Namenvorschlag für das nächste OS X: „Niagara“ © Till Erdmenger – Businessfotos

Der Nationalpark auf meinem Computer

Treue Leser wissen ja, dass ich überzeugter Nutzer der Apple-Produkte bin. Mit dem in der vergangenen Woche installierten Update auf OS X „Yosemite“ bin ich allerdings ganz und gar nicht einverstanden. Neue Versionen von OS X brachten zwar stets kleinere Fehler mit sich, diesmal habe ich allerdings erstmalig erfahren müssen, dass die Produktivität wirklich beeinträchtigt ist. So musste ich die E-Mail-Accounts komplett neu einrichten, weil ich über Tage keine Mails verschicken konnte. Der iMac wirkte anfangs extrem verlangsamt – dies hatte ich zunächst auf die erneute Indizierung durch Spotlight geschoben – später allerdings festgestellt, dass ein Prozess namens „windowserver“ gute 29GB an Arbeitsspeicher belegte (und deutliche Reserven der CPU verschlang). Dies konnte ich glücklicherweise mittels eines Neustarts beheben – es ist nicht wieder aufgetaucht. Allerdings musste ich feststellen, dass die Neustart-Funktion nicht tut, was sie soll. Der Mac hängt dann mit dem bunten Strandball des Todes in einer Endlosschleife und der Computer lässt sich nur über den Ein/Ausschalter auf der Geräterückseite herunterfahren. Dieser Fehler lässt sich beliebig reproduzieren. Außerdem loggt mich mein Computer gelegentlich spontan aus – teils nach einer Arbeitspause, teils während ich am Rechner sitze. Zu allem Überfluss gelingt auch nach Eingabe des Passwortes kein erneutes Einloggen – wieder dreht sich der Beachball endlos. Die Sharing-Buttons und die Mitteilungszentrale funktionierten anfangs nicht mehr, hier hält Apple selbst eine Lösung parat. Diese Häufung von Fehlern, die zu realen Arbeitsunterbrechungen führen, sind mehr als nervig und müssen seitens des großen Apfelproduzenten umgehend mit einem Update behoben werden. Einige wohl ebenfalls häufig zu beobachtenden Fehler listet Gizmodo mitsamt Lösungsvorschlägen auf – vielleicht helfen Ihnen diese Tipps.

Neben der technischen Seite betrachte ich als visuell geprägter Mensch natürlich auch die ästhetischen Aspekte dieses Betriebssystems. Schließlich sitze ich lange Zeit davor und muss die bunten Fensterchen ansehen. Auch hier hält sich meine Begeisterung in Grenzen. Die insgesamt schlichtere Gestaltung mit vielen Grautönen und Transparenzen wirkt sachlich, schlicht und schön – keine Frage. Die App-Symbole haben nach meiner Ansicht allerdings gegenüber der Vorgängerversion nicht gewonnen: Zu uneinheitlich kommen die daher. Manche schmaler, andere ausladender, einige schräggestellt. Insgesamt so gar nicht schlicht, sondern überraschend filigran und detailliert. Das widerspricht aus meiner Sicht der reduzierten Ästhetik der übrigen Benutzeroberfläche. Ein Fax-pas ist die Verwendung von weißer Schrift auf (hell)grauem Hintergrund, wie es in manchen Menüs und Drop-down-Listen vorkommt – schlichtweg unlesbar sind diese Einträge. Und nie werde ich mich an diese scheußlichen Steuerungsbuttons überall gewöhnen, die man zum vor- oder zurückblättern, zum Teilen von Inhalten oder zum Anlegen eines neuen Ordners braucht. Die eingesetzten Strichzeichnungen sehen grausam deplatziert und ebenfalls viel zu klein und fein aus.

Wer also nicht darauf angewiesen ist, sofort die neueste Systemversion zu installieren, sollte lieber warten, bis die wirklich blöden Bugs behoben sind oder Lösungen gefunden wurden. An das Aussehen werden wir uns alle sowieso gewöhnen …

2 Gedanken zu „Der Nationalpark auf meinem Computer

  1. Das Superschaf (@Supersheep07)

    Lass nur mal richtig Dampf ab. Tief durchatmen.
    Ich habe Yosemite seit der Public Beta und hatte keine dieser Probleme auf meinem Retina MacBook Pro. Yosemite ist schnell, stabil und meiner Meinung nach auch sehr hübsch. Ich würde es jedem empfehlen. Viele Deiner Kritiken an den visuellen Änderungen sind sehr subjektiv. Insgesamt hat sich meiner Meinung nach die Leserlichkeit mit der neuen Systemschrift erhöht. Die Symbole finde ich schlicht und verständlich. Ich sehe nirgends weisse Schriften auf hellem Hintergrund. Der neue Kalender ist super, Safari war nie so aufgeräumt und simpel. Spotlight (verwende ich sehr häufig) ist wesentlich besser als vorher. Die neue Mitteilungszentrale ist für mich zum ersten Mal wirklich sinnvoll nutzbar.

    Einzige Kritik: Die Exchange-Integration spukt im Bereich von Stellvertretungen des Kalenders wenn man viel mit Einladungen arbeitet.

    Daher finde ich es übertrieben generell von einem Update auf ein sehr gutes Betriebssystem abzuraten!

    Antwort
  2. Till Erdmenger Autor

    Hallo Superschaf,
    vielen Dank für Ihre Antwort und das Teilen Ihrer Erfahrungen! Natürlich kann man nicht pauschal von einem individuellen Rechner auf die Allgemeinheit schließen – das habe ich wohl getan. Allerdings stolpert man im Internet doch recht schnell über andere, die ähnliche Probleme haben. Für mich – individuell – bedeuteten die aufgetauchten Fehler erstmalig in meiner Mac-Geschichte (ich bin seit Mac OS 7.2, ca. 1993, dabei), dass ich zeitweise meiner Arbeit nicht nachgehen konnte und Arbeiten vom iPad oder iPhone aus weiterführen musste. So etwas habe ich bei vorherigen Updates nicht erlebt!
    Dass meine Einschätzung der grafischen Überarbeitungen subjektiv ist, sollte klar sein. Ästhetik kann nicht objektiv messbar sein, oder? Und selbstverständlich haben Sie das Recht, das alles ganz anders zu empfinden, keine Frage!
    Mit freundlichen Grüßen, Till Erdmenger

    Antwort

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