Wenn Auftraggeber den Preis gleich mit in die Anfrage schreiben. Und andere Märchen.

Manche Auftraggeber sind echte Holzköppe … © Till Erdmenger – Businessfotos

Manche Auftraggeber sind echte Holzköppe … © Till Erdmenger – Businessfotos

Es war einmal, vor langer, langer Zeit … eine Anfrage, die mich gestern erreichte. Sie ist exemplarisch für eine bestimmte Spezies der Gattung „Kunden“. Diese possierliche Art von Menschen bittet ihre Mitmenschen nicht um Angebote, wie es gute Tradition sein mag. Sie hat vielmehr schon bei der Budgetierung ihres Projekts eine Vielzahl von Posten bis zur Marginalisierung zurechtgestutzt, um das Ego maximieren zu können. In freier Wildbahn bieten diese Kreaturen also an, zu einem vorgeschriebenen Preis für sie arbeiten zu können. Auf populären Prostitutions-Seiten wie BlauArbeit oder MyHammer mag das insofern funktionieren, als dass sich hier der ein oder andere illegale Deal mit verzweifelten Handwerkern anbahnen lässt.

Wenn aber ein seit Jahrzehnten deutschlandweit erscheinendes Magazin mit einer Auflage von rund 10.000 Exemplaren ein Fotoshooting buchen will und dafür ein Budget von 100,- € tutto completti veranschlagt, dann fehlt aber mehr als eine Tasse im Schrank. Zumal, wenn mitgeschickte Belegexemplare zeigen, dass ähnliche Produktionen gerne für ganzseitige Illustrationen herangezogen werden. Die Mediadaten des Titels verraten, dass eine vollfarbige, ganzseitige Anzeige in besagtem Magazin gute 5.000,- € kosten soll. Aber das nur nebenbei. Die Honorarempfehlungen des MFM geben in diesem Umfeld ein Honorar von 200,- € für eine ganze Seite an. Zuzüglich weiterer, kleiner abgedruckter Fotos ergeben sich nach diesen Empfehlungen rund 400,- € netto – wir sprechen hier von der Nutzungslizenz für den einmaligen Abdruck in einem Printmedium. Ohne Nutzungsrechte für Online, ePaper oder ähnliches. Mein Angebot, dass ich allerdings wie üblich auf Grundlage des Vergütungstarifvertrags der AGD berechnet habe, wurde umgehend abgelehnt.

Gelegentlich gehe ich gerne ins Kuriositätenkabinett und gucke mir diese emsigen und bemitleidenswerten Holzköppe an. Aber bitte nicht zu oft …

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Photographie, Unternehmen am von .

Über Till Erdmenger – Businessfotos

Till Erdmenger ist seit 1996 als Profifotograf tätig. Sein Schwerpunkt liegt im Bereich Businessfotos – unter anderem für Kunden wie ISS Facility Services, Merck Serono, Kaufhof, Porsche, Volkswagen oder den Marburger Bund. Die Kompetenz von Till Erdmenger liegt in der Unternehmensfotografie, zu der neben professionellen Businessportraits vor allem Imagefotos für die Unternehmenskommunikation und die Dokumentation von Firmenveranstaltungen zählen. Till Erdmenger bietet seine Businessfotos neben kleinen und mittelständischen Unternehmen gezielt auch Kliniken, Ärzten und Zahnärzten an.

Ein Gedanke zu „Wenn Auftraggeber den Preis gleich mit in die Anfrage schreiben. Und andere Märchen.

  1. Dirk Rehder

    Die »Geiz ist geil«-Mentalität scheint noch immer ihre Nachwehen zu haben.

    Sparsamkeit ist eine Tugend, falsch verstanden und umgesetzt endet sie hingegen nicht selten in einem Desaster. Wem seine Marken- oder Unternehmenskommunikation bei der Erstellung eines Fotos nur € 100 wert ist, was sagt das über die Wertschätzung einer Marke oder eines Unternehmens durch seinen Inhaber aus? Vielmehr noch – was bedeutet visualisierter Geiz hinsichtlich der Wertschätzung der eigenen Zielgruppe?!

    Eine Marke oder ein Unternehmen und deren Image sind ein hohes Gut und meist durch nennenswerte Investitionen zu dem geworden, was sie sind. Diese Investitionen gilt es nachhaltig zu schützen, damit es langfristig nicht nur eine Werterhaltung, sondern eine
    -steigerung geben kann. Das erfordert regelmäßige finanzielle Rücklagen, um dann auch die notwendigen hochwertigen Fotos zu einem entsprechendem Honorar einkaufen zu können.

    Ein weiterer Aspekt übertriebener Sparsamkeit ist der, dass schlecht bezahlte Zulieferer nicht sonderlich hoch motiviert sind, die geforderten Aufgaben bestmöglich umzusetzen oder – noch schlimmer – gar nicht erst die nötige Befähigung mitbringen. Wenn es ganz ungünstig läuft, dann führen wirtschaftliche Zwänge den Lieferanten in die Pleite. Dann gilt es, aufwendig nach einem neuen Lieferanten zu suchen und den entsprechend zu instruieren. Das kostet Zeit und somit Geld – Geld, dass man hätte lieber in eine vernünftige Honorierung seines bisherigen Fotografen investieren sollen.

    Ein noch größerer Schaden entsteht einem Unternehmen allerdings dann, wenn ein Lieferant während eines laufenden Projekts in die Pleite rutscht. Da ist dann schnell das gesamte Projekt gefährdet, mit unabsehbaren Folgen im Bereich montetärer und imageträchtiger Schäden.

    Viel der Worte, kurz der Sinn: Geiz ist nicht geil, sondern schadet letztlich Allen. Ein verantwortungsvoller Unternehmer weiß so etwas aber ohnehin.

    Beste Grüße,
    Dirk Rehder

    Antwort

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