Archiv der Kategorie: Photographie

Ein seltenes Fachgebiet: Medizinfotografie

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Medizinfotografie im Operations-Saal © Till Erdmenger – Businessfotos

Wenn ich erzähle, dass ich mich mit meiner Unternehmensfotografie vor allem an Kliniken und Ärzte bzw. Zahnärzte wende, meine ich damit heute vor allem Imagefotos – Bilder, die einen werblichen Charakter haben. Ich habe eine Zeit lang aber auch faszinierende Erfahrungen im Bereich der (wissenschaftlichen) Medizinfotografie gesammelt, die mir heute noch zugute kommen. Damit meine ich Fotos, die live während echter Operationen entstanden. Keine leichten Arbeitsbedingungen: Eingepackt in einen OP-Kittel, penibler Abstand von allen sterilen Bereichen, teilweise extreme Nahaufnahmen vom blutigen Operationsfeld, von der Leiter aus über die Schulter des Chirurgen fotografieren – direkt unterhalb der extrem heißen OP-Lampen. Meine Affinität zur Businessfotografie für Kliniken, Arztpraxen und Krankenhäuser liegt in diesen Erfahrungen begründet – und ich fotografiere noch heute gerne „minimal-invasiv“. Die Seite Fstoppers hat aktuell übrigens einen interessanten Artikel über den Medizinfotografen Eneil Simpson veröffentlicht und inspirierte mich zu diesem Artikel 😉

Scheitern Fotografen wirklich an ihrem Enthusiasmus?

Vor wenigen Tagen schrieb Don Giannatti auf Petapixel einen interessanten Artikel, der erklärt, warum Fotografen scheitern. Ich finde die Vermutungen, die Don notiert hat, vordergründig einleuchtend – sehe zum Teil aber deutlichen Klärungsbedarf. Deshalb will ich die Thesen gerne selbst ausleuchten und hier zur Diskussion stellen – und versuche, das Thema dabei aus der Perspektive meiner Kunden zu betrachten:

Seniore Giannatti stellt im Grunde den Widerspruch zwischen den nüchternen Anforderungen eines Bildnutzers („Das Foto muss funktionieren“) und der enthusiastischen, kritiklosen Foto-Verliebtheit vieler Fotografen gegenüber. Im Einzelnen:

  1. Fotografen stöhnten darüber, das heutzutage jeder fotografieren könne
  2. Fotografen erfreuten sich mehr an Ihrem Equipment als an guten Fotos
  3. Fotografen fürchteten und verachteten jeden Kollegen, der seinen Erfolg nicht genauso beschwerlich verdient hat wie sie selbst
  4. Damit verbunden, spotteten Fotografen über Neulinge auf ihrem Gebiet
  5. Fotografen beschäftigten sich zu sehr mit der Selbstdarstellung und zu wenig mit den Anforderungen ihrer Kunden

Mit einigen Punkten mag er Recht haben – Sie als Kunde haben natürlich die volle Aufmerksamkeit ihres Fotografen verdient! Fotos, die Sie in Auftrag geben, müssen Ihren (kaufmännischen) Erwartungen entsprechen und Ihr Unternehmen von seiner besten Seite zeigen, sie sollen echt und ungestellt, emotional und wirkungsvoll sein. Sie erwarten, dass ein Dienstleister/Künstler sich für Sie interessiert, anstatt von seiner Kamera zu schwärmen oder Kollegen schlecht zu reden. Ich bin aber – im Gegensatz zu Don Giannatti – davon überzeugt, dass es genau dafür, für diese packenden und funktionierenden Fotos einen professionellen Fotografen braucht, der seine Arbeit liebt! Wie könnte er ohne Liebe Emotionen in seine Bilder verpacken? Wie sollte er ohne Erfahrungen und Kenntnis seiner Gerätschaften verlässlich reproduzierbare, beabsichtigte Bildergebnisse erzielen statt zufälliger oder computergefilterter Bildchen? Wie sollte sich ein Fotograf als Künstler positionieren können, wenn er sich nicht mit sich selbst auseinandersetzen dürfte?

Spott und Verachtung scheiden allein aus Gründen der Höflichkeit aus; dass jedoch ein Fotograf die Vorteile seiner Leistung hervorhebt und anpreist, um Sie als Auftraggeber zu überzeugen, das sollte selbstverständlich sein. Nicht jede Dienstleistung muss hingebungsvoll geklempnert werden, aber wenn es um die Darstellung Ihres Unternehmens, um Ihr Image geht, bin ich sicher, dass lieblose Knipsbilder nicht funktionieren können. Ich bin gespannt darauf, wie Sie das sehen – lassen Sie es mich wissen!

Kleine Erinnerung: Namensnennung ist Urheberrecht, nicht Werbung!

Aus leider mal wieder gegebenem Anlass eine kleine Erinnerung an alle Geschäftspartner, Kollegen und Leser: Die Nennung des Fotografen bei – lizenzierter – Veröffentlichung professionell angefertigter Fotos ist kein frommer Wunsch des Fotografen und keine freiwillige Werbung des Bild-Nutzers, der sich damit von der Verpflichtung zur Zahlung einer angemessenen Vergütung freikauft. Sondern geltendes Recht – Urheberpersönlichkeitsrecht. Übrigens in vom Fotografen frei gewählter Form, beispielsweise als Internetadresse. Lesen Sie es bitte nach, wenn Sie es nicht glauben wollen. Der bundesdeutsche Justizminister Maas hat kürzlich – wenn auch in anderem Zusammenhang – daran erinnert, dass die Forderung, sich an Recht und Gesetze zu halten, keine Zensur darstelle. Das finde ich ermutigend: Nicht, wer auf (s)ein Recht pocht, sollte schief angesehen werden, sondern derjenige, der sich selbstgerecht das Überschreiten von Regeln und Gesetzen anmaßt.

Tun Sie mir den Gefallen und sparen Sie sich zukünftig die Zeit für Zeilen wie diese: „[…] Deshalb auch das Angebot, dass wir die Quelle mit Kontaktdaten veroeffentlichen und somit fuer Sie werben.“ Geht gar nicht.

Joblog: Auszeichnung für ISS Facility Services

Mein Kunde ISS Facility Services ist von der WirtschaftsWoche als „bester Mittelstandsdienstleister“ des Jahres ausgezeichnet worden – und meldet das natürlich mit einem meiner Fotos. Vielen Dank und natürlich herzlichen Glückwunsch!

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Ausstellungstipp: „Industrie als Motiv“ in Köln

Über die kommende Ausstellung von Fotografien von E.O. Hoppé hatte ich hier bereits berichtet. Der wiederentdeckte Porträt- und Industriefotograf hat u.a. einige Jahrzehnte vor mir den berühmten „Coat Hanger“, die Sydney Harbour Bridge, fotografiert – damals noch im Bau befindlich.

Zeitgleich findet in der „Photographischen Sammlung“ der SK Stiftung Kultur (Im Mediapark 7, 50670 Köln) die Ausstellung „Industrie als Motiv“ statt und lockt mit Aufnahmen von Bernd und Hilla Becher, Albert Renger-Patzsch und August Sander. Der Veranstalter schreibt dazu:

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August Sander: Hohenzollernbrücke, Köln, 1927 © Rheinisches Bildarchiv Köln, 2017

Der Industriedarstellung kommt im Bestand der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur eine wichtige Bedeutung zu. In der Gruppenausstellung wird eine Auswahl an Werkgruppen zum Thema vorgestellt, die die Zeitspanne seit Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 1990er-Jahre reflektiert. Entsprechend des technischen Fortschritts und den Entwicklungen auf künstlerisch-photographischem Gebiet werden vielfältige Momente veranschaulicht.

Während sich der aus dem Westerwald stammende Peter Weller am Ende des 19. Jahrhunderts unter landschaftlich-architektonischen Aspekten den Hüttenwerken des Siegerlandes näherte, dokumentierte Ruth Hallensleben in vielen ihrer Auftragsarbeiten für die Schwerindustrie zentrale Betriebe, eingeschlossen sozialer Einrichtungen. August Sanders wenig bekannte Mappe „Mensch und Maschine“ erweitert seine typologisch ausgerichtete Portraitkunst um einen reportagehaften Blickwinkel. In den 1950er- und 1960er-Jahren werden industrielle Motive zunehmend auch von Vertretern der „subjektiven fotografie“ in ihre experimentellen Bildstudien einbezogen.

Ein photographischer Ansatz, der für Bernd und Hilla Becher von maßgeblicher Bedeutung war und exemplifiziert wird, ist die sachlich konzeptuelle Dokumentation einer gesamten Anlage, hier etwa eines Bergwerks. Claudia Fährenkempers Bildreihe über den Aufbau eines Schaufelradbaggers im Braunkohletagebau Hambach schließt sich hier stilistisch gut an. Nicht zuletzt zeigen Joachim Brohms Photographien aus der Serie „Industriezeit“ von 1990 Spuren und Verweise einer zu Ende gegangenen Ära im Ruhrgebiet, die 100 Jahre zuvor noch fest verankert und zukunftsweisend erschien.

Pressepreview: Dienstag, 4. April um 11 Uhr
Eröffnung: Mittwoch, 5. April um 19 Uhr
Ausstellung: 6. April bis 30. Juli 2017

Ausstellungen geöffnet täglich außer mittwochs von 14 bis 19 Uhr.
Karfreitag, 14. April, geschlossen, alle weiteren Feiertage geöffnet!

Eintritt: 5,50 € (ermäßigt 3 €), erster Montag im Monat freier Eintritt!
Kombiticket mit dem Tanzmuseum des Deutschen Tanzarchivs Köln: 7 € (ermäßigt 4 €)
Regelmäßige Führung: Jeden Sonntag um 15 Uhr, Kosten: regulärer Eintritt + 2 € Führungsgebühr

iOS-Lightroom mit HDR-Raw: Warum ich nie wieder Apples Kamera-App benutzen kann …

Gestern wurde ein Update für Adobes mobile Lightroom-Version veröffentlicht, das die Fähigkeit, Raw-Daten aufzuzeichnen, noch um einen HDR-Modus ergänzt. Klingt kompliziert, und es ist in der Tat nicht ganz einfach, an die solchermaßen generierten .dng-Dateien heranzukommen, wenn man kein Adobe-Abo hat. Damit werden die Daten wohl über die Creative Cloud ins Desktop-Lightroom gesynct. Ich musste erst auf dem iPhone „Original exportieren“ wählen, um anschließend per Kabel in Lightroom zu importieren. Geht auch.

Bei Regenwetter ist so ein Test nicht ganz einfach, weil der bedeckte Himmel sehr weiches Licht produziert, ich bin also an den Waldrand gefahren, um feine Zweige und Unterholz vor hellem Himmel testen zu können. Zeitgleich habe ich die Aufnahmen in Apples eigener Kamera-App mit und ohne HDR-Option fotografiert. Um fair zu bleiben, habe ich diese Versionen in Apples Fotos-App optimiert (automatische Verbesserung + leichte zusätzliche Belichtungskorrektur), da Lightroom das Apple-HDR als einfaches .jpg behandelt. Die in Lightroom importierten .dng-Files hatten eine automatische Korrektur erfahren, ich habe hier nichts weiter verändert, als lediglich für diesen Blog optimierte .jpgs zu exportieren und anschließend von allen Aufnahmen in Affinity Photo 100% Ansichten zu vergleichen und Screenshots zu erstellen.

Kurzum: Die Testbedingungen zeigen vielleicht nicht unbedingt die Stärken von HDR, wohl aber den himmelweiten Unterschied zwischen den Apple-eigenen JPEGs und den Adobe-RAWs. Schaut selbst:

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Mit Adobe Lightroom Mobile als HDR-Raw fotografiertes Motiv

ApplePhotos.jpg

100%-Crop Apple Kamera-App ohne HDR

AppleHDRPhotos.jpg

100%-Crop Apple Kamera-App mit HDR

LightroomHDR2.jpg

100%-Crop Adobe Lightroom HDR-Raw

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