Grischa News vom 25.01.2006

Nach einem süßen, wohlverdient quasi-anarchischen Dornröschenschlaf des geschäftsführenden Interregnums ist Deutschland mit der Inthronisierung Frau Merkels weniger durch einen Prinzenkuß denn durch eine Art souveräner Indifferenz erwacht. Und so wird es Zeit, die aktuellen Auswirkungen meines persönlichen “clash of civilizations” erneut zu dokumentieren. Zum ersten mal hat es also eine Frau geschafft, mit der Ankündigung von Steuererhöhungen Kanzlerin zu werden, und die Bevölkerung dankt es ihr mit anerkennendem Respekt. An dieser Stelle ein kleiner Flashback: Etwa 3 Jahre ist es her, da trotzte die Oppositionsführerin Merkel dem Bundesgerd und seinem Nein zum Irakkrieg, ignorierte die ablehnende Stimmung im eigenen Land und unterstützte den amerikanischen Ober-Cowboy in seinem wahnsinnigen Vorhaben.

Morgens, halb zehn in Paris: Frau Merkel guckt wie ein Knoppers, ignoriert die ablehnende Stimmung im eigenen Land und unterstützt den französischen Ober-Cowboy in seinem wahnsinnigen Vorhaben, alle potenziellen Schurkenstaaten dieser Welt mit seinem Atomwaffenarsenal einzuschüchtern. Plant sie, gemeinsam mit Jaques die Fremdenlegion nach Teheran zu führen? Das klingt für mich wie ein ganz böser Trip. Vielleicht können ihr nur noch bewußtseinserweiternde Chemikalien zur Einsicht verhelfen oder wenigstens dabei helfen, nicht mehr so miesepetrig zu gucken.
Da sie wegen des heute beginnenden “World Economic Forum” sowieso grade in Davos ist, ich sie aber nicht treffen wollte, hätte sie noch Gelegenheit, Herrn Dr. Hofmann zum 100. Geburtstag zu gratulieren. Jener ist nicht nur ein sehr alter Schweizer, sondern auch der Erfinder des LSD, und hätte möglicherweise einige erfolgversprechend-psychoaktiven Ratschläge parat.
Wie es die Schweizergarde schafft, ganz ohne Halluzinogene seit nunmehr 500 Jahren den Papst zu beschützen, bleibt allerdings rätselhaft. Es wäre jedoch denkbar, daß die psychedelisch-bunten Uniformen oder die obligatorische Zugehörigkeit zur katholischen Kirche die Söldner bei ihrer Pflichterfüllung mental unterstützen und so dieses Jubiläum ermöglicht haben.

Da einige Leser eventuell kurzentschlossen beschließen, dem “kreativen Imperativ” zu frönen und noch schnell das WEF in dieser komplett ampelfreien Stadt zu besuchen, möchte ich den folgenden Abschnitt einem kleinen Sprachkursus widmen. Was die Beatles mit “Lucy in the Sky with Diamonds” meinten, wäre eine rhetorische Frage. Aber wußtet Ihr, daß man nicht in – sondern z´Davos wohnt? Daß man an einen – nicht zu einem Kongress fährt? Daß sich die Schweizer einen Buchstaben der Dänen ausgeliehen haben: Das “å”, das man wie das “o” in “Norden” oder das “a” im englischen “all” ausspricht? Und daß kein Schweizer ein klares “a” aussprechen kann, es sei denn, man schreibt es als “e”? Daß irgendwie alles auf der ersten Silbe betont wird? Daß bei Vornamen, die auf “e” enden, dieses immer stumm bleibt? Daß der Wortbestandteil “ei” grundsätzlich wie “i” ausgeprochen wird und Substantive nie auf “-ung”, sondern auf “-ig” enden? Daß Konjugieren und Deklinieren Kinderkacke ist? Man zwar bei Hauptworten getrost auf den Artikel verzichten kann, vor Eigennamen aber der Erleichterung einer geschlechtlichen Zuordnung wegen immer “der” oder “die” setzt?
Man trifft sich also “Måhn am Morrrge” (morgen früh) auf “å kliiis Znüni” (kleines Frühstück) mit “der Su-sann” (Susanne) z´Zürich (in Zürich), kommt dann aber wegen einer “Umleitig” (Umleitung) “es bitzli spåht“ (ein bißchen später). Die Su-sann “heikt” (hat) dann schon bei der “Serviertochter” (Kellnerin) bestellt, natürlich Rivella, Frühstücks-I oder anderen ungenießbaren Nationalkram, der es einem erleichtert, den “Nabel” (Nebel) über´m Zürisee zu ertragen, der wegen “Biese” (Fön-Wetter) noch bis “Ende Monat” (Ende des Monats) im Unterland hängt.

Wer nach diesen Erläuterungen noch zweifelt, was “Uuus-schaffig” bedeutet, der möge meinen Nachbarn Selman Kolic fragen, dessen Frau und fünf Kinder Ende Oktober in einer feinsten polizeistaatlichen Nacht-und-Nebel-Aktion inklusive Hausumstellung außer Landes geschafft wurden. Die Kolics stammen nämlich aus dem Kosovo, und dort wähnt man die potenziellen Sozialschmarotzer weit genug weg vom heilen Schwiiitzerländle. Um diese leicht durchschaubare Taktik zu verschleiern, fanden die Kantonsbehörden (Mehrzahl von Kanton = Kantön!) einige obskure Gründe: Das Bauarbeitergehalt von Hr. Kolic, etwa 5.000,- CHF, reiche nicht aus, um seine Familie zu versorgen (ich bin sicher, die Kolics kauft nicht im Wiesener Dorfladen ein, denn dann würde es tatsächlich nicht reichen!). Außerdem böte die 4-Zimmer-Wohnung nicht genug Platz für eine so große Familie. Daß Frau Kolic mit ihren fünf Kindern nun in einer Baracke ohne Strom, Heizung und sanitäre Einrichtungen vegetieren muß, damit haben die feinen Herren vom Ausländeramt nun wirklich nichts zu tun!
Es grenzt schon fast an einen Volksaufstand, was daraufhin passierte. Ganz Wiesen war mit Protestplakaten gepflastert, fast alle Einwohner (immerhin beinahe 400 Personen!) machten ihrem Unmut über die Aktion vor den Regierungsgebäuden in Chur Luft, der Gemeindepräsident sprach beim Regierungsrat vor, die Geschichte ging durch die Presse. Der Vermieter ließ eine Riegipswand einbauen, sodaß Familie Kolic nun ohne Umzug eine 5-Zimmer-Wohnung bewohnt (bekanntlich werden in der Schweiz Wohnungen nach der Anzahl von Zimmern, nicht nach Quadratmetern vermietet), eine zweite Arbeitsstelle ist in Aussicht und so wird diese haarsträubende Tragödie hoffentlich bald ein glückliches Ende nehmen, bevor noch jemand eine Kolik bekommt.

Wer jetzt glaubt, diese Zeilen wären meiner aufgrund von illegalen Substanzen enthemmten Phantasie entsprungen, dem möchte ich noch eine weitere Begebenheit erzählen, die mich zweifeln ließ, ob ich an mir selbst einen akuten Realitätsverlust diagnostizieren müßte.
Neulich wollte ich unverschämterweise nach neun Uhr abends noch Wäsche waschen, mußte aber feststellen, daß die Maschine nicht lief! Nachdem der Steckdosen-Adapter, die Sicherung und das noch relativ neue Waschgerät als Fehlerursache auszuschließen waren, konsultierte ich meinen Vermieter im Verdacht, die Steckdose oder Stromzuleitung sei defekt. Zu meiner Überraschung stellte sich heraus, daß die lokalen Elektrizitätswerke per Fernimpuls die Stromversorgung für Waschmaschinen und Trockner in der Zeit von 21:00 bis 07:00 morgens abschalten. Diese Bevormundung wird damit begründet, daß Spitzenverbräuche vermieden werden sollen, die wegen der regen Kochtätigkeit von Hotels zur Touristensaison unweigerlich zu Energiekäufen im Ausland und damit verbunden zur Verteuerung von Elektrizität führen würden. Da ich davon Abstand nehme, zum Wohl der schweizerischen Stromversorger in schmutziger Kleidung herumzulaufen, nutze ich seitdem regelmäßig meine original deutsche Verlängerungsschnur, die mir ganz patriotisch Strom aus einer anderen Steckdose saugt.

Abschließend möchte ich darum bitten, Leserbriefe nicht als Fax an mich zu senden, da diese Kommunikation regelmäßig vom schweizer Geheimdienst im Auftrag des ebenfalls schweizerischen Sonderermittlers Marty überwacht wird, wie auch die CIA schon schmerzhaft feststellen mußte. Zwar konnten auf diesem Weg die “outgesourcten” Foltergefängnisse in Osteuropa bisher nicht gefunden werden, eindeutige Hinweise auf illegale Überflüge und Entführungen durch die amerikanische Spionagebehörde wurden allerdings dokumentiert. Deshalb auch der Rat, in der an mich adressierten Fanpost keinesfalls Begriffe wie “Al Kaida”, “Saddam Hussein”, “World Trade Center”, “Iran”, “Atombombe” oder “Angela Merkel” zu verwenden, wenn man sich nicht in einem dunklen afghanischen Kerker mitsamt einem Haufen übler Folterknechte wiederfinden möchte!

Viele Grüße von “Davos auch ohne Psychodrogen berauschend schön ist”, Till

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