Gericht klärt: Sichtbarer Urheberhinweis ist nötig

Wie sinnvoll ist ein Urheberhinweis im Foto? © Till Erdmenger

Wie sinnvoll ist ein Urheberhinweis im Foto? © Till Erdmenger

Das Landgericht Köln hat erklärt, dass Fotos auf Websites mit einem sichtbaren Nachweis der Bildrechte und des Urhebers versehen sein müssen. Diese Ansicht vertrete ich grundsätzlich auch – das Recht auf Namensnennung ist bereits im Urheberrechtsgesetz geregelt. Schwierig wird die Angelegenheit dadurch, dass die Richter der Ansicht sind, ein schriftlich unterhalb des Bildes angebrachter Hinweis (häufig als Bildunterschrift oder Caption bezeichnet) reiche dafür nicht hinlänglich aus, weil sich das Bild über eine direkte URL auch ohne diesen Text aufrufen ließe. Technisch betrachtet mögen die Juristen Recht haben, praktisch gesehen kann man aber wohl kaum von einer weiteren (möglicherweise unberechtigten) Nutzung des Bildes sprechen. Jede ins Internet geladene Bilddatei hat eine singuläre URL – das geht gar nicht anders. Die Forderung des Gerichts sieht eine mögliche Lösung ihrer Forderung darin, den Urhebernachweis in das Bild hinein zu schreiben. Ich habe schon oft genug über die Nützlichkeit von diesen sogenannten Wasserzeichen philosophiert – und bin ein entschiedener Gegner dieser Methode. Der Hinweis müsste ja groß genug, gut sichtbar im Bild untergebracht werden, an einer Stelle, die man nicht mal eben „abschneiden“ kann oder mit dem Stempel-Werkzeug wegretouchieren. In diesem Fall würde man das Foto aber vollkommen unkenntlich machen. Das dient weder der intendierten Aussage, noch dem Urheber, dessen Werk nicht erkennbar ist. Ganz zu schweigen von der Frage, inwieweit ein Nutzer das Foto durch Anbringung eines ©-Hinweises verändern dürfte.

Aus diesem Grund wird das Urteil, das noch nicht rechtskräftig ist, als „Drama“ bezeichnet. Ich würde es sogar treffender als Dilemma bezeichnen, denn grundsätzlich stärkt es die Position der Urheber, in diesem Fall der Fotografen. Nur ist es praktisch nicht umsetzbar. Eine vernünftige, einigermassen sichere Lösung zu finden, sehe ich allerdings als Aufgabe von Medienschaffenden, Web-Programmierern und Computerspezialisten, nicht von Richtern an.

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4 Gedanken zu „Gericht klärt: Sichtbarer Urheberhinweis ist nötig

  1. Jacqueline Förster

    Hallo lieber Till Erdmenger, dieses Kölner Urteil ist in der Tat ein Kreuz für alle Beteiligten, so gut es gemeint sein mag. Dazu 2 Anmerkungen: 1. Die Überschrift führt leider in die Irre, denn noch nicht nicht wirklich etwas geklärt. Weder ist das Urteil rechtskräftig, noch ist das Urteil ohne Weiteres auf alle Bildagenturen und Fotografen übertragbar, noch ist die Berufung abgeschlossen, die unzweifelhaft folgen wird.
    2. Die Kenntlichmachung der Urheberschaft „als Aufgabe von Medienschaffenden, Web-Programmierern und Computerspezialisten“ zu deklarieren ist auch nicht unproblematisch. Grundsätzlich gibt es über die Metadaten im Bild eigentlich eine großartige Möglichkeit der Urheberangabe. Leider wird diese weder von Fotografen noch von Bildagenturen regelmäßig genutzt sondern es obliegt meist dem Käufer, die Daten dort nachzutragen. Verstehe ich nicht, warum die Urheber diese technische Möglichkeit nicht nutzen. Google ist meines Wissens nach inzwischen in der Lage die Metadaten exakt auszulesen. Es wäre also nur noch der (technische) Schritt nötig, diese Metadaten sichtbar zu machen. Z.B. „Über Grafik-Info anzeigen“ per Mouse-over o.äh. An dieser Stelle sind dann in der Tat die Techniker gefragt. Aber nochmal: Als ersten Schritt sollten zunächst die Urheber alle ihre Werke in den Metadaten korrekt auszeichnen. Dann gäbe es für die Verwerter deutlich weniger „Fallstricke“ und keiner kann mehr behaupten: „Ich wußte nicht, woher das Foto stammt.“

    Antwort
  2. Till Erdmenger Autor

    Sehr geehrte Frau Förster,
    vielen Dank für Ihre engagierte Antwort! Was die Metadaten angeht, gehe ich d´accord. Diese sollten selbstverständlich von jedem Bildschaffenden genutzt und ausgefüllt werden, um den Nutzern eine Zuordnung zu erleichtern. Allerdings muss eingeräumt werden, dass die IPTC-Felder unübersichtlich und teilweise redundant vorhanden sind. Zugleich können die Metadaten noch schneller und einfacher entfernt werden als ein Wasserzeichen. Es wäre möglicherweise sinnvoll, diese Daten passwortgeschützt in das Bild integrieren zu können oder ein spezielles Lizenzsystem zu verwenden, das ähnlich dem DRM von iTunes-Musik funktioniert. So wäre es dem Fotografen wenigstens möglich, Jagd auf nicht-lizenziertes Material zu machen (siehe mein Beitrag Jagdsaison: Nicht-lizenzierte Fotos finden: https://erdmenger.wordpress.com/2013/04/07/jagdsaison-nicht-lizenzierte-fotos-finden/).
    Durch diesen „technischen“ Ansatz soll allerdings das gesetzlich verbriefte Recht auf Namensnennung nicht geschmälert werden. Metadaten werden eben nicht automatisch angezeigt …

    Antwort
  3. Pingback: Anleitung: Fotos mit Metadaten versehen | Till Erdmenger – Businessfotos | Blog

  4. Pingback: Zum Glück erkennt das Gericht, wie wenig ein Urhebernachweis im Bild zu suchen hat … | Till Erdmenger – Businessfotos | Blog

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