Archiv der Kategorie: Privat

Shabby Chic

In der ZEIT vom 4. Mai fand sich ein bemerkenswerter Artikel mit dem Titel „Abgewetzt und schön verschrammt“, in dem es um die Beobachtung geht, dass echte Antiquitäten einen rasanten Preisverfall erleben, während es gleichzeitig zum bohemian Lifestyle zählt, sich im „shabby Chic“ einzurichten. Diese neue Art des Historismus, der hier als Kontemporismus bezeichnet wird, zeichne sich vor allem durch den Drang nach unvorbelasteter, geschichtsloser Selbstbestimmtheit aus.

In dieser durchaus philosophischen Betrachtung unserer Epoche finde ich einige Details, die mir aus der Fotowelt bekannt vorkommen. Authentizität, Liebe zum Detail, das (auch in zeitlicher Hinsicht) Schwelgen in handwerklicher Raffinesse – all das, was man vereinfacht mit der „guten alten Zeit“ verbindet, findet sich heute eben nicht mehr. Es zählt nichts mehr, weil es zu aufwändig, zu zeitintensiv, zu aufmerksamkeitsfordernd, zu mühevoll und zu teuer ist. Es würde bedeuten, Geduld zu haben. Geduld, Kompetenz und Zeitautonomie – das scheint unzeitgemäß geworden zu sein und deshalb verkaufen sich die „ready-made“ Möbel genauso gut wie Instagram-Filter. Mich wundert das überhaupt nicht, denn wir führen ein derart digitalisiertes Leben, das optimiert, gestreamlined und clean ist, dass es gradezu notwendig erscheint, hier und da ein wenig abgeblätterte Farbe anzubringen. Und wenn man die schon fix und fertig kaufen kann, Bitteschön. Die Realität ist ja vielfach auch zu schrecklich, um sich mit ihr abgeben zu wollen. Authentizität in Form von Terrorismus, Populismus und Migranten wollen wir lieber nicht in echt erleben. Es ist viel schmerzfreier, ein wenig Patina aufzupinseln. Leider verstellt das gehörig den Blick. Dass das Leben Mühe bereitet, blenden wir auf diese Weise sauber aus und verlieren leicht die Einsicht, dass Engagement und Einsatz notwendig und lohnend sind und Respekt verdienen. Sei es in sozialer, politischer oder ganz banal in fotografischer, gestalterischer Hinsicht.

Schmöker-Tipp: Die surrealen, gemäldeartigen Fotos des Gregory Crewdson

Die melancholischen, traurig-realen Vorstadt-Gemälde von Edward Hopper sind mir seit frühester Kindheit vertraut und ich mag sie sehr. Vermutlich deshalb gefallen mir die Fotografien von Gregory Crewdson so gut – diesen kannte ich bis vor Kurzem noch nicht. Wer grade nichts anderes zu tun hat, kann ein bisschen Schmökern und nach den diversen Fundstellen zu diesem amerikanischen Fotografen suchen … viel Spaß!

Das oben gezeigte Foto stammt im übrigen von mir, ich habe es einst in den USA auf Dia-Film belichtet.

Das ist neu: Der Businessfoto-Shop

Till Erdmenger – Businessfotos hat jetzt einen Shop! Das ist ganz neu. Wieso, weshalb, warum das so ist, beschreibe ich hier. Und wie es sich bewährt, werden wir sehen.

Als Profi kann man heute nicht mehr Bilder auf CDs oder USB-Sticks verschicken, erst Recht nicht an Businesskunden. Fotos werden heute online ausliefert. Dazu verwende ich seit vielen Jahren OneDrive oder Box – und es funktioniert. Jetzt habe ich mich allerdings auch mal mit den verschiedenen Fotografen-Shop-Anbietern auseinandergesetzt.

Bislang hatte ich gedacht, wenn ich mal mehr Komfort brauche, eröffne ich einen Account bei PicDrop. Nach wie vor scheint mir dieses System sehr gut auf professionelle Bedürfnisse abgestimmt zu sein. Allerdings gibt es auch immer wieder Kunden, die wirklich noch analoge Vergrößerungen von ihren Fotos haben möchten. Ich finde diesen Anachronismus sehr charmant und bin der Meinung, es werden heutzutage viel zu wenig Fotos vergrößert. Das haptische Erlebnis, die Freude über ein schönes Foto in einem Bilderrahmen und nicht zuletzt die viel sichere Archivierbarkeit von Abzügen – das alles verschenkt man mit den vielen ungesehenen Digitalbildern auf den Festplatten dieser Welt. Da der vorgenannte Anbieter keine Anbindung an ein Fotolabor bietet, musste ich mich umsehen. „Fotograf.de“ ist ein solcher Shop-Betreiber, bei dem man echte Poster von seinen Fotos verkaufen kann. Die bieten jede Menge Features, konnten mich allerdings aus einem simplen Grund nicht überzeugen: Nirgends fand ich Hinweise auf die Laufzeiten des Vertrags, den ich als Fotograf mit Fotograf.de eingehen würde. Ich bin jetzt bei dem Anbieter Pictrs.com gelandet und fühle mich dort gut aufgehoben.

Wieso brauche ich als Businessfotograf also einen Online-Shop? Wie erwähnt gibt es Kunden, die meine Fotos so gut finden, dass sie sich Vergrößerungen davon an die Wand hängen. Manche Kunden kaufen möglicherweise in erster Linie Abzüge statt Daten, beispielsweise bei der Dokumentation von (Firmen-)Veranstaltungen. Und zu allem Überfluss habe ich jetzt auch mehrere Galerien eingerichtet, in denen ich Fotos aus meinen freien Projekten zeige und zum Kauf anbiete. Wünschen Sie mir Glück und Erfolg damit und erzählen Sie es weiter! Die Adresse lautet shop.erdmenger.de!

Joblog: Analoge Fotos für Plainpicture

Derzeit verschlagworte ich grade eine kleine Auswahl analoger Fotos aus Mallorca, die demnächst über meine Bildagentur Plainpicture vertrieben werden. Mit dieser Agentur arbeite ich mittlerweile seit etlichen Jahren zusammen und „füttere“ sie mit Fotos aus persönlichen Projekten. So wie dem oben gezeigten. Mehr Fotos aus dieser Serie finden Sie übrigens hier.

Die beliebtesten Artikel des Jahres

Wenn der Weihnachtsstress vorüber ist, ein paar Tage der Ruhe einkehren, die Langeweile an die Tür klopft – dann wird es Zeit, die besten Beiträge des Jahres Revue passieren zu lassen. In guter Tradition hier die Liste der am häufigsten gelesenen Posts auf meinem Blog:

  1. Noch immer sehr beliebt: Mein Tipp, wie man in Pages unterschiedliche Seitenränder auf der Titel- und den Folgeseiten einstellt
  2. Wie wichtig kundenspezifische Nutzungsrechte sind, schreibe ich hier andauernd. Erfreulich, dass das auch so viele Leser interessant finden!
  3. Auch die Frage, was Businessfotos kosten, interessiert meine Fans brennend. In diesem Artikel habe ich mal einige Beispiele durchgerechnet
  4. Sex sells, selbst im post-castroschen Kuba. Man darf sagen: So wie in diesem Bildband wird es nie wieder sein
  5. Fotobücher sind die Alben der digitalen Zeit. Es wundert also nicht, warum mein Test von BindIt gern gelesen wird. So ein schönes Coffeetable-Book macht sich auch in Unternehmen gut!
  6. Ein bißchen Spaß muss sein – wie zum Beispiel Dinge, die die Welt nicht braucht
  7. Dieser Artikel ist schon etwas in die Jahre gekommen: Akquise für Fotografen bleibt dennoch ein Bestseller hier im Blog. Vielleicht gibt es demnächst mal eine Überarbeitung …
  8. Im unternehmerischen Umfeld macht eine gute Kontaktverwaltung Sinn – wie man sie auf dem Mac etabliert, habe ich hier beschrieben
  9. Die Ausstellung ist zwar vorbei, August Sander mit seinen epischen Arbeiterfotos aus den 20er und 30er Jahren zieht jedoch noch immer Interesse auf sich
  10. Ein privates Foto-Projekt über einen engagierten Zirkus, der mit Schulkindern fantastische Vorführungen einstudiert, verwöhnt Sie mit artistischen Bildern

Kleiner Test: Negative digitalisieren

Den Epson V700 Photo habe ich auch schon etliche Jahre – und ich habe mich an seine Macken gewöhnt. Als ich dieser Tage überlegte, ob man heutzutage noch analoge Businessportraits anbieten kann, konnte ich zum ersten mal digitale und analoge Qualität anhand gleicher Motive und Lichtverhältnisse vergleichen. Und war doch eher nicht so berauscht von der Detailschärfe meiner Negative. Gleichzeitig stellte ich aber die Behauptung auf, der Flachbettscanner mit Durchlichtdeckel produziere wahrscheinlich auch nicht grade besonders scharfe Ergebnisse. Da ich zudem kürzlich in der PhotoKlassik gelesen hatte, dass Scans der Emulsionsseite schärfer ausfallen würden, startete ich heute eine kleine Testreihe. Immer wieder liest man von begeisterten Hobbyisten, die statt zu scannen auf das reproduzieren schwören – daher nahm ich auch dies in meinen Vergleich auf. Weiterlesen

Till Erdmenger – 20 Jahre professionelle Fotografie

Heimlich, still und leise kommt dieser Tage der Nikolaus den Kamin herunter. Mir ist aber noch was anderes aufgefallen: In diesem Jahr „feiere“ ich Jubiläum, denn meine fotografische Profession begann vor 20 Jahren. Dies soll kein großer Rückblick werden, so nostalgisch muss es nicht sein, und schließlich ist ja noch viel interessanter, was die Zukunft bringt. Vor 20 Jahren also, nach 3 Semestern Politikwissenschaften, stand für mich fest, dass nicht das Schreiben, sondern das Fotografieren mein Lebensinhalt sein soll. Während ich mir die Studios in Hannover und Umgebung anschaute und Bewerbungen schrieb, verbrachte ich damals ein paar interessante Wochen bei Georg Akrutat, der seinerzeit mit viel Detailverliebtheit ein kleines Studio am Schwarzen Bären betrieb. Kurz später begann meine Lehre bei Michel Eram in Langenhagen. Die konnte ich auf 2 Jahre verkürzen – und trotzdem als Innungsbester abschließen. Das geschenkte Jahr verbrachte ich mit einer Fortbildung zum Computer-Grafiker, was mir im Anschluß meinen ersten Job einbrachte, bei der Agentur Meier´s in Hannover. Nach einem guten halben Jahr zog es mich dann in die weite Welt, ich wollte in die Fotografen-Stadt Düsseldorf. Beinahe hätte sich der Plan nochmals geändert, als mir Frank Wartenberg eine Assistenzstelle in Hamburg anbot. Ich blieb aber am Rhein, wo ich als freier Assi bei verschiedenen Fotografen arbeitete und nebenher eigene Jobs produzierte. Später folgten dann meine Jahre in der Schweiz, wo ich faszinierende Erfahrungen mit Fotos während Operationen machte, viele Imagefotos produzierte und zugleich sehr oft Layouts entwarf. Seit meiner Rückkehr nach Deutschland 2007 arbeite ich wieder als selbstständiger Fotograf, zuerst in Hannover, dann in Essen und jetzt in Bergisch Gladbach.

Als Illustration für diesen Beitrag habe ich zwei alte Fotos gescannt, die ich während meiner Ausbildung produziert habe – der „Auftrag“ bestand in Imageaufnahmen eines „Firmenseniors“ in seinem Arbeitsumfeld. Realisiert auf Ilford Delta 100 mit der Nikon F90x und einem Nikkor 2,5/105mm – meine ersten Unternehmensfotos 😉