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Fotografen-Tipp: Werden meine Preise zu hoch, wenn ich Lizenzen dazurechne?

Heute früh erreichte mich eine freundliche E-Mail eines Kollegen, der sich Gedanken darüber macht, inwieweit er seinen Kunden dedizierte Nutzungsrechte verkaufen könne. Völlig zu Recht stellt er sich (und mir) die Frage, ob die Kosten für seine Kunden nicht zu hoch würden, wenn er nun auch noch Lizenzen zu seinem Honorar dazurechnen würde.

Lieber Foto-Kollege, bitte erlaube mir, hier öffentlich auf Deine E-Mail zu antworten. Denn ich glaube, dass dies ein wichtiges Thema ist, das auch andere Fotografen beschäftigt. Zunächst möchte ich eine kleine Rechnung aufstellen: Wenn Du für die Eventfotografie eine Tagespauschale von 1300,- € berechnest (wie Du schreibst), impliziert das: Andere Aufträge berechnest Du möglicherweise mit anderen Tagessätzen. Warum? Könnte es sein, dass Dir Dein Bauchgefühl sagt, Kunden könnten mit Deinen Businessportraits oder Produktfotos vielleicht mehr Profit erzielen, als mit Eventfotos? Dies liesse sich nämlich mittels Nutzungsrechten sehr schön abbilden, ohne dass Du dafür unterschiedliche Tagessätze bräuchtest.

Ich entnehme Deiner E-Mail, dass Du Sorge hast, Deine Kunden könnten vor den Kosten zurückschrecken, wenn Du nun auch noch Lizenzen berechnetest. Ich könnte mir vorstellen, dass dieses Gefühl auch viele andere Kollegen umtreibt, so wie ich mich daran erinnern kann, dass ich mir selbst dazu ebenfalls den Kopf zerbrochen habe. Die Antwort ist ganz einfach: Passe Deinen Tagessatz an! Wenn Du bisher für 1300,- € gearbeitet hast, aber keine Nutzungsrechte erteilt oder ausgeschlossen hast, entspricht das dem vielfach so gern gesehenen „Buy out“. Deine Kunden haben also für 1300,- € alle Nutzungsrechte vollumfänglich und unbegrenzt übertragen bekommen. Mit einem Lizenzmodell würde ein solches „Buy out“ vermutlich mindestens 100% Aufschlag zum Honorar bedeuten. Mit anderen Worten: Du hast bisher also für 650,- € Tagesgage gearbeitet und Deinen Kunden wahrscheinlich vielfach unnötige Nutzungsrechte verkauft (dafür aber wenigstens vernünftig verdient).

Selbstverständlich solltest Du Deinen Kunden für die vollen Nutzungsrechte zukünftig nicht plötzlich das Doppelte des bisher üblichen berechnen – dafür hätten sicherlich die wenigsten Verständnis. Ich würde Dir folgendes raten: Überlege, welcher Tagessatz als „nackter Preis“ ohne Lizenz für Dich angemessen erscheint. Sagen wir 1000,- €. Wenn Du Dich an den Nutzungsfaktoren des AGD orientierst (so wie ich es tue), würde eine mittellange, aber intensive Nutzung (sprich: In mehreren Medien oder Publikationen) bei beschränkter geografischer Reichweite grob gesagt zu  Mehrkosten von ca. 75% führen. Du würdest dann in Zukunft für 1750,- € statt 1300,- € am Tag arbeiten und hättest Deinem Kunden dennoch relativ umfangreiche, jedoch von Dir genau umrissene Nutzungsrechte eingeräumt. Erscheint Dir das zu hoch? Dann drehe den Tagessatz noch etwas herunter. Bedenke aber: Wenn Du mit Lizenzen arbeitest, wirst Du oft genug aus Kostengründen eben nicht das volle „Buy out“ berechnen können. Deine Kunden werden auf gewisse Rechte verzichten, um die Kosten überschaubar zu halten. Im unglücklichsten Fall wird das dazu führen, dass du für Deine Eventfotos vielleicht sogar etwas weniger bekommst, als bisher. Eventfotos werden möglicherweise nur im Intranet eines Unternehmens gezeigt, haben somit eine geringe Nutzungsintensität und Reichweite, und werden darüber hinaus sicherlich nicht länger als einige Wochen lang gezeigt. Nach den AGD-Faktoren würde das einem Aufpreis von 30% auf das Honorar entsprechen. Hättest Du jetzt Deinen Tagessatz auf 1000,- € gesenkt, kämest Du sogar wieder auf die 1300,- € vom Anfang. Voila! Wenn das oben genannte Beispiel zu einem Entschluss geführt hätte, den Tagessatz noch unter 1000,- € zu senken, dann würdest Du Deine Eventfotos zukünftig allerdings günstiger verkaufen als bisher. Diese Überlegungen kann ich Dir natürlich nicht abnehmen.

Um Dir (und Euch anderen Fotografen, die ab jetzt richtige Nutzungsrechte vergeben wollt) ganz konkrete Zahlen an die Hand zu geben: Ich nutze die Faktoren Ort, Zeit und Intensität. Die AGD sieht auch die Exklusivität („Nutzungsumfang“ nennen die es) als weiteren Faktor vor. Für meinen Bereich der Unternehmensfotografie kann ich den allerdings nicht wirklich sinnvoll einsetzen: Ein Businessfoto des Firmengebäudes von Firma X kann ich schlecht an Firma Y lizenzieren (selbst wenn ich die Rechte dazu hätte), denn dieses Foto wäre einfach nicht authentisch. Die genutzten Faktoren haben jeweils 3 abgestufte Werte für die Ausprägung gering, mittel und viel. Dabei führt in meiner Tabelle die jeweilige Ausprägung „gering“ aller drei Faktoren zu einem addierten Mehrwert von 30% (jeweils 10% also). Im weiteren Verlauf steigere ich den Faktor Zeit allerdings etwas geringer als die beiden anderen Faktoren. Entscheide ich, dass alle Faktoren „viel“ ausgeprägt sind, führt dies bei mir zu einem Lizenzpreis in Höhe von 120% des Honorars. Die genaue Berechnung ist natürlich Dir überlassen – und selbstverständlich kannst Du weitere Faktoren berücksichtigen. Ich empfehle allerdings, die Rechnung möglichst simpel und vor allem nachvollziehbar zu halten. Wenn Deine Kunden dadurch merken, dass Deine Preise gut durchdacht sind und nicht aus dem Bauch heraus kommuniziert sind, wird das ehrlicher wirken.

Ich hoffe, Dir damit ein wenig Verständnis für den Nutzen von Nutzungsrechten vermittelt zu haben – und wie man dieses Thema im Angebotsalltag einsetzen kann. Du wirst feststellen, dass das Kapitel Lizenz bei Kunden einen sehr hohen Erklärungsbedarf auslöst. Ich erinnere mich an einen guten Kunden aus Düsseldorf, mit dem ich nach Abgabe meines ersten Angebots bestimmt eine Stunde lang telefoniert habe und vermutete, den Auftrag nicht zu erhalten. Ich konnte meinen Kunden aber offensichtlich von den Vorteilen einer Lizenzierung überzeugen und fotografierte im Laufe des Jahres noch etliche weitere Aufträge für ihn. Ich wünsche Dir ebenfalls viel Erfolg mit der Vergabe von Nutzungsrechten. Auf meinem Blog habe ich schon etliche male über Nutzungsrechte geschrieben – schau doch mal in meine anderen Artikel rein ;-)

 

Kohle-Mühle

Dada – und das seit 100 Jahren …

Dieser Tage jährt sich die Gründung des „Cabaret Voltaire“ zum 100. Mal – und damit die Geburtsstunde von „Dada“, jener Nonsens-Kunst, die vielmehr als „Anti-Kunst“ intendiert war. Gegen überkommene Traditionen und festgefahrene Gesellschaftsstrukturen schnippelten die Künstler unmittelbar nach dem 1. Weltkrieg und bis in die 30er Jahre hinein Collagen aus Fotos und Zeitungsausschnitten, dichteten „Gedünne“ und komponierten Ursonaten. Als Kind Hannovers bin ich also gradezu genetisch verpflichtet, auf dieses Jubiläum hinzuweisen, denn Kurt Schwitters, ebenfalls Hannoveraner, war sicher einer der bekanntesten Vertreter dieser Kunstrichtung, der treffend feststellte, dass Anna von vorne wie von hinten immer Anna bliebe und Hunde in Hannover an die Leine zu führen seien. Mehr über Dada lesen Sie z.B. auf Spiegel online. Das Deutschlandradio sendet am kommenden Freitag, 5.02., den ganzen Tag über Dada. Und das Quatschgedicht oben stammt von meinem Vater, selbst Künstler und großer Fan dieser Kunst, der es vermutlich in den 60ern persönlich aufschrieb.

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Ausstellungtipp: Germaine Krulls Industriefotos

Erst dieser Tage bin ich durch einen Artikel bei der Welt auf diese interessante Ausstellung aufmerksam geworden: Germaine Krull, eine junge deutsche Fotografin, hat im Paris der 20er Jahre intensive, direkte, authentische Industriefotografie betrieben. Die spannenden Ergebnisse sind derzeit im Berliner Gropius-Bau ausgestellt – allerdings nur noch bis zum 31. Januar. Weitere Infos finden Sie auch direkt auf den Museumsseiten.

Martin-Gropius-Bau Berlin, Niederkirchnerstraße 7, 10963 Berlin
15. Oktober 2015 bis 31. Januar 2016, Öffnungszeiten: MI bis MO 10:00–19:00, DI geschlossen

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Recht: Fotoverbot im Museum

Über die sehr verschiedenen Fotoverbote in Museen berichtet aktuell Heise. Dabei wird klar, dass es für den Fotoliebhaber nicht immer einfach ist, seinem Hobby nachzugehen: Selbstverständlich gelten auch für Kunstwerke die wohlbekannten Urheberrechte. Diese erlöschen erst 70 Jahre nach dem Tod des Künstlers – für zeitgenössische Kunst dürfte es in der Regel also keine Fotoerlaubnis geben. Zusätzlich spielen die Interessen der Besitzer von Leihgaben, die in einem Museum ausgestellt werden, eine Rolle. Ebenso das Hausrecht, das es jedem Museum individuell erlaubt, Fotoverbote auszusprechen.

Verständlich ist das grade bei den berüchtigten Selfie-Sticks, bei persönlichen Erinnerungen oft weniger. Übrigens: Dass Blitzlicht sehr häufig verboten ist, hat meiner Meinung nach ganz einfach damit zu tun, dass es vielfach schwieriger ist, technisch optimale Reproduktionen ohne eigene Lichtquelle anzufertigen.

Wo noch Einschränkungen der Foto-Freiheit bestehen, darauf bin ich übrigens schon in meinem Beitrag über die Panoramafreiheit eingegangen.

Duo-Tine

Perspektivwechsel: Frauen und die Fotografie

Fotografieren Frauen anders als Männer, fragt die Foto-Plattform ProPhoto Online – und kommt schnell zu dem Resümee: Es gibt keine sichtbaren Unterschiede im Duktus, bei der Technik oder den bevorzugten Motiven. Stereotyp mag man vermuten, Männer würden sich mehr für Technik interessieren und Frauen eher die unverstellte Persönlichkeit einfangen können. Doch Technik und Empathie sind nicht gender-spezifische, sondern individuelle Eigenschaften bzw. Befähigungen. Es scheint auch nicht determinierte Motive für Frauen respektive Männer zu geben, denn Frauen fotografieren genauso Krieg (Margaret Bourke-White, Gerda Taro, Anja Niedringhaus), wie Männer Hochzeiten oder Kinder ablichten.

Zu einem ganz anderen Schluss hingegen kommt der Kunsthistoriker Boris Friedewald, der vergangenes Jahr ein Buch über die „Meisterinnen des Lichts“ herbrachte und feststellt: „Es sind Frauen, die mit ihren Blicken und Werken Menschen verstören, provozieren, berühren und begeistern. Dafür sind sie berühmt.“ Inwieweit dies mit ihrer Eigenschaft des Frau-Seins zu tun hat, bringt der Artikel im Art-Kunstmagazin in seiner Knappheit freilich nicht ans Licht. Vielleicht führte dabei ein wenig auch die (gute) Idee dieses Bildbandes die Hand…

Verehrte Leser: Was meinen Sie zu diesem Thema? Erkennen Sie einen Unterschied zwischen weiblichen und männlichen Fotografen? Wer wäre Ihnen, für den Bereich der Unternehmensfotografie, lieber? Und warum? Diskutieren Sie mit!

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Ausstellungstipp: Terror Incognitus

Mit der Ausstellung „TERROR INCOGNITUS“ präsentiert ZEPHYR – Raum für Fotografie der Reiss-Engelhorn-Museen ab 31. Januar 2016 Arbeiten des Briten Edmund Clark. Der preisgekrönte Fotograf Edmund Clark zeigt, welche Folgen der Kampf gegen den Terrorismus seit 9/11 hat. In präzisen und atmosphärischen Bildern deckt er verborgene Machtsysteme auf.

Clark war der erste Fotograf, der im Gefangenenlager von Guantanamo fotografierte. Er berichtete von der Existenz der sogenannten „Control Order Houses“ im Vereinigten Königreich und zuletzt unter dem Titel „Mountains of Majeed“ aus der Welt der Militärcamps in Afghanistan. Diese Serien werden in Mannheim teils vollständig, teils partiell gezeigt.

Erstmals zu sehen ist Edmund Clarks neueste Arbeit. Sie behandelt ein düsteres Kapitel der jüngsten Vergangenheit. Mit „Negative Publicity: Artefacts of Extraordinary Rendition“ untersucht Clark das System der illegalen Entführung von Individuen, die unter vermeintlichem Terrorverdacht stehen, durch den US-Amerikanischen Geheimdienst und ihre Verbringung in sogenannte „Black Sites“. Diese bis Mitte der 2000er Jahre geheimen und illegalen Foltercamps befanden sich in Rumänien, Litauen, Syrien, Libyen oder Guantanamo. Die zentrale Verteilstation für die notwendigen Flüge war Frankfurt am Main. Aus Dokumenten, Gerichtsprotokollen und Fotografien webt Clark ein komplexes Netz von Informationen, das die Dimensionen des Systems und seine Folgen deutlich macht.

31.01.2016 – 29.05.2016
Edmund Clark: TERROR INCOGNITUS
ZEPHYR – Raum für Fotografie, Museum Bassermannhaus C4, 9

Beitragsbild: Aus der Serie “The Mountains of Majeed” Bagram Airbase, Afghanistan, Digitaler C-Print © Edmund Clark. Mit freundlicher Genehmigung der Reiss-Enkelhorn-Museen.