Praxistest: Cloud-Speicher für Fotografen

Cloudstorage

Daten in der Wolke – das ist so alt wie der Wetterbericht von gestern. Auch die Litanei, warum Cloud-Storage für Fotografen ungeeignet sei, wurde schon öfter wiederholt, als Päpste zurückgetreten sind: Zuviele Daten, zu niedrige Übertragungsgeschwindigkeit, zu teure Speicheranbieter (siehe z.B. hier). Dennoch ist mir das Thema ständig präsent, seit ich mich vor etwa 2 Jahren intensiv mit dem Thema Online-Speicher beschäftigt hatte.

Telekom Mediencenter: Viel pinke Blinkeblinke

Nach wie vor liegt mein Hauptaugenmerk auf der Auslieferung von Bilddaten an meine Kunden – zur Zeit nutze ich dafür das Telekom Mediencenter. Die Vorteile: 25GB kostenloser Speicherplatz und passwortgeschütztes Teilen von Inhalten. Nachteile: Keine App für OSX, Sharing ist recht umständlich einzurichten, viel Werbung für das pinke T.

Wie bei meinem letzten Praxistest schwebte mir neben der reinen Datenübermittlung an Kunden ein möglicher Mehrwert des verwendeten Cloud-Dienstes vor: Die Speicherung wichtiger Dokumente wie der Adobe Lightroom Datenbank als Backup in der Wolke. In meinem letzten Test war ich auf die Unterschiede zwischen den reinen Backup-Lösungen wie CrashPlan oder BackBlaze und den eher als Online-Festplatte ausgelegten Varianten eingegangen. Die Unterschiede scheinen inzwischen zu verwischen – wenn man einmal vom neuen Amazon Service Glacier absieht, der zwar günstig, aber mit erheblichen Wartezeiten verbunden ist, wenn man an seine Daten heran will.

BitCasa: Unbegrenztes Beta-Stadium

Nur ganz wenige Services bieten „unbegrenzten“ Speicherplatz zu überschaubaren Kosten. Ein ganz neuer Wettbewerber ist BitCasa, der dies zum vollkommen akzeptablen Preis von 99,- € pro Jahr anbietet (zur Zeit sogar für nur 69,- € im ersten Jahr). Leider befindet sich dieser Service de facto noch immer im Beta-Stadium. Größtes Manko: Die OSX-Software läuft nur, wenn der Nutzer Administrator-Rechte hat. Jeder gewissenhafte User wird auf seinem Rechner aber mit einem „normalen“ Account arbeiten und nur für Installations- oder Wartungszwecke einen Admin-Account vorhalten. Der Upload von Fotos über einen dedizierten Ordner gefällt, wie auch die Möglichkeit, weitere Ordner auf der eigenen Festplatte zu „spiegeln“. Freigaben für Kunden lassen sich per Kontextmenu einrichten, werden allerdings nicht passwortgeschützt. Den Link zu den freigegebenen Fotos muss man selbst verschicken, der Empfänger hat leider keine Möglichkeit, sich die Fotos im einzelnen auf der Website anzusehen, sondern kann nur den kompletten Ordner herunterladen.

Box: Viel Platz für rudimentäre Funktionen

Wer viel Platz für lau benötigt, findet mit etwas Glück einen Promotion-Link für Box, die gern mal 50GB kostenlosen Speicherplatz vergeben. Allerdings lässt Box neben einem Upload-Ordner keinen anderen Sync zu, alle Daten, die auf Box gespeichert werden sollen, müssen also in den Box-Folder verschoben werden. Freigaben lassen sich nur über die Website einstellen, der Kunde erhält automatisch einen Link ohne Passwortschutz, mit dem er die Fotos als winzige Vorschau sehen und sogar mehrere Dateien gleichzeitig herunterladen kann. Die E-Mail ist dezent mit Werbung versehen und auf englisch gehalten. Was mir aufgefallen ist: Nutzt man die iOS-App, um Fotos anzusehen, werden diese offenbar komplett heruntergeladen – was Zeit und Datenvolumen kostet.

CX: Gar nicht spritzig wie eine Zitrone

Der Anbieter CX verwendet schräge Farben und Formen, um Aufmerksamkeit zu erregen – und verteilt kostenlose 10GB Speicherplatz. Hier wird ebenfalls ein lokaler Uploadordner  erstellt, weitere Ordner lassen sich bequem synchronisieren. Es besteht also die Möglichkeit, auch weitere, lokale Dokumente als Backup in die Cloud zu schreiben. Wer Inhalte mit einem Kunden teilen will, muss die CX-Website besuchen, die automatisch eine englischsprachige E-Mail generiert. Freigaben können hier – das ist selten! – mit einem Passwort geschützt werden, dass man dann allerdings noch eigenhändig seinem Kunden mitteilen muss. Der Download von der stark mit Werbung überfrachteten Website ist einfach möglich, allerdings können nur einzelne Dateien, nicht komplette Ordner geladen werden. Das dürfte bei größeren Fotoaufträgen mühsam werden. Und was auffällt: Die Website antwortet sehr langsam und ist teilweise gar nicht zu erreichen – kein Zeichen von Verlässlichkeit.

Google Drive: Die Macht der Gewohnheit

Wer das kostenlose 5GB-Angebot Google Drive nutzt, erlebt keine Überraschungen: Wir alle sind das Design und Logo des Internet-Giganten so gewohnt, dass es einem Kunden kaum negativ auffallen dürfte, wenn er seine Fotos hier herunterlädt. Auch bei Google Drive finden wir Gewohntes: Lokaler Uploadordner, Freigaben per Website, kein Passwortschutz – dafür eine dezente E-Mail auf deutsch an den Kunden und recht große Vorschaubilder. Fotos müssen auch hier einzeln heruntergeladen werden: Das kostet Zeit und Nerven! Das ist mir aufgefallen: Die OSX-App verliert bei mir regelmässig die Verbindung zum Server und muss dann neu gestartet werden. Als Backup ist Google Drive wegen der fehlenden Synchronisation nicht geeignet.

Skydrive: Microsoft mal innovativ

Der Ex-Gigant Microsoft bietet mit Skydrive 7GB kostenfreien Platz, der auch mit Backups der üblichen Benutzerordner „Bilder“ oder “Dokumente“ gefüllt werden kann. Freigaben von Ordnern für Kunden erfolgen über die Website und sind nicht passwortgeschützt – die automatisch erzeugte, deutschsprachige E-Mail wird mit meinem eigenen Namen als Absender verschickt und enthält einige Vorschau-Bilder – das ist eine nette Idee. Kunden können mit etwas Geschick den kompletten Ordner mit Fotos downloaden. Das ist mir aufgefallen: Die Anmeldung bei Skydrive ist frickelig, man muss sich durch diverse Seiten wühlen und irgendwelche „IDs“ erstellen, dafür hat Microsoft eine nette, übersichtliche iOS-App parat.

HiDrive: Retro ohne Charme

Nicht selten hört man Bedenken zur Datensicherheit bei US-Anbietern und wird beraten, deutsche Server zu präferieren. Ein solcher ist Strato mit dem HiDrive, das eher rudimentär ins OSX integriert wird. Das ganze hat den Chic von Windows-95 und funktioniert umständlich. So habe ich keine Möglichkeit gefunden, ganze Bildordner freizugeben, lediglich einzelne Dateien können per Link geteilt werden. Das ist unzumutbar, genauso wie das Fehlen jeglicher Vorschau auf Kundenseite. Einzig interessant: Der Link kann mit einer Zeitbegrenzung oder der Anzahl möglicher Downloads geschützt werden.

Wuala: Sicher, aber ineffizient wie ein Nummernkonto

Die Schweizer Bank für Daten, Wuala, punktet mit benutzerseitiger Verschlüsselung. Der Anbieter hat also keine Chance, auf die Daten zuzugreifen. Für den Mac gibt es eine designbefreite App, die den Upload, den Sync bestimmter Ordner und auch Freigaben für Kunden im Repertoire hat. Diese sind allerdings wiederum nicht passwortgeschützt und müssen selbst an den Empfänger verschickt werden, was immer noch besser ist, als unfreiwillig Werbung für das Cloud-Unternehmen zu machen. Aufgrund eines Festplattenkaufs vor einigen Jahren habe ich bei Wuala 16GB freien Speicherplatz – das ist praktisch und kann auch für das ein oder andere Backup herhalten. Aber auch hier gibt es leider einen großen Nachteil: Kunden können freigegebene Fotos nur einzeln downloaden – sehr schade!

Dropbox: Der Pionier gehört in Rente

Die Dropbox ist scheinbar allgegenwärtig, dürfte aber langsam ein Auslaufmodell werden: Zu teuer und mit zu vielen Fragen zur Sicherheit behaftet. Einfach funktioniert sie, weil einfach viele Menschen einen Account haben. Zum Glück dürfen auch andere freigegebene Fotos downloaden (auch mehrere gleichzeitig), erkaufen dies aber mit massiver Werbung – gerade das wollte ich gerne umgehen. Die spärlichen 2GB fordern zudem die regelmässige Säuberung, wenn neue Aufträge an Kunden verteilt werden sollen.

Blog: Eigene Downloadseite mit Einschränkungen

Meine Prämissen, Fotos einfach an Kunden auszuliefern – dabei niemanden mit Werbung zu nerven – und den Download sicher und bequem zu gestalten, werden von den getesteten Anbietern leider nur fragmentarisch erfüllt. Natürlich gibt es auch Angebote, die sich sehr speziell an Fotografen wenden, neben Photoshelter seien hier PictureProof und PhotoDeck genannt, die jedoch andere Schwerpunkte haben: Komplette Fotografen-Websites oder den Verkauf von Fotos per Download bzw. Print-on-demand. Wegen der lächerlich hohen Kosten habe ich diese Services nicht getestet. Eine interessante Variante nahm unterdessen Gestalt an: Die Datenlieferung per Blog. Seit Jahren läuft mein Blog in der kostenlosen WordPress.com-Welt und ist über die Subdomain blog.erdmenger.de erreichbar. In bestimmtem Rahmen kann ich diesen Blog selbst „designen“ und „branden“. Hier kann ich problemlos bis zu 3GB an Fotos hochladen und in Beiträgen als Vorschau oder Diaschau zeigen. Und: Beiträge lassen sich per Passwort schützen. Leider ergibt sich damit das Dilemma, dass der Kunde hier keinen gut sichtbaren Download-Link findet und Dateien nur einzeln per Rechtsklick herunterladen kann. Die Alternative: Neben allen Fotos als (verkleinerte) Vorschau zusätzlich die hochauflösenden Daten in einer .zip-Datei anbieten. Dieses Vorgehen könnte sich auch bei oben genannten Services als praktisch erweisen. Die Gefahr: Unbedarfte Nutzer verwechseln kleine Voransichtsdateien und druckfähige Daten.

Fazit: Box & Skydrive liegen vorn

Ich habe versucht, alle Services aus Kundenperspektive zu bewerten. Den Versand von werbelastigen E-Mails an Kunden kann man zum Glück oftmals unterbinden, indem man den Link zu den geteilten Inhalten selbst verschickt. Dass auf den Download-Seiten dennoch das Logo des Serviceanbieters zu sehen ist, kann nur bei Einsatz eines persönlichen Blogs als Plattform umgangen werden – diesen Punkt muss ich noch abwägen. Das Nutzererlebnis scheint mir bei Box und Skydrive am besten zu sein, wo dem Kunden sowohl eine Vorschau auf die Fotos, als auch die Möglichkeit gegeben wird, den gesamten Ordner herunter zu laden. Diese Features liefert auch das Mediencenter – eine ernüchternde Erkenntnis nach all der Arbeit dieses Tests. Wenn es um den Mehrwert eines Backups geht, liegt Wuala weit vorne: Dort habe ich genug Platz und verschlüsselte Daten. Den großen Funktionsumfang macht Konkurrent CX durch schwer erreichbare Server zunichte, Bitcasa punktet zwar mit guten Features, Verschlüsselung und günstigen Preisen – allerdings läuft hier alles noch nicht rund und wird wohl erst in den kommenden Jahren interessant werden.

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