© Till Erdmenger – Businessfotos

Die vermeintliche „Sicherheit“ der Stockfotografie – eine Erwiderung auf die iStock-Werbung

Sich als „kleiner“ Fotograf mit iStock by Getty Images anzulegen, ist vielleicht nicht die allerbeste Idee. Aber die gekaufte PR, die diese Microstock-Fotoagentur da via Gründerszene.de verbreitet, schreit einfach nach einer Erwiderung. Vorweg: Natürlich hat die Stockfotografie ihre Daseinsberechtigung und auch ihre Vorteile: Diese Fotos sind schnell und in großer Auswahl zu sehr günstigen Preisen erhältlich.

iStock legt sich seine Argumente allerdings so offensichtlich zurecht, dass ich darauf eingehen muss: Unsicherheit hinsichtlich der Verwendbarkeit von Fotomaterial bei der Gestaltung von Unternehmenswebsites, Broschüren oder Logos dürften nur dann entstehen, wenn Laien am Werk sind. Jeder professionell beauftragte Grafiker/Designer (der diese Aufgaben übernehmen sollte, wenn um eine größere Unternehmung als um Omas Marmeladen-Stand auf dem Dorf-Weihnachtsmarkt geht) kennt sich mit der Lizenzierung und mit verlässlichen Quellen aus. Lustig ist im Übrigen, dass sich später herausstellt, dass auch die angepriesenen iStock-Bilder generell nicht für die Erstellung von Logos verwendet werden dürfen!

Unverschämt werden die Schreiberlinge von Gettys Gnaden, wenn sie behaupten, die Vorteile ihrer Stockfotos gegenüber der Auftragsfotografie lägen in der Rechtssicherheit und der zeitlich unbegrenzten Verwendbarkeit. Das ist schlichtweg falsch: Jeder professionelle und seriöse Fotograf weiss über Model- und Property-Releases bescheid und wird für seinen Auftraggeber entweder selbst die nötigen Releases einholen, oder ihn zumindest darauf hinweisen, dies im eigenen Interesse zu tun. Eine zeitlich unbegrenzte Verwendung kann vermutlich in jeder Lizenz vereinbart werden und ist – wie auch die Faktoren der örtlichen Verbreitung und des Einsatzzwecks – lediglich ein Aspekt einer Nutzungsvereinbarung und somit kein Alleinstellungsmerkmal eines Stockfotos.

Entgegen der zunächst propagierten Einfachheit unterscheidet iStock dann aber sehr wohl zwei Lizenzmodelle mit penibel festgehaltenen Regeln. Das ist natürlich das gute Recht der Agentur, vereinfacht die Nutzung aber längst nicht in dem Maße, wie es suggeriert wird. Ich möchte zudem einen Vergleich ziehen: Diese Wahl ähnelt einem Unternehmen, das lediglich zwei Produkte anbietet – ein 2.-Klasse-Ticket der Bahn und eine S-Klasse beispielsweise. Für die meisten Nutzer ist meines Erachtens eine bessere Differenzierung der Ansprüche an die Nutzungsvereinbarung sinnvoll. Mein eigenes Lizenzmodell verwendet z.B. eine Matrix von 3 Faktoren und 3 Abstufungen zuzüglich 2 besonderen Fällen.

Bei aller Vorsicht, die gegenüber der Eigenlob-PR von iStock geboten ist, muss ich doch zugeben, dass sie auf ihrer Seite über Lizenzirrtümer eine absolut entlarvende Weisheit verbreiten: „Man will ja für die Firmenidentität vielleicht auch nicht unbedingt ein Bild verwenden, das potentiell von Millionen anderen Kunden verwendet werden kann. Angebrachter wäre es in diesem Rahmen bei einem Künstler eine „Maßanfertigung“ in Auftrag zu geben.“ Genau!

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