Der Foto-Knigge: Ein Entwurf

Foto-Knigge Aufmacher

© Till Erdmenger – Businessfotos

Dank Ihrer Mithilfe kristallisieren die ersten Thesen, auf die ein professioneller Fotograf im Umgang mit seinen Kunden unbedingt achten sollte. Neben einigen eher allgemeinen Business-Regeln, die jeder kennen sollte, sind natürlich auch spezifische Verhaltensnormen dabei – manche gelten nur für spezifische Aufnahmesituationen:

  1. Ein Fotograf sollte ein offenes Ohr für die Wünsche und Anforderungen des Kunden haben. Ein Briefing sollte die Erwartungen des Kunden an die Fotos klären und der Fotograf abschließend die beauftragten Arbeiten vollumfänglich abliefern können. Ein Profi darf sich nicht damit herausreden, dass bestimmte Motive nicht realisierbar gewesen seien – dies kann ein erfahrener Fotograf bereits während des Briefings einschätzen. Sinnvoll ist ein „Pflichtenheft“ – eine Liste der zu produzierenden Aufnahmen und zusätzlichen Leistungen. Von beiden Seiten sollte vermieden werden, spezifische Details als „selbstverständlich“ zu betrachten.
  2. Ein Profi sollte in der Lage sein, Ihnen innerhalb weniger Tage nach Anfrage/Briefing ein Angebot zu erstellen. Länger als eine Woche auf ein Angebot warten zu müssen, ist für Kunden inakzeptabel. Das Angebot sollte alle relevanten Details enthalten und nachvollziehbar sein. Eine Pauschale zu nennen, ohne zu erklären, welche Leistungen oder Rechte enthalten sind, ist unprofessionell. Und nichts ist unangenehmer, als während oder nach dem Shooting als Kunde mit zusätzlichen, überraschenden Kosten konfrontiert zu werden.
  3. Der Fotograf sollte natürlich pünktlich sein, höflich agieren und passend gekleidet zu einem Fotoshooting erscheinen.
  4.  Er sollte zudem alle notwendigen Ausrüstungsgegenstände dabei haben und sein Equipment kennen – kein Kunde möchte zusehen müssen, wie der „Profi“ verzweifelt in den Systemeinstellungen seiner Kamera wühlt.
  5. Wenn ein Fotograf Assistenten dabei hat, möchte ein Kunde klar erkennen können, wer sein Ansprechpartner ist, wer verantwortlich zeichnet. Ein Haufen schludrig gekleideter, cooler Teens, die gemeinsam um die Kamera oder einen Laptop herumstehen und diskutieren, wirken verstörend. Zumal es ein Zeichen der Höflichkeit ist, mit dem Kunden oder der portraitierten Person zu kommunizieren, anstatt über ihn zu sprechen.
  6. Ein professioneller Fotograf muss selbstverständlich alles dafür tun, um „sein Bild“ zu bekommen. Dies erfordert manchmal Hartnäckigkeit, Vordrängeln oder x-fache Wiederholung. Dabei wird jeder sozial kompetente Fotograf versuchen, das Shooting für den Kunden zu einem angenehmen Erlebnis werden zu lassen. Ein bisschen Narzissmus sei ihm daher vergönnt. Allerdings sollten Protzerei und Angebertum nicht zu seinem Repertoire gehören.
  7. Auch wenn es in der Regel selten vorkommt, dass mehrere Fotografen oder Foto & Film gleichzeitig einen Event dokumentieren, sollten sie in der Lage sein, sich untereinander nicht zu behindern. Wenn mehrere Profis beauftragt werden, klären Sie dies als Kunde vorher mit den Beteiligten. Auseinandersetzungen in der Öffentlichkeit sind peinlich für alle – und unprofessionell. Ich selbst kann mich an eine Situation erinnern, bei der ich während der 125-Jahr-Feier von Kaufhof in einem Stadion vor tausenden von Mitarbeitern, mehreren TV-Moderatoren und dem Kaufhof-Chef von einem Kameramann herumgeschubst wurde, weil ich ihm angeblich im Weg war (ich stand neben ihm). Ich habe mir eine Reaktion verkniffen, auch wenn das schwer fiel.
  8. Es können auch Situationen eintreten, in denen der engagierte Fotograf mit privaten Knipsern konkurriert (z.B. ebenfalls bei Events oder bei Hochzeitsfotos). Wenn Sie als Kunde die Möglichkeit haben, weisen Sie Ihre Mitarbeiter oder Gäste darauf hin, dass der Profi Vorrang hat. Ein Profi kann andererseits dafür sorgen, dass er als erstes „sein Bild“ bekommt, anschliessend aber anderen einen privaten Schnappschuss ermöglichen.
  9. Zwischen Kunde und Fotograf sollten die jeweiligen Rechte am Bild geklärt und schriftlich fixiert werden. Als Urheber hat der Fotograf vollkommen zurecht die Möglichkeit, Ihre Fotos zur Eigenwerbung einzusetzen. Hat er darüber hinaus entsprechende Einwilligungen der Models, kann er Ihre Fotos auch anderen Kunden verkaufen oder über Bildagenturen anbieten. Möchten Sie dies verhindern, können Sie exklusive Nutzungsrechte vereinbaren – gegen entsprechendes Entgelt. Ein professioneller Bildproduzent hat wie jeder andere Gewerbetreibende „Allgemeine Geschäftsbedingungen“ für Sie zur Einsicht.

Meine Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit – Sie können aber mithelfen, weitere wichtige Punkte zu ergänzen! Hinterlassen Sie Ihre Gedanken als Kommentar oder schreiben Sie mir eine E-Mail.

Ein Gedanke zu „Der Foto-Knigge: Ein Entwurf

  1. Pingback: Was Profi-Fotografen tun, bevor (und nachdem) sie auf den Auslöser drücken | Till Erdmenger – Businessfotos | Blog

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