Grischa News • Singapore Issue • March ´04

Singapore Skyline
© Till Erdmenger

„Sing when you´re poor in Singapore…“
Wow, wo sind wir da gelandet, nach diesem heimeligen kleinen Flug von nur 13 Stunden Dauer, der nicht mal reichte, die 29 offerierten Movie-Highlights komplett zu genießen? Während dem wir vor der Wahl standen, den „Huhn-unbekannter-Herkunft“ enthaltenden Microwellenmüll entweder direkt in den dafür bereitgelegten Papierbeutel, oder aber auf dem Umweg mit Zwischenstop im Magen zu entsorgen? Wohin waren wir in Begleitung unzähliger, in feinsten malayisch-chinesisch-indisch-arabischen Zwirn gewickelter Schönheiten geflogen? Würden die im Reiseführer suggerierten Faszinationen Singapore´s erfüllt werden? Die in allen Dimensionen endlosen Einkaufscenter der Orchard Road, die kolonialbritischen Überbleibsel, die öffentlichen Dekapitationen der des kaugummikauens Überführten? Die boomende Juppie-Kultur, niedrigmehrwertsteuerlandbillige Rolex, weltbekannter Zoo?
Die Antwort gleicht der täglichen norddeutschen Wettervorhersage: Teils – teils.
Und weil ich weiß, dass Ihr´s genauer wissen wollt, hier die Details…

Stellt Euch vor, Ihr kommt in voller Sibirien-Ausrüstung von der Piste und entert den nächsten Apres-Ski-Bunker. Oder Ihr betretet im Anschluß an die Konferenz im schnicken Business-Dreiteiler eine finnische Dampfsauna. Alternativ könnt Ihr Euch natürlich noch was anderes vorstellen, aber so ähnlich ist es, wenn Ihr in Singapore aus dem Flieger steigt. Schweißflecken breiten sich hier schneller aus als Ebola & SARS und schneller, als ich den Satz beenden kann. Wem die Schwüle richtig zusetzt, kann sich ja im nächsten Restaurant ´nen „Jug Beer“, also etwa einen Liter feinstes Fernostbräu, für ca 15,- Euro bestellen. Wird vorher nur schwierig, das passende Restaurant aus dem dichtgedrängten Angebot des Boat Quay herauszusuchen, da man hier mit schon fast verbrecherischen Methoden auf offener Straße überzeugt wird, genau dieses sei das beste Lokal vor Ort. Hier offenbart sich die einem Durchschnittseuropäer eher fremde und undifferenziert erscheinende asiatische Kultur. Dabei ist Singapore sicherlich ein ganz besonderes Beispiel: Mitte des 19. Jahrhunderts als britische Kolonie zum wichtigen Handelshafen gewachsen, penetriert von Europäern, Indern, Chinesen, Malayen und Arabern und erst in den Sechzigern in die Unabhängigkeit entlassen, gibt´s hier Multikulti hoch zehn. Bezeichnenderweise findet man die bedeutenste buddhistische Kirche in Chinatown, während in Little India die größte arabische Moschee steht. Oder war es andersherum? Während man uns also auf den Streifzügen im chinesischen Viertel „Saddam-Hussein-Pokerkarten“ feilbietet und wir statt dessen gigantische Räucherkerzen erstehen (wir hatten aus Angst vor Einzelhaft keine solchen mitgenommen, um die als Gastgeschenke für Australien bestimmten Räuchermännchen zu befeuern), finden wir in den Gewürzgeschäften und an den Registrierkassen der indisch geprägten Gassen die jedem verheirateten Mann bekannte Situation vor: Er arbeitet, Sie sackt die Kohle ein. Und das nicht zu knapp! Das verheissene Einkaufsparadies „must have been gone with the wind“ – dem tropischen Monsun. Unserem unabhängigen, überparteilichen und dem deutschen Inflationsmesseinheitswarenkorb angepassten Preisvergleich kann man eindeutig entnehmen, dass die typischen Konsumgüter auf der Orchard Road genauso viel kosten, wie auf der Lister Meile, der Königsallee oder der Davoser Promenade. Mit tränenüberströmtem Gesicht ließen wir also die Gucci-Nappalederjacke, die Submariner GMT und die neuste Panasonic-40-Megapixel-Knipse im Regal stehen.
Statt dessen bot sich an, einen ordentlichen Kaffee bei Starbuck´s zu konsumieren. Die singapurianische Regierung sorgt seit den 70´ern mit einem „Gesetz zur Verschönerung des öffentlichen Lebens“ – oder so – für drakonische Strafen in Falle achtlos weggeworfener Umverpackungen oder Zigarettenstummel. Während sich dies in sehr niedriger Kriminalität und feinstem britischen „Schlangestehen“ am Taxistand manifestiert, wurde einer liebgewonnenen deutschen Tradition leider nicht Rechnung getragen: Wem der Starbuck´s-Kaffee zu schnell durchläuft, muß eben zwei Häuser weiter bei McDonald´s auf´s Klo gehen. Trotz offizellem „Hygiene-Star“ in diesen Restrooms war ich verleitet, stattdessen das Risiko einzugehen, meine schweißgetränkten Shorts pastellgelb zu färben. Zu allem Überfluß dann noch bei jeder Zigarette das Gefühl, am Rande der Legalität zu stehen. Auch wenn es in Wirklichkeit nur der Rand des gelbmarkierten Raucherfreigeheges am Flughafen ist.
Fazit: Dieser äquatornahe Stadtstaat ist genauso dreckig, wie jede handelsübliche europäische Großstadt.

Ein kleiner Reisetipp noch zum Schluß: Wer, wie ich als Linkshänder, fürchtet, in einem landestypischen Restaurant wie dem Banana Leaf schief angesehen zu werden, weil man dort, so die Reiselektüre, das Essen mit der rechten Hand zu mundgerechten Kügelchen rollt, während die andere Hand als „Unreine“ unter dem Tisch bleibt, kann beruhigt sein. Wir durften Krebsfleisch, Fisch und Reis mit klassischem Besteck vom Bananenblatt kratzen. Auch bei Einheimischen bleibt die Linke jetzt über Tischplattenniveau. So lässt sich nämlich vorzüglich parallel zum reiskugeln noch mit dem Mobile Phone telefonieren! Und wer dann GSM-verstärkt rülpset und furzet, tut in bester asiatischer Manier sein Wohlgefallen an Speis´ und Trank kund.

Viele Grüße von „Davos endlich wieder nach außen öffnende Kneipentüren gibt“, Till

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Privat am von .

Über Till Erdmenger – Businessfotos

Till Erdmenger ist seit 1996 als Profifotograf tätig. Sein Schwerpunkt liegt im Bereich Businessfotos – unter anderem für Kunden wie ISS Facility Services, Merck Serono, Kaufhof, Porsche, Volkswagen oder den Marburger Bund. Die Kompetenz von Till Erdmenger liegt in der Unternehmensfotografie, zu der neben professionellen Businessportraits vor allem Imagefotos für die Unternehmenskommunikation und die Dokumentation von Firmenveranstaltungen zählen. Till Erdmenger bietet seine Businessfotos neben kleinen und mittelständischen Unternehmen gezielt auch Kliniken, Ärzten und Zahnärzten an.

Ein Gedanke zu „Grischa News • Singapore Issue • March ´04

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s