Tipp: Wie man den richtigen Fotografen findet

LIFE CoverVor Kurzem fand ich einen Beitrag eines Berliner Kollegen, der einige interessante Punkte zusammenträgt, wie ein Unternehmen zur optimalen Fotografen-Auswahl gelangt. In einigen Punkten stimme ich zu, in anderen möchte ich widersprechen. Am Ende dieses Beitrags verlinke auf die (bezahlte) Pressemeldung von „Capital Headshots Berlin“.

  1. Gemischtwarenhändler
    Denken Sie mal an die ganz großen Konzerne und bekannten Marken: Bei Apple, Mercedes oder Coca-Cola besteht keinerlei Zweifel an deren Kernkompetenz. Demgegenüber gibt es bei Aldi allerlei günstige Nahrungsmittel sowie verschiedenste Angebote wie Gartenstühle oder Kinderkleidung. Noch besser: Der Kiosk, bei dem man Süssigkeiten wie auch Zigaretten, Bier, Zeitschriften oder Lottoscheine findet.
    Machen Sie sich im Vorfeld klar, welche Art von Fotos Sie benötigen. Und suchen Sie dementsprechend zielgerichtet nach einem Spezialisten auf diesem Gebiet, nach jemandem, dessen Kompetenz z.B. im Bereich Businessportrait, Veranstaltungsfotografie oder Automotive liegt. Aller Erwartung nach werden Sie hier geeignetere Spezialisten finden, als wenn Sie sich leutselig an die Passbildbude um die Ecke wenden.
  2. Studio to go
    Seit vielen Jahren erkläre ich meinen Kunden den entscheidenden Vorteil meines mobilen Studios: Das nämlich Weg- und Zeitaufwand verringert wird. Und dennoch konsistente, professionelle Fotos entstehen. Oft genug portraitiere ich Mitglieder eines Vorstands oder Gremiums während einer ihrer Sitzungen – d.h. jeder einzelne hat einen Zeitaufwand von nur wenigen Minuten, während denen er die Sitzung verlässt und fotografiert wird. Außerdem erhalten Sie als Unternehmer so eine Foto-Serie „aus einem Guss“ – die Porträts gleichen sich also in Lichtführung und Hintergrundgestaltung.
    Wenn Sie hingegen Produktfotos benötigen, sollten Sie einen Fotografen mit einem geeigneten Studio vorziehen. Nur hier entstehen der Raum und die Ruhe, um exakte, brillante Sachaufnahmen zu produzieren.
  3. Werkzeugkoffer
    In diesem Punkt widerspreche ich den Ansichten meines Kollegen, der großes Augenmerk auf die Werkzeuge legt und verschiedenste Gadgets als Voraussetzung aufzählt. Fakt ist, dass ein Profi mit professionellem Werkzeug arbeiten muss, und zwar blindlings. Als Kunde dürfen und müssen Sie heutzutage technisch perfekte Ergebnisse erwarten. Ob diese mit Canon oder Nikon produziert werden, ist unwichtig. Noch wichtiger ist meines Erachtens aber die Authentizität und Aussage der Fotos, die mit technischen Spielereien nicht aufgewogen werden kann. Equipment kann problemlos geliehen werden – aus meiner Sicht also kein Entscheidungsgrund für oder gegen einen Fotografen. Ich plädiere ebenso dafür, sich bei der Betrachtung des Portfolios nicht von (beeindruckenden) Panorama-, HDR- oder Drohnenfotos blenden zu lassen. Sie alle haben ihre Berechtigung und repräsentieren möglicherweise die Spezialität des Fotografen. Wenn es genau das ist, was Sie suchen: wunderbar. Wenn (wie so oft) Computer-Technik einen Mangel an Ästhetik oder handwerklichen Grundkenntnissen kaschieren soll, seien Sie auf der Hut!
  4. Chimping
    Technisch stehen heute jedem Fotografen einige Möglichkeiten zur Verfügung, Ihnen noch vor Ort Bildergebnisse zu präsentieren. Das ist ein gewaltiger Schritt nach vorn, wenn man sich überlegt, dass noch vor 15 Jahren mit viel Mühe das ein oder andere Polaroidbild gemacht wurde, um z.B. die Belichtung zu kontrollieren. Sie können sich also glücklich schätzen, wenn Sie nach dem Shooting gleich die ersten Ergebnisse ansehen können und einen ersten Eindruck erhalten. Die Euphorie meines Kollegen teile ich aber nicht. Es ist keine Arroganz, sondern Erfahrung, die mir sagt: Grade mit Kunden, von denen ich Portraits mache, wähle ich nicht während eines Shootings Bilder aus! Gerne im Anschluss, ja. Die gestalterische Erfahrung habe ja ich als Fotograf viel mehr als mein Kunde – deshalb wurde ich doch gebucht!
    Sie aber haben als Auftraggeber glücklicherweise die Wahl, ob Sie lieber jedes Bild sofort auf einem Breitwandmonitor sehen möchten – oder jemandem wie mir vertrauen wollen und im Anschluss das ein oder andere Preview genießen möchten. Wichtig ist, dass Sie sich zuvor darüber klar werden und dies mit Ihrem Fotografen-Favoriten besprechen.
  5. Was auf dem Deckel steht
    Hier kann ich den Worten meines Kollegen aus Berlin nur mit Unverständnis begegnen. Ich zitiere: „Was nützt Ihnen ein vermeintlich günstiges Angebot, wenn Sie am Ende nur jeweils ein oder zwei Fotos in einer bestimmten Größe erhalten und für den Einsatz zu Werbezwecken oder in anderen Bildgrößen extra zahlen müssen?! Es gibt auch Fotografen, die Nutzungsrechte zeitlich befristen oder auf die Nennung des Urhebers in allen Verwendungsformen bestehen. Das kann schnell lästig oder teuer werden.“ Ein günstiges Angebot, welches genau die von Ihnen benötigten Nutzungsrechte umfasst, nützt selbstverständlich Ihnen, lieber Kunde. Denn andernfalls würden Sie für Rechte bezahlen, die Sie gar nicht brauchen. Nämlich zu viel. Genau dasselbe gilt für eine zeitliche Befristung der Nutzung: Sie bezahlen womöglich deutlich zu viel für die unbefristete Nutzung eines Fotos, dass Sie möglicherweise nur einmalig verwenden. Im Übrigen ist die Nennung des Urhebers nichts, worauf dieser unverschämterweise „besteht“, sondern der Normalfall, geregelt durch geltendes Recht. Mir scheint, dass der zitierte Fotograf aus Berlin die Auseinandersetzung mit diesen Punkten selbst als „lästig“ erachtet. Über das Thema Nutzungsrechte und deren Vorzüge für Sie als Kunde habe ich auf meinem Blog schon häufig genug geschrieben. Sollten Sie anderer Ansicht sein, was vollkommen legitim ist, haben Sie Ihre Wahl des geeigneten Fotografen jetzt bereits eingegrenzt. Achten Sie in jedem Fall darauf, dass das Angebot eines Fotografen offen die Kosten und Nutzungsrechte benennt, damit Sie später eben nicht in die Situation kommen, dass unerwartete Folgekosten entstehen.
  6. Pixel-Shampoo
    Ein sicherlich wichtiger Punkt bei der Wahl des Fotografen ist die Frage, ob und wie gut dieser die Fotos nachbearbeitet. Hier tun sich riesige Unterschiede im Können auf, die aber entscheidenden Einfluss auf die erzielte Werbewirkung haben können. Die besten Photoshop-Fails kennen Sie aus dem Netz. Sie möchten aber auch vermeiden, dass Ihnen Ihr Grafiker später sagt, die Daten seien nicht druckfähig. Oder noch besser: Sie bekommen die Fotos direkt aus der Kamera, so, wie der Prozessor die Welt sieht. Zu analogen Zeiten hätte es keinen Fotografen gegeben, der seinem Kunden einfach ein paar Negative in die Hand drückt. Wer nicht selbst nachbearbeitet, sollte dies zumindest für Sie handeln können und mit jemandem für die Post-Production zusammen arbeiten. Klären Sie dies besser im Vorhinein.
  7. Beziehungsweise
    Die Professionalität, die Verlässlichkeit und das Vertrauen zu Ihrem langjährigen Fotografen ist letztlich etwas, was man kaum mittels einer Checkliste prüfen kann, sondern etwas sehr persönliches, etwas, was sich entwickelt und wächst. Selbstverständlich entscheidet hier viel Bauchgefühl – und das ist auch gut. Tun Sie Sich und Ihrem Fotografen den Gefallen, offen miteinander umzugehen und kleine Missverständnisse auszuräumen. Der prädestinierte Kandidat dankt es mit kontinuierlich professioneller Arbeit, die nicht auf Zufallstreffern beruht. Bitte lesen Sie insbesondere zu diesem Punkt auch mein Plädoyer.

Diese Auflistung versteht sich zunächst nur als Antwort und Erweiterung eines Beitrags von „Capital Headshots“, den ich kürzlich las. Ich werde in Ihrem Interesse versuchen, weitere relevante Punkte zu ergänzen und freue mich selbstverständlich auch auf Ihren Input!

2 Gedanken zu „Tipp: Wie man den richtigen Fotografen findet

  1. P. Venus

    Lieber Till,
    gerade entdecke ich deinen Beitrag, der sich mit dem Artikel von Capital Headshots Berlin „Professionelle Fotografen – so finden Sie den richtigen für Ihren Zweck“ auseinandersetzt. Zunächst einmal vielen Dank für den fairen Beitrag. Allerdings gibt es Aspekte, die ich berichtigen möchte oder anders sehe:
    Zunächst einmal handelt es sich NICHT um einen bezahlten Pressebeitrag. Bezahlt wurde nämlich nicht die Platzierung oder die Veröffentlichung, sondern nur die Dienstleistung der Distribution an verschiedene Presseportale. Statt dies in jedem Fall einzeln händisch vorzunehmen, haben wir die Verteilung der Beiträge einem anderen Dienstleister übergeben. Dafür sind Dienstleister da, Arbeit abzunehmen. Eine Gewähr, dass Artikel veröffentlicht werden, hat man dadurch nicht. Einen Hinweis auf die Qualität eines Beitrags liefert dieser Umstand allerdings ebenfalls nicht.
    Kommen wir zu der Frage des Equipments: Grundsätzlich gebe ich dir Recht, Technik muss funktionieren, und der Kunde darf darauf zählen, dass der Fotograf das Richtige tut. Vorausgesetzt, seine Technik hindert ihn nicht daran, das Beste für seinen Kunden zu erreichen. Technik ist absolut nicht alles, aber ohne moderne Technik ist – im professionellen Umfeld – alles nichts. Technik kann Zeit für den Kunden sparen und Resultate ermöglichen, die sonst nur mit deutlichem Mehraufwand oder gar nicht zustande kommen könnten. Selbstredend ist die Frage nach der Marke des Kameraherstellers nur eine, die Hobbyfotografen beschäftigt. Heute Canon, morgen Nikon, übermorgen Sony – wen interessiert das schon!? Wie hat es einmal Altkanzler Kohl so schön formuliert? Entscheidend ist, was hinten rauskommt.
    Und jetzt zu deinem Unverständnis über unser Statement zu den Nutzungsrechten. Wir haben über viele Jahre mit Nutzungsrechten, deren Einhaltung, Verletzung und Abmahnung zu tun gehabt. Dabei sind wir zu dem Schluss gekommen (wohlgemerkt für uns!), dass im Internetzeitalter eine wirkliche Kontrolle nicht mehr wirklich möglich ist. Wir sind weder Hüter des heiligen Grals noch die Internetpolizei. Daher sind wir zu dem Schluss gekommen, wer uns bucht, darf mit den Ergebnissen machen, was er will. Dabei lassen wir die Kirche im Dorf, die meisten Leistungen von uns betreffen Portraitfotos. Sollte ein Werbeauftrag von Coca Cola hereinschneien, oder überraschender Weise eine Portraitserie von Michael Phleps anstehen, werden ohnehin spezielle Vereinbarungen getroffen. Unsere Tipps richten sich aber an Kunden für Businessportraits und nicht an Initiatoren von weltweiten Kampagnen. So what!? Wollen wir wirklich ernsthaft unsere Kunden mit rechtlichen Details gängeln oder sie kontrollieren? Wir halten das – im Zeitalter von freier Musik und Bildern im Netz – für verschwendete Lebensenergie. Bei uns zahlt auch keiner einen Cent mehr, weil er alle Nutzungsrechte bekommt. Bei uns gibt es auch keine versteckten Folgekosten, wie wir sie alle in den Tarifverträgen der Mobilfunkanbieter hassen gelernt haben. Die Kunden zahlen unseren technischen und unseren Zeitaufwand und die Qualität der Ergebnisse. Und damit sind – bis jetzt – alle happy.
    Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg mit deinem Blog, und danke, dass du bei capitalheadshots.berlin vorbei geschaut hast. Wenn du mal in Berlin bist, lass uns zusammen ein Bier trinken.

    Beste Grüße
    P. Venus
    Geschäftsführer

    Antwort
  2. Till Erdmenger – Businessfotos Autor

    Lieber P. (mehr von Deinem Namen verrätst Du ja weder hier, noch in Deinem Impressum),
    ich freue mich über Deine Antwort und Deine Einladung nach Berlin! Ich bin tatsächlich immer mal wieder in der Hauptstadt – und vielleicht klappt es ja mal!
    Lass mich bitte noch einen Satz zu dem mir sehr wichtigen Thema „Nutzungsrechte“ ergänzen: Die Regelung solcher Rechte geschieht ja im Interesse des Kunden, und nicht um ihn zu verunsichern oder abzuzocken! Wenn ein Kunde grundsätzlich für jegliche Nutzung zahlt, bezahlt er wahrscheinlich zu viel. Durch die gezielte Vergabe von Rechten, die exakt auf die Bedürfnisse des Kunden abgestimmt sind, können die Kosten gesenkt werden. Hat ein Kunde gar keine Vorstellung davon, wie oder wofür er die Fotos einsetzen möchte, liegt womöglich ein ganz anderes Problem vor und es besteht Beratungsbedarf. Insofern handelt es sich hier nicht um „versteckte Kosten“.
    Darüber hinaus hat die Vergabe von expliziten Rechten folgenden Vorteil: Auch Dein Kunde kann möglicherweise einen Missbrauch der für ihn produzierten Fotos entdecken. Hat er aber exakt definierte Bildrechte erworben, kann er jederzeit rechtssicher seine Interessen gegenüber dem Übeltäter vertreten.
    Selbstverständlich kann die Entscheidung über die Vergabe von Lizenzen jeder Urheber selbst treffen, so wie Du es gemacht hast. Ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg!

    Antwort

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