Schadensersatz: Fair bleiben!

Über Gerichte und Urteile kann man manchmal nur den Kopf schütteln. Ich will hier nicht in die schmuddelige Edathy-Schublade greifen, auch in anderen Fällen gibt es ähnlich unbegreifliche Urteile zu bestaunen. Kürzlich wurden zwei Musiker zur Zahlung von über 7 Millionen Dollar verurteilt, weil Ihr Song zu sehr von einem anderen „inspiriert“ war. Jetzt lese ich von einem Fotografen, dessen Foto über Jahre von einem Verlag in verschiedenen Büchern und auf mehreren Internetseiten missbräuchlich verwendet wurde. In Deutschland. In Österreich. Und in der Schweiz. Ein deutsches Gericht hat dem polnischen Fotografen Schadensersatz in Höhe von 5.580 € zugesprochen. Die vom Fotografen üblicherweise veranschlagten Honorare hätten zu Lizenzkosten i.H.v. gut 16.000 € geführt – das wurde aber vom Gericht nicht anerkannt. Nicht so sehr der Punkt, ob die Herkunft des Fotografen eine Rolle gespielt hat, interessiert hier. Vielmehr frage ich mich, wie ein Gericht die üblicherweise verwendeten Honorare eines Freiberuflers missachten (die sicherlich mithilfe anderer Rechnung hätten belegt werden können) und weit niedrigere Vergütungen nach eigenem Ermessen ansetzen kann. Und noch mehr frage ich mich, inwieweit dieses Urteil Signalwirkung für andere Foto-Missbraucher hat: „Sind mir die Kosten des Fotografen zu teuer, verwende ich die Fotos einfach ohne Lizenz. Mit etwas Glück zahle ich nichts, und wenn man mich erwischt, regelt das Gericht den Preis herunter.“ Pardon – um Straftaten (nichts anderes ist die Verletzung von Urheberrechten) zu verhindern, muss doch eine Strafe härter treffen, als den legalen Weg zu beschreiten, oder sehe ich das falsch? Was meinen Sie dazu? Ich bin gespannt auf die Interpretation meiner Leser!

Sonnenfinsternis © Till Erdmenger – Businessfotos

Sonnenfinsternis 2015

In einigen Tagen ist es soweit: Am 20.03. wird über Deutschland eine partielle Sonnenfinsternis eintreten. Obwohl solche astronomischen Schauspiele selten sind – und wir bis zum nächsten vergleichbaren Ereignis wieder etliche Jahre warten müssen – kann ich mich noch sehr gut an die totale Sonnenfinsternis von 1999 erinnern. Damals war ich mit Kameras, Stativen und Filtern beladen nach Süddeutschland gefahren, weil dort die Beobachtungs-Chancen am höchsten sein sollten. Und ich hatte Glück: Das Wetter passte und ich habe einige schöne Fotos mit nach Hause genommen (siehe oben). Leider habe ich die Filterfolie, die ich damals verwendete, noch nicht wiedergefunden. Jetzt muss ich sehen, wo ich im Laufe der Woche so etwas noch schnell besorgen kann. Anleitungen für die richtigen Belichtungszeit- und Blenden-Einstellungen finden sich ja zuhauf im Internet …

Chicago © Till Erdmenger – Businessfotos

Ganz ehrliche Manipulation

Anlässlich der jüngsten Diskussionen um Sparten-Sieger des World-Press-Photo-Contests (Szenen sollen gestellt und andernorts fotografiert worden sein) kramt das fotoMagazin eine Kolumne von Manfred Zollner aus der Zeit hervor, als vor 2 Jahren schon einmal (und nicht das erste mal) die Authentizität eines prämierten Pressefotos angezweifelt wurde. Man kann ihm nur beipflichten: Mittels Bildausschnitt, Perspektive und Technik „manipuliert“ jeder Fotograf seine Fotos – üblicherweise wird das allerdings als künstlerischer (oder zumindest kreativer) Schöpfungsprozess angesehen und vom Bildschaffenden auch so erwartet. Es ist der unmittelbare Grund dafür, dass Fotos gefallen, fesseln und eine Situation transportieren können.

Man kann die wieder aufgeflammte Debatte über unehrliche Reportagefotos in der „Lügenpresse“ aber noch anders deuten: Als Suche nach Orientierung, ein bisschen Ehrlichkeit, nach dem Echten, Originalen in dieser Welt voller Täuschungen und falschen Versprechen. Das klingt romantisch, verwundert aber nicht. Es steckt mehr dahinter als die Sensationslust an unretouchierten Fotos einer faltigen Cindy Crawford. Kunden möchten einfach nicht beschissen werden. Auch Ihre nicht – und aus diesem Grund empfehle ich ganz eindeutig authentische Unternehmensfotos, die tatsächlich Ihr Unternehmen und Ihre Mitarbeiter zeigen. Das ist meine ganz ehrliche Art, Ihre Marketingentscheidung zu manipulieren ;-)

© Till Erdmenger – Businessfotos

Joblog: Businessportraits für die Ärztekammer

Auch wenn derzeit besonders viel zu tun und die Zeit für diesen Blog knapp ist, möchte ich doch wenigstens gelegentlich aktuelle Arbeiten zeigen. Über den jüngsten Auftrag der Ärztekammer Nordrhein habe ich mich besonders gefreut, zählt die ÄKNO doch zu meinen ältesten Kunden, für die ich schon vor über 10 Jahren die ersten Aufträge fotografiert habe. Letzte Woche standen Portraits des Personalrats auf der Agenda. Und auch der aktuelle Jahresbericht 2014 ist gespickt mit einigen „Dauerbrennern“ – Fotos, die ich vor etlichen Jahren produziert habe und die seitdem jährlich die Jahresberichte illustrieren …

© Till Erdmenger – Businessfotos

Nicht für die Schule, für die Karriere lernen wir

In Ihrer Kolumne „Erfolg als Fotograf“ schreibt Silke Güldner, die fotografische Ausbildung in Lehre und Studium müsse praxisorientierter und kaufmännischer werden. Zuerst erinnerte mich diese These an die Kölner Schülerin Naina, die vor kurzem darüber lästerte, zwar nichts über Steuern, Miete oder Versicherungen zu lernen, aber eine Gedichtsanalyse in 4 Sprachen schreiben zu können. Mit der Einschränkung, dass ich den Lehrbetrieb stets als langsam und damit leicht rückschrittlich kennengelernt habe, muss ich inzwischen den beiden aber Recht geben. Ein wenig Vorbereitung auf das wirkliche Leben dürften Schule und Berufsausbildung bieten. In meiner Ausbildung habe ich weder durch den Lehrbetrieb, noch in der Berufsschule nützliche Inhalte zum Thema Akquise, Mappengestaltung oder Betriebswirtschaft erhalten. Das wäre aber wünschenswert gewesen. Es fordert ja niemand gleich das Modell des „betreuten Lebens“. In ihrem Artikel gibt Fr. Güldner übrigens einige handfeste Tipps, wie man dennoch an die benötigten Informationen herankommt und sich weiterbildet … Liebe Leser, was denken Sie darüber? Kann und sollte die Ausbildung zum Fotografen mehr kaufmännisches Wissen und Tipps für die Karriere bieten? Sollte Schule generell nur das Lernen lehren? Ist jeder seines Glückes Schmied? Gibt es außerhalb der Lehre bessere Methoden, dass Wissen und die Erfahrungen anderer, bereits etablierter Fotografen anzuzapfen?

James Nachtwey: Refuse to accept the unacceptable!

James Nachtwey ist eine eindrückliche Persönlichkeit, die ich sehr bewundere. Der Fotograf ist nicht einfacher Kriegsberichterstatter, er legt immer wieder den Finger in die Wunde und zeigt, was unrecht ist. Für sein Lebenswerk ist der Amerikaner nun mit dem Lifetime Achievement Award der American Society of Magazine Editors geehrt worden. Seine bewegende Ansprache ist auf der Seite der Times zu sehen und nachzulesen. Grade wenn derzeit gerne von „Lügenpresse“ geschrieen wird: Es sind Menschen wie Nachtwey, die unfassbare Geschichten erzählen und uns in unserem Inneren berühren. Die uns daran erinnern, dass wir das Inakzeptable niemals akzeptieren dürfen. Und dass es Möglichkeiten gibt, die Umstände zu ändern.

© Till Erdmenger – Businessfotos

Fotostil: Für die Masse oder für die Seele?

In unnachahmlicher Gleichzeitigkeit sind derzeit zwei ganz unterschiedliche Sichtweisen auf die (Landschafts-)Fotografie zu lesen. Die eine repräsentiert den analytischen und pragmatischen Blickwinkel: Die PhotoPresse zitiert Ergebnisse von Shutterstock, nach denen in diesem Jahr vor allem unscharfe Hintergrundmotive gefragt sein werden. Bokeh muss sein. Ungewöhnliche Perspektiven – vor allem die Draufsicht. Florales, pastelliges, sanftes. Dies werden die meistgesuchten und bestverkauften Bilder 2015 sein. Den Gegenentwurf hält PetaPixel bereit mit der Frage, wo in diesem aufpolierten, dem selbstdefinierten Massengeschmack entsprechenden Ästhetizismus denn eigentlich die Seele des Schaffenden, die Kunst stecke? Ich glaube, diese Positionen machen „unser“ Fach, die Fotografie, so ambivalent und interessant. Als Künstler geht es mir darum, meine Seele nicht verkaufen zu müssen, als Geschäftsmann muss ich aber gewissen Strömungen, die auch Kundenwünsche formen, nachkommen. Sich darin nicht zu verlieren und seine eigene Handschrift sichtbar zu machen, ist  eine fantastische Herausforderung! Und obendrein schöner Lesestoff für einen verschneiten Nachmittag ;-)