Grischa News vom 24.06.2004

Achtung, wichtige Durchsage: Hier meldet sich das Davoser Verkehrsministerium mit einigen Reisewarnungen für die anstehende Feriensaison. Ad 1: Parken Sie am Züricher Flughafen nur beim Valet Parking, wenn Sie ein ausreichend gedecktes Spesenkonto haben! Fallen Sie nicht, wie einige meiner Kollegen, darauf rein, das nette Angebot, den Wagen waschen zu lassen, anzunehmen. Sie könnten genauso gut 4x selbst durch die Waschanlage fahren. Und bringen Sie übermenschlichen Gleichmut auf, wenn Sie planen, Ihren Wagen mit 14 Stunden Verspätung abzuholen. Dazu später mehr.

Der Kernpunkt unserer heutigen Ausgabe richtet sich an jene verwirrten Rundes-Leder-22-kurze-Hosen-Fans, die mit dem Gedanken spielen, ein EM´04-Spiel live verfolgen zu wollen. Es könnte sein, dass Sie nicht wieder nach Hause kommen! Das hat nichts mit der propretären portugiesischen Landschaft zu tun, dem wunderbaren Wetter, dem atemberaubenden Atlantik oder den meeresfrüchtebetonten Magenschmeichlern, sondern schlichtwegs mit der Personenbeförderungsmoral öffentlicher Verkehrsmittelbetreiber in Südwesteuropa. Mein Tipp: Bereiten Sie sich entsprechend auf einen längeren Aufenthalt vor, lernen Sie portugiesisch, lesen Sie die offizielle Kolumbus-Biographie, stecken Sie genug Bares ein und besorgen Sie sich notfalls eine portugiesische Schwiegertocher, bei deren Familie Sie solange unterkommen können.

Vor ein paar Wochen war ich aus beruflichen Gründen in Porto, wo ich neben ein paar Reportagefotos auf einem internationalen Ärztekongress die einzigartige Möglichkeit hatte, einige exklusive Fotos eines gewissen Herrn Sandemann zu machen, der mich im schwarzbemäntelten Sensemannoutfit von jeder einigermaßen bemal-, bedruck- oder beklebbaren Oberfläche anlächelte. Mein Rückweg begann mehr schlaf- als sherrytrunken, vor allem, weil die Hotel-Barkeeperin kein Bitter-Lemon kannte, und mir Vodka mit einer dicken Zitronen-Scheibe servierte und auf meine Nachfrage, ob dies die einheimische Variante von Vodka-Lemon sei, das ganze mit Sprite auffüllte. Nach einer abenteuerlichen Taxifahrt morgens um 5:00, bei der ich wider Erwarten für das Entgeld von nur 25,- Euro kein kontinentales Frühstück mit Kaffee serviert bekam, wollte ich meinen 6:15-Flieger nach Lisboa besteigen, musste jedoch feststellen, dass dieser Flug gecancelled war. Zur Begründung wurde mir erklärt, dass einfach kein Flugzeug da wäre! Na so ein Zufall, da hätte man von seiten der portugiesischen Fluggesellschaft TAP natürlich mal drauf kommen können, dass man irgendetwas mit Flügeln, Turbinen und ein paar Sesseln braucht, um einen Linienflug durchzuführen! Die nachfolgenden, sich quasi überschlagenden Ereignisse, halte ich hier etwas detaillierter fest:

5:00 bis 6:00 Uhr: Anstehen am Serviceschalter, wo ich schließlich auf eine Maschine um 8:15 nach Lissabon umgebucht werde. Natürlich ist mein Anschlussflug nach Zürich dann schon irgendwo über der iberischen Halbinsel, so daß ich avisiert bekomme, ich könne nachmittags die nächste Verbindung in die Alpen wahrnehmen.

6:00 bis 8:00 Uhr: Anstehen am Check-In, der in dem Moment schließt, in dem ich als nächster an der Reihe gewesen wäre. Grund: Alle Passagiere des 6:15-Fluges wurden zusätzlich auf den 8:15-Flieger gebucht, der offensichtlich schon zuvor ausgebucht war. Resultat: Selbst Fluggäste, die ein originales Ticket für 8:15 Uhr hatten, kamen nicht mehr an Bord. Weiteres Resultat:

8:00 bis 12:00 Uhr: Anstehen am Serviceschalter. Währenddessen hatte ich Gelegenheit, meine komplette bisherige und zukünftige Lebensgeschichte mit einem Arzt aus Bangkok auszutauschen, eine frische Packung Gauloises Blondes in die stickige Abflughalle zu blasen und den Verbalentgleisungen einer 65-jährigen Frankfurterin zu lauschen, die zwar keine einheimische Schwiegertochter, jedoch eine ausgewanderte Schwester vor Ort hatte, und sich zurecht entrüstete, trotzdem nicht nach Hause zu kommen.

12:00 Uhr: Ich werde von einem apathischen TAP-Angestellten ohne ein Wort der Entschuldigung auf einen Iberia-Flug um 12:50 nach Madrid gebucht, von wo ich dann eine gute Stunde später nach Zürich weiterfliegen soll.

12:10 Uhr: Einchecken bei Iberia

12:50 Uhr: Das Bording beginnt, ich steige in einen Bus, der in einem opulenten Bogen zu einem Flugzeug fährt, das etwa 10 Meter von der Terminalausgangstür entfernt steht. Nachdem wir unser Flugzeug nun schon mal von Außen begutachten durften, wird uns mitgeteilt, dass sich der Abflug wegen eines technischen Problems verzögere. Wir werden wieder zum Terminal gefahren.

13:15 Uhr: Erneuter Versuch, das Flugzeug zu entern. Diesmal von Erfolg gekrönt.

13:45 Uhr: Abflug nach Madrid. Nach meinen bescheidenen Rechenkünsten bleiben mir in Madrid genau 20 Minuten zum Umsteigen.

16:00 Uhr (Ortszeit): Madrid – die Frisur hält! Dafür muß ich einen unter normalen Bedingungen bestimmt einstündigen Spaziergang ans andere Ende des Flughafens durch einen fünfzehnminütigen Sprint inklusive polizeilicher Sicherheits-Röntgen-Uhr-ab-Handy-aus-der-Tasche-piepspieps-Ganzkörperbetatschung sublimieren. Als ich schließlich auf meinem Platz saß, überzeugten sich meine beiden Lungenflügel erstmal außerhalb meines Körpers von der Existenz von Sauerstoff.

Wie Ihr diesen Zeilen entnehmen könnt, habe ich es nach Hause geschafft. Auch wenn ich nur emphatisch vor der genannten portugiesischen Fluglinie warnen kann, tröstet mich, dass diese binneneuropäische Schikane offensichtlich keine rassistischen Hintergründe hatte: Die deutsche National-Elf jedenfalls kam – im Gegensatz zu mir – zügig wieder aus Portugal zurück. Dies ist vielleicht das überzeugendere Argument, den Endspielen in Portugal fernzubleiben. Meinem Erschöpfungszustand habe ich zu verdanken, dass der Züricher Valet-Parking-Idiot noch am Leben ist, nachdem er mir den freundlichen Hinweis gab, ich hätte doch vielleicht anrufen können, um ihm mitzuteilen, dass ich später käme! Wie recht er hatte: Während meines kumulierten 8-Stunden-45-Minuten-Warte-Marathons hätte ich doch wirklich Zeit dazu gehabt!

Bis demnächst von „Davos nur mal nen Stau gibt, weil grad mal wieder eine Kuhherde den Asphalt abgrast“, Till

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Über Till Erdmenger – Businessfotos

Till Erdmenger ist seit 1996 als Profifotograf tätig. Sein Schwerpunkt liegt im Bereich Businessfotos – unter anderem für Kunden wie ISS Facility Services, Merck Serono, Kaufhof, Porsche, Volkswagen oder den Marburger Bund. Die Kompetenz von Till Erdmenger liegt in der Unternehmensfotografie, zu der neben professionellen Businessportraits vor allem Imagefotos für die Unternehmenskommunikation und die Dokumentation von Firmenveranstaltungen zählen. Till Erdmenger bietet seine Businessfotos neben kleinen und mittelständischen Unternehmen gezielt auch Kliniken, Ärzten und Zahnärzten an.

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