Dateiformate: Rohkost oder eingekocht?

Businessportrait für „mp³ Elektrotechnik“ © Till Erdmenger – Business Photographie

Noch vor einigen Jahren schreckte das Foto-Dateiformat RAW selbst Profis ab, weil die Pixel nur von der hauseigenen Software des Kameraherstellers ausgelesen werden konnten – und zwar in einer Geschwindigkeit, die man getrost als „grottenlangsam“ bezeichnen durfte. Wer damals größere Mengen von Fotos eines Shootings auch nur ansehen wollte, riskierte Nervenzusammenbrüche und Magengeschwüre. Zum Glück hat sich da inzwischen einiges getan und so steht heutzutage der Verwendung des RAW-Formats nichts mehr im Weg (ausser vielleicht dem Anwender). Denn es bietet ungemein klare Vorteile gegenüber dem sonst üblichen, kameraintern aufbereiteten JPEG: Alle Daten, die der Kamerasensor bei der Belichtung aufgenommen hat, stehen unverfälscht zu Weiterverarbeitung zur Verfügung. Jedes halbwegs moderne Betriebssystem ist in der Lage, RAW-Daten anzuzeigen und die zur Entwicklung der Daten benötigten Programme gibt es in großer Auswahl. Nicht nur die beiden Dickschiffe Aperture und Lightroom bieten ausgeklügelte Einstellungen, es gibt auch diverse weitere – teils kostenlose – RAW-Converter. Eine kleine Auflistung der Möglichkeiten, die man mit dem RAW-Format hat, mit einem JPEG aber nur eingeschränkt oder gar nicht hinbekommt:

  • Änderung der Weissbalance
  • deutlich über- oder unterbelichtete Bilder korrigieren
  • Pseudo-HDR: Erweiterter Dynamikumfang durch Zusammenführen unterschiedlich hell entwickelter RAW-Varianten
  • stark erweiterte Möglichkeiten, Lichter und Schatten zu optimieren
  • deutlich bessere Korrektur von Rauschen, Abberation oder Verzeichnung
  • keinerlei Artefakte durch Kompression der Daten

Der Speicherbedarf eines Fotos im rohen Format ist zwar höher als beim eingekochten .jpg – angesichts der heute zur Verfügung stehenden Speichermedien ist das aber zu verschmerzen. Das oben gezeigte Businessportrait belegt in der originalen RAW-Version 11,9MB. Ein daraus generiertes JPEG mit höchster Qualität hat noch 4,7MB. Übrigens: Ich selbst fotografieren schon seit Jahren alle Aufträge ausschliesslich im RAW-Dateiformat. Selbst bei privaten Schnappschüssen vertraue ich auf die Vorteile dieses Dateityps und setze darum als kleine Unterwegskamera auf die Canon G11, die als eine der wenigen Kompaktkameras RAW-Speicherung bietet. Ob auch Ihre Digitalkamera das vollwertige Rohformat anbietet, lesen Sie am besten in der Anleitung nach – und stellen es dann gleich als Standard für alle zukünftigen Fotomotive ein!

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