Wie teuer die unlizenzierte Nutzung von Fotos werden kann

Auch wenn Sie dieses Portraitfoto toll finden, sollten Sie es ohne Lizenz nicht für eigene Zwecke nutzen – es könnte teuer werden! © Till Erdmenger – Businessfotos

Auch wenn Sie dieses Portraitfoto toll finden, sollten Sie es ohne Lizenz nicht für eigene Zwecke nutzen – es könnte teuer werden! © Till Erdmenger – Businessfotos

Wir alle erleben es täglich im Straßenverkehr: Regeln, die man nicht versteht, werden oft missachtet. Dabei kommen wir um die Auseinandersetzung mit Regelwerken und juristischen Sachverhalten nicht umhin: Auch wer seine Steuererklärung nicht versteht, muss sie abgeben. Gemessen an baustellenfreien 80er-Zonen auf der Autobahn oder dem Steuerrecht ist das Urheberrecht und die damit verbundene Vergabe von Nutzungsrechten gar nicht so kompliziert. Der Urheber erteilt einem Nutzer eine Lizenz für eine genau definierte Nutzung. Für diese Lizenz zahlt der Nutzer eine Summe X. Möchte er das Produkt für etwas anderes nutzen, braucht er eine neue/erweiterte/zusätzliche Lizenz. Und bezahlt entsprechend der gesteigerten Wertschöpfung eine zusätzliche Summe Y. Ich habe auf meinem Blog schon etliche Male Vergleiche gezogen, die ich hier nicht wiederholen muss. Anhand eines relativ aktuellen Gerichtsurteils möchte ich Ihnen aber einmal klarmachen, welche Konsequenzen sich aus der nicht-lizenzierten Nutzung von Fotos ergeben können.

Im verhandelten Fall waren von Anbieter A insgesamt 44 Produktfotos des Anbieters B für eigene Werbezwecke eingesetzt worden. Anbieter B klagte daraufhin unter anderem auf Schadenersatz durch die unberechtigte Nutzung der Fotos. Das OLG Hamm  (OLG Hamm, Urteil vom 13. Februar 2014, Az.: 22 U 98/13) bestätigte in zweiter Instanz, das Lizenzkosten mit einem Aufschlag von 100% als Schadensersatz zu zahlen seien. Es revidierte dabei allerdings die Annahme des Landesgerichts, die Lizenzkosten seien auf Basis der Empfehlungen der Mittelstandsgemeinschaft Foto-Marketing (MFM) zu kalkulieren. Durch einen Sachverständigen war bestätigt worden, dass die Fotos, die nicht von einem Berufsfotografen gemacht worden waren, keine professionelle Qualität aufwiesen. Es sei daher ein niedrigerer Maßstab für die Berechnung der Lizenzgebühr anzulegen. Im Urteil wurde das beklagte Unternehmen zur Zahlung von Schadensersatz bzw. Lizenzkosten in Höhe von 5.268,97 € verurteilt. Zum Urteil finden Sie auch einen detaillierten Artikel auf rechtambild.de.

Sie können daraus einige Schlussfolgerungen ziehen: Die Rechtsprechung zieht eine klare Grenze zwischen Amateur-Bildern und Profi-Fotos. Ebenso sieht es das Gericht als selbstverständlich an, dass für die Nutzung von Fotos eine Lizenz bezahlt werden muss (dies ist im übrigen im Urheberrecht verankert). Zudem wird klar, welchen Vorteil Kunden durch die präzise Formulierung der eingeräumten Nutzungsrechte erlangen: Sie können jederzeit die rechtmäßige Nutzung beweisen. Darüber hinaus können sie rechtliche Konsequenzen gegen Wettbewerber einleiten, falls diese dieselben Fotos unlizenziert benutzen. Und die unberechtigte Nutzung wird durch den richterlich festgesetzten 100%-Aufschlag sowie die Gerichtskosten deutlich teurer, als wenn im Vorfeld eine ordentliche Lizenz erworben worden wäre. Abschließend kurz zur Klärung: Jegliche Lizenzgebühr wird immer zusätzlich zu einem Produktionshonorar berechnet.

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