Portrait Software

Das Bearbeiten von Portraitfotos unterscheidet sich in einigen Details von der üblichen Bildoptimierung, die Retouche ist oft intensiver – so werden Fältchen und Hautunreinheiten entfernt, Zähne und Augen aufgehellt oder gesunde Gesichtsfarben aufgemalt. Ob diese Massnahmen immer nötig und dem Charakter der Person zuträglich sind, möchte ich gar nicht disskutieren. Ich zähle mich weder zu den Puristen, noch zu den TV-Magazin-Cover-Erstellern, sondern zu jenen, die einen möglichst subitlen und zurückhaltenden Eingriff präferieren – minimal-invasive Chirurgie am Monitor, so zu sagen.

Aus diesem Grund verwende ich seit Jahren gerne eine Software, die als Plug-In mit Photoshop arbeitet: Kodak Digital GEM Airbrush Pro. Da meine Version nur mit Photoshop CS2 kompatibel ist (was auf einem Intel-iMac zu deutlichen Geschwindigkeitseinbußen führt), habe ich mich nun umgesehen, welche Alternativen es gibt. Erstaunlich wenige, habe ich zunächst feststellen müssen. Doch neben einigen kostenfreien Tutorials und Actions habe ich auch spezielle Filter(-Sammlungen) für die Portrait-Retouche gefunden und getestet. 

Zunächst einmal war ich vom CoffeShop sehr begeistert, einem Blog mit vielen Anleitungen und Photoshop-Actions zum kostenlosen herunterladen. Für die Retouche bietet sich z.B. die CoffeeShop Perfect Portrait Action an, die man einfach in Photoshop laden kann. Sie erfordert einige Mitarbeit, denn viele Einstellungen werden erst durch das Bearbeiten von Ebenenmasken wirksam. In der Grundeinstellung erzeugt die Action eine Datei mit vielen Ebenen, die jeweils spezielle Teilbereiche des Portraits verbessern sollen (z.B. Augen aufhellen, Haut glätten, Farben intensivieren). Das Ergebnis ist ein eher poppiges Bild mit deutlich erhöhten Kontrasten. Arbeitet man an den Einstellungen und Masken, kann man jedoch sehr gute Ergebnisse erzielen. Für den gelegentlichen Einsatz ist diese in kleinen Häppchen vorgekochte Umsetzung diverser Tutorials absolut empfehlenswert.

Imagenomic Portraiture ist ein Filter, das ich eigentlich gar nicht ausprobieren wollte, weil die Beispiele auf deren Website äusserst abschreckend aussehen. Der Filter arbeitet allerdings überraschend dezent und liefert hübsch anzusehende Ergebnisse. Die Retouche der Hautpartien wird durch eine automatische Maske unterstützt, zudem können einige kleinere „Enhancements“ vorgenommen werden. Natürlich sind auch drastischere Massnahmen möglich, die sich hinter Voreinstellungen wie „Glamour“ verbergen – man muss sie aber nicht verwenden. Schon in der Standardeinstellung ist das Ergebnis ordentlich, wenn auch insgesamt etwas zu weich. Mit ein paar Eingriffen kann der Kontrast aber leicht verbessert werden.

Eine riesige Sammlung von Filtern zur Bildbearbeitung verbirgt sich hinter den Nik Color Efex Pro, mit denen man sich austoben kann. Meiner Meinung nach hat das wildgewordene Anwenden diverser Filter keinerlei künstlerischen Wert und dient in der Regel dazu, langweilige und technisch unzureichende Fotos aufzumöbeln: „Shit2Gold Pro 2.0“ ist nicht meine Welt. Meine Vorbehalte werden durch das in den Color Efex enthaltene Filter zum Glätten von Hautpartien leider nicht wiederlegt. Es ist mir nicht gelungen, eine vernünftige Balance zwischen dezenter Verbesserung und massiver Verunstaltung zu finden – weder mit den Standardwerten, noch durch den manuellen Einsatz der Schieberegler. Schade.

Als „golden standard“ habe ich das bewährte Kodak-Filter eingesetzt, welches in der Voreinstellung zu guten Ergebnissen führt. In der vorliegenden Version gibt es keine automatische Maskierung wie bei Portraiture, sodass sich die Glättung im Zweifelsfall auf Strukturen der Kleidung oder des Hintergrundes ausweiten. Eine kleine Optimierung erfährt der Filter durch das manuelle Reduzieren der Wirkung und den Modus „aufhellen“, wodurch das Bild etwas freundlicher wirkt.

Zu guter Letzt habe ich als Vergleich ein in Tutorials beliebtes Photoshop-Hausmittelchen eingesetzt. Dabei wird das Portrait mit einer kopierten Ebene versehen, diese invertiert, weichgezeichnet und mit dem Hochpass-Filter bearbeitet. Wird der Ebenenmodus nun auf „strahlendes Licht“ eingestellt, erhält man eine glattere Haut. Allerdings ist auch hier eine Ebenenmaske und eine reduzierte Deckkraft angeraten. Das Ergebnis muss noch etwas aufgehellt werden. Als einfache und schnelle Variante durchaus brauchbar, findet diese Technik auch bei der eingangs erwähnten CoffeeShop-Action Gebrauch.

Fazit: War ich bisher vom Kodak-Plug-In wegen der subtilen Ergebnisse angetan, stelle ich nun fest, dass es bessere Alternativen gibt. Vorsichtig eingesetzt, gefallen die Bilder nach Einsatz des Portraiture-Filters ausgesprochen gut (ausserdem ist diese Software mit neueren Photoshop-Versionen kompatibel und arbeitet entsprechend schnell. Portraiture kann in Photoshop-Actions und Scripts eingebunden werden). Die Photoshop-Action sorgt mit einiger Handarbeit für sehr poppige Ergebnisse, die manchmal gewünscht sein können und allemal besser funktionieren, als die pure Ebenen-Technik, die ich zum Schluss vorgestellt habe. Von den Nik-Filters halte ich nicht so viel, da sie entweder nicht sichtbar sind, oder das Foto gleich zu stark verändern.

Die Ergebnisse entsprechen selbstverständlich dem persönlichen Geschmack und sind sicherlich vom gewählten Motiv und der Auflösung beeinflusst. In der Gallerie sind die Fotos mit dem Namen der verwendeten Software bezeichnet – die Version 1 entspricht jeweils den Standardeinstellungen, in Version 2 habe ich versucht, durch individuelle Einstellungen das Ergebnis zu optimieren.

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