Schadensersatz: Fair bleiben!

Über Gerichte und Urteile kann man manchmal nur den Kopf schütteln. Ich will hier nicht in die schmuddelige Edathy-Schublade greifen, auch in anderen Fällen gibt es ähnlich unbegreifliche Urteile zu bestaunen. Kürzlich wurden zwei Musiker zur Zahlung von über 7 Millionen Dollar verurteilt, weil Ihr Song zu sehr von einem anderen „inspiriert“ war. Jetzt lese ich von einem Fotografen, dessen Foto über Jahre von einem Verlag in verschiedenen Büchern und auf mehreren Internetseiten missbräuchlich verwendet wurde. In Deutschland. In Österreich. Und in der Schweiz. Ein deutsches Gericht hat dem polnischen Fotografen Schadensersatz in Höhe von 5.580 € zugesprochen. Die vom Fotografen üblicherweise veranschlagten Honorare hätten zu Lizenzkosten i.H.v. gut 16.000 € geführt – das wurde aber vom Gericht nicht anerkannt. Nicht so sehr der Punkt, ob die Herkunft des Fotografen eine Rolle gespielt hat, interessiert hier. Vielmehr frage ich mich, wie ein Gericht die üblicherweise verwendeten Honorare eines Freiberuflers missachten (die sicherlich mithilfe anderer Rechnung hätten belegt werden können) und weit niedrigere Vergütungen nach eigenem Ermessen ansetzen kann. Und noch mehr frage ich mich, inwieweit dieses Urteil Signalwirkung für andere Foto-Missbraucher hat: „Sind mir die Kosten des Fotografen zu teuer, verwende ich die Fotos einfach ohne Lizenz. Mit etwas Glück zahle ich nichts, und wenn man mich erwischt, regelt das Gericht den Preis herunter.“ Pardon – um Straftaten (nichts anderes ist die Verletzung von Urheberrechten) zu verhindern, muss doch eine Strafe härter treffen, als den legalen Weg zu beschreiten, oder sehe ich das falsch? Was meinen Sie dazu? Ich bin gespannt auf die Interpretation meiner Leser!

Ein Gedanke zu „Schadensersatz: Fair bleiben!

  1. Robert van Triel

    Fotoverwendung ohne Lizenz gilt heute leider als Kavaliersdelikt. Auf der einen Seite sollte man anerkennen, daß hier Schadensersatz zugesprochen wurde, auf der anderen Seite teile ich Ihre Auffassung, daß deutsche Gerichte in vielen Fällen auch Selbstanmaßung betreiben.
    Wer kontrolliert eigentlich die Richter ?

    Antwort

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