmtesten Fotografen der Welt zeigen. Es sind Fotografien eines erfüllten Arbeitslebens, die bis heute im Archiv des Künstlers nur darauf gewartet haben, in dieser Ausstellung gezeigt zu werden.

ELLIOTT ERWITT – “KOLOR”

In dieser Ausstellung wird eine vom Galeristen Burkhard Arnold und vom Fotografen Elliott Erwitt gemeinsam zusammengestellte Auswahl von 45 bedeutenden Farbarbeiten präsentiert. Noch nie wurden diese Fotografien des durch seine ironisch-intelligenten Straßen- und Hundefotografien berühmt gewordenen Fotografen gezeigt.

„Farbe ist beschreibend. Schwarz-Weiß ist interpretierend.“, so der Fotograf in seinen eigenen Worten. Elliott Erwitt arbeitet zweigleisig. Zum einen arbeitet er, vornehmlich in Farbe, in der Auftragsfotografie und der Werbung und zum anderen widmet er sich in seiner Freizeit seinem Hobby, dem zwanglosen Umherstreifen mit seiner Leica. Die so entstandenen Schwarz-Weiß-Arbeiten sind die, für die er heute am bekanntesten ist. Weltweit erstmalig werden nun die farbigen Arbeiten in der Kölner in focus Galerie präsentiert. Die Ausstellung trägt den Titel des gleichnamigen Buches: KOLOR, herausgegeben vom teNeues Verlag, 2014. Als Hommage und subtile Anspielung an George Eastman, den Mitbegründer der Firma Kodak, gedacht, werden Erwitts nie zuvor in Buchform publizierten Farbarbeiten gezeigt. Die 45 ausgewählten Arbeiten der Ausstellung präsentieren die Essenz seines umfangreichen Archivs, von denen viele Arbeiten beinahe in Vergessenheit geraten wären. „Ganz egal, ob es sich um Weltenlenker, Hollywoodstars, ganz normale Menschen oder kesse Showgirls handelt – die Motive bringen die Erwitt eigene, trockene und eklektische Sensibilität zum Ausdruck. Von Marktplätzen bis zu Militärlagern, Las Vegas bis Venedig – es ist eine vielseitige Mischung aus sorgsam beobachteten öffentlichen und privaten Kuriositäten.“ (Christoph Schroeter für rp-online.de).

Eröffnung am Samstag, den 10.01.2015 von 18 – 21 Uhr
Prof. Klaus Honnef spricht zur Eröffnung.

Öffnungszeiten:
bis 11.02.2015: Di. – Fr. 16 – 19 Uhr, Sa. 11 – 18 Uhr
bis zum 25. März gerne nach Vereinbarung

Pressemitteilung der Galerie

© Till Erdmenger – Businessfotos

… und ewig lockt das Geld. Wie man von verschenkter Arbeit nicht leben kann.

Wer bezahlt Fotografen? Diese Frage stellt ein Tumblr-Blog und ruft Profis weltweit dazu auf, anonym über Kunden/Auftraggeber und deren Zahlungswilligkeit zu berichten. Im Grunde ein legitimer, basisdemokratischer Ansatz. Er hat allerdings einen immanenten Nachteil: Kein Profi wird hier über Kunden berichten, die außergewöhnlich hohe Preise bezahlen. Zu groß wäre die Verlockung für jeden anderen Fotografen, genau dort zu akquirieren. Man muss die Liste also als Pranger lesen, um einen Nutzen zu finden. Und es ist tatsächlich haarsträubend, was man allein unter den Einträgen zu deutschen Auftraggebern lesen muss: Eine Tageszeitung, die ein Foto mit 10,- € honoriert; ein bekanntes Magazin, das angeforderte Fotos ohne Zahlung eines Honorars oder einer Nennung des Urhebers abdruckt; eine Werbeagentur, die für Auftragsfotografie 100,- € als Tagessatz bezahlt. Aus diesem Blickwinkel betrachtet muss man jene „schwarze Liste“ zukünftig bei Anfragen eines neuen Kunden konsultieren, um adäquat anbieten zu können: Ist der Auftraggeber etwa bekannt dafür, unfaire Honorare zu zahlen?

Als Inspiration für angemessene Honorare sollte ein Profi-Fotograf andere Quellen heranziehen: Ein guter Ausgangspunkt ist die Seite Berufsfotografen.com, die auch einen Honorarrechner anbietet. Dieser hilft mühelos bei der Erkenntnis, wie wenig vom Geld übrigbleibt, wenn man erst einmal alle Ausgaben für Equipment, Auto, Versicherung und Rücklagen subtrahiert hat. Kurz gesagt: Von 100,- € Tagesgage kann man nicht leben. Ein nützliches Tool für unterwegs ist die App DesignFee, mit der man sehr schnell einen Anhaltspunkt für den Aufwand einer Produktion ermitteln kann. Einen eigenen Stundensatz kann man hinterlegen, um schnell eine „Hausnummer“ zurufen zu können (leider aber keine eigenen Faktoren für die Ermittlung der Lizenzgebühren). Und Michael O. Kirchner hat grade ein Video-Tutorial veröffentlicht, dass die Preisgestaltung für Fotografen zum Thema hat (ich kenne dies allerdings noch nicht).

Liebe Kollegen: Es gibt also Hilfe auf dem Weg zu nachhaltigen Honoraren! Es gibt viele Gründe, seine Arbeit wertzuschätzen statt sie zu verschenken! Und es gibt keinen Anlass, selbst an der Preisspirale kräftig mitzudrehen und einen Markt zu zerstören!