Grischa News vom 27.04.2003

Diesmal beginne ich mit einem Vorwort in eigener Sache: Immer wieder bekomme ich positive Resonanz auf die „Grischa News“. Dafür einen lieben Dank an alle. Euer Lächeln ist mir Lohn genug für entbehrungsreiche Abend- und Wochenend-Stunden im Büro. Aus diesem Grund habe ich bisher die lukrativen Angebote der „Neuen Züricher Zeitung“, der „Frankfurter Allgemeinen“ und der „Süddeutschen“ abgelehnt, um weiter exklusiv für Euch berichten zu können. An dieser Stelle möchte ich Antworten zitieren, die mir ganz besonders gut gefallen haben:

1. Andrea, die meine mail in Ahmedabad/Indien erhielt, schrieb: „Ich habe mich mal wieder köstlich amüsiert! […] viele Grüsse von „Davos viele Kühe auf der Strasse gibt!“
2. Uwe aus Mannheim antwortete: „Ich bin zur Zeit nicht im Büro. Ich werde am 15.4. wieder zurück sein. Dies ist eine automatisch generierte email.“

Allen weiblichen Wesen unter der Leserschaft wird empfohlen, die nun folgenden Zeilen zu überspringen, denn jetzt folgt das Männer-Thema der Woche.
Die Sommerreifen quitschen, der Schnee ist weg, die Motorräder fliegen wieder tief: Ja, der Sommer steht vor dem Kühlergrill und mit ihm die Freude am Fahren. Dies ist ein hervorragendes Exempel für die schweizer Mentalität. Der Reichtum dieses Landes spiegelt sich in den Chrom-Applikationen flotter Flitzer wieder. Natürlich verstehe ich, dass es bei den üblichen Neigungswinkeln hiesiger Strassen, dem Zustand einiger Bundesfeldwege und der stets drohenden Gefahr eines Winter- und Touristen-Einbruchs opportun ist, ein Fahrzeug mit Allrad-Antrieb zu besitzen. Warum allerdings neben allen „Synchro“-, „4WD“- und „Allroad“-Varianten viele Einheimische schelmische Denksportaufgaben an ihr Auto schreiben, ist mir rätselhaft. Ich habe es mehrmals stichprobenartig überprüft: Auch ein Auto mit „4×4“ hat keine 16 Räder! Dennoch prangt das sogar an den kleinsten gelben „Post-Pandas“.
Wesentlich häufiger ist in der Schweiz allerdings die Marke Subaru vertreten. Ich vermute, die Kaufentscheidung wird weniger durch die formschöne Gestaltung forciert, die darauf schliessen lässt, Subaru stecke so viel Geld in das Antriebskonzept, dass sie sich keinen Designer mehr leisten können, als vielmehr mittels provokanter Modellbezeichnungen. Ein entsetzlich weinrot-goldener Kombi trägt z.B. den Namen „Legastheny Outbreak“ (oder war es doch „Legacy Outback“?)
Diese Modelle stellen aber sozusagen das untere Ende der weiss-roten Fahnenstange dar. Viel eher trifft man auf Skoda Kombis und fette Audis. Bevorzugt werden die Modelle mit besonders viel Leder, Chrom und einer hohen Anzahl an Auspuffrohren. Zur Beruhigung kann ich aus eigener Erfahrung sagen: Selbst mit grossvolumigen Motoren zieht’s einem an der Tankstelle nicht die Wandersocken aus. Nicht nur, dass die hier fehlende Ökosteuer den Sprit einige Cent billiger macht, die Schweizer haben auch rigide Ansichten von Höchstgeschwindigkeit auf ihren Strassen. Gut, mit den offiziellen 80km/h auf Landstrassen kann man noch leben, wenn man diese konsequent in jeder Kurve und Passkehre hält, aber auf den Autobahnen mit 100 bis 120 zu stehen, hält nur aus, wer „cruise control“ an Bord hat. Ich fühle mich fast wie zuhause, wenn ich sehe, wie „75km/h-Schleicher“ Zeit gut machen, in dem sie auch in Ortsdurchfahrten den Tempomaten nicht deaktivieren. Kurzum, bei dieser Fahrweise kommt man natürlich spritsparend davon.
Irgendwie bestätigt diese Situation meinen Eindruck , die Schweizer wüssten manchmal nicht so genau, was sie eigentlich wollen. Neutral sein wollen sie schon, aber Waffen exportieren sie dennoch. Ihre unverschämten Preise verlangen sie schon, aber Touristen wollen sie doch. Löcher im Käse muss schon sein, aber hinterher schmelzen sie ihn trotzdem.
Dabei fällt mir die alte Flensburger-Reklame ein. Drei ältere Männer auf der Hollywood-Schaukel, der Lackaffe eben grade mit seinem Sportwagen davongebraust, jeder öffnet sein Pils mit einem vernehmlichen Plopp: „Jo, der hat ja man bannig viel Kohle – aber genützt hats ihm gornescht“ (oder so ähnlich)

Und da hier 1a-Cabrio-Wetter herrscht, verlasse ich jetzt das Büro (Betonung auf der 1. Silbe!) und gebe mich den Gedanken an das Abflexen meines Skoda-Kombi-Daches hin. Vielleicht kann mir Uwe mit seinem SLK-Knowhow zur Seite stehen, falls er mal zufällig wieder an seinem Arbeitsplatz sein sollte…

Viele Grüsse von „Davos trotz viel PS gemächlich vorwärts geht“, Till

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