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Ein seltenes Fachgebiet: Medizinfotografie

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Medizinfotografie im Operations-Saal © Till Erdmenger – Businessfotos

Wenn ich erzähle, dass ich mich mit meiner Unternehmensfotografie vor allem an Kliniken und Ärzte bzw. Zahnärzte wende, meine ich damit heute vor allem Imagefotos – Bilder, die einen werblichen Charakter haben. Ich habe eine Zeit lang aber auch faszinierende Erfahrungen im Bereich der (wissenschaftlichen) Medizinfotografie gesammelt, die mir heute noch zugute kommen. Damit meine ich Fotos, die live während echter Operationen entstanden. Keine leichten Arbeitsbedingungen: Eingepackt in einen OP-Kittel, penibler Abstand von allen sterilen Bereichen, teilweise extreme Nahaufnahmen vom blutigen Operationsfeld, von der Leiter aus über die Schulter des Chirurgen fotografieren – direkt unterhalb der extrem heißen OP-Lampen. Meine Affinität zur Businessfotografie für Kliniken, Arztpraxen und Krankenhäuser liegt in diesen Erfahrungen begründet – und ich fotografiere noch heute gerne „minimal-invasiv“. Die Seite Fstoppers hat aktuell übrigens einen interessanten Artikel über den Medizinfotografen Eneil Simpson veröffentlicht und inspirierte mich zu diesem Artikel 😉

Schmöker-Tipp: Die surrealen, gemäldeartigen Fotos des Gregory Crewdson

Die melancholischen, traurig-realen Vorstadt-Gemälde von Edward Hopper sind mir seit frühester Kindheit vertraut und ich mag sie sehr. Vermutlich deshalb gefallen mir die Fotografien von Gregory Crewdson so gut – diesen kannte ich bis vor Kurzem noch nicht. Wer grade nichts anderes zu tun hat, kann ein bisschen Schmökern und nach den diversen Fundstellen zu diesem amerikanischen Fotografen suchen … viel Spaß!

Das oben gezeigte Foto stammt im übrigen von mir, ich habe es einst in den USA auf Dia-Film belichtet.

Die Foto-Trends 2017

Zum wiederholten Mal spürt Getty Images den aktuellen Bildertrends nach und prognostiziert, was uns im kommenden Jahr inhaltlich und ästhetisch in der Bildsprache erwarten wird. Von Virtualität ist da zu lesen, die in der Normalität ankommt, von ungefilterten, authentischen Reportagen, die Unternehmen für ihr Storytelling einsetzen wollen, und auch von der Globalität im Sinne des nachbarschaftlichen Alltags. Spannende Themen, die nun aufgegriffen werden müssen. Auch an anderer Stelle entdeckt man Voraussagungen zu den visuellen Trends des kommenden Jahres – auch hier steht Authentizität an oberster Stelle. Das gefällt mir. Auch die Nennung von Themen aus der analogen Welt: Bücher, Pflanzen, analoge Fotografie, Alltag, die neben dem „Menschen und der Technik“ die fotografische Darstellung prägen werden. Ich finde es nebenbei sehr beruhigend, dass hier nicht mehr von technischen Spielereien und Eintagsfliegen die Rede ist, die in früheren Jahren als Trends gehyped wurden. Copter-Fotos oder Instagram-Filter sind modische Merkmale von Fotos, machen aus meiner Sicht aber keine fundierte Aussage über die Themen, die gezeigt werden und berühren sollen.

Die einflußreichsten Bilder der Welt

Die Times hat jetzt eine Website veröffentlicht, auf der sie die vermeintlich einflußreichsten Fotos der Welt versammelt. Schauen Sie am besten selbst mal nach – Sie werden wahrscheinlich die Mehrzahl dieser Fotos bereits gesehen haben.

Vor fast 10 Jahren habe ich an dieser Stelle bereits einen kurzen Beitrag zur Frage veröffentlicht, wie und warum ein Foto die Welt ändern kann, wenig später folgte noch ein weiterer Beitrag, der darauf schloß, dass wahre Ikonen nicht mal eine Unterzeile brauchen.

Analoge Gedankenwelt

Seit einiger Zeit beschäftige ich mich wieder intensiv mit der analogen Fotografie – und lese natürlich gern darüber. Die Zeitschrift „PhotoKlassik“ zum Beispiel. Oder Seiten wie „Absolut Analog“ oder „APHOG“. Jetzt den Beitrag „Why shoot Film“, der auf der Seite eines amerikanischen Fotolabors veröffentlicht wurde. Die Autorin Hannah Lush schreibt:

When you shoot film and it turns out, you did something to make that happen. You turned a dial and guessed at light, and pulled a trigger and it worked. Why every Harry Potter fan doesn’t shoot film, I don’t know. It’s a small act of wizardry in itself—a sort of tangible magic.

And it’s not perfect. I think that’s the most captivating thing about it.

Und das verwirrt mich. Nein, es macht mir etwas klar: Sie betrachtet die Analogfotografie von einer komplett anderen Seite als ich. Sie ist sicher 20 Jahre jünger und sehr wahrscheinlich ohne Berührungspunkte mit der analogen Fototechnik aufgewachsen. Für sie ist, wie für ihre Generation, das Smartphone die „normale“ Kamera. Fotomassen, die mit einem Alltagsgegenstand entstanden und innerhalb von Sekunden millionenfach geteilt in die Welt strömen. Aus dieser Perspektive wundert mich die übliche Geringschätzung fotografischer Arbeit heutzutage nicht mehr. Ich möchte erwidern: Die analoge Kamera ist kein Mysterium, sondern ein hochtechnisches Präzisionswerkzeug. Wer sich damit befasst, weiß genau was er da tut, wenn er auf den Auslöser drückt. Kein Ratespiel oder Zauberei entsteht da; wohl aber kann die Fotografie einen verzaubern. Sie sei nicht „perfekt“? Doch, ganz sicher! Wer fotografieren gelernt hat, kann perfekte Fotos auf Film belichten. Diese Perfektion ist nur nicht so bequem vom Sessel aus zu erreichen. Es ist falsch, wenn man auf Analogfotos wie auf eine schrullige alte Tante herabblickt, wir ergötzen uns nur momentan noch an der Omnipräsenz inhaltsloser Pixelflächen. Ich merke schon, wie altmodisch ich jetzt klinge. Werde halt alt …

Perspektivwechsel: Frauen und die Fotografie

Fotografieren Frauen anders als Männer, fragt die Foto-Plattform ProPhoto Online – und kommt schnell zu dem Resümee: Es gibt keine sichtbaren Unterschiede im Duktus, bei der Technik oder den bevorzugten Motiven. Stereotyp mag man vermuten, Männer würden sich mehr für Technik interessieren und Frauen eher die unverstellte Persönlichkeit einfangen können. Doch Technik und Empathie sind nicht gender-spezifische, sondern individuelle Eigenschaften bzw. Befähigungen. Es scheint auch nicht determinierte Motive für Frauen respektive Männer zu geben, denn Frauen fotografieren genauso Krieg (Margaret Bourke-White, Gerda Taro, Anja Niedringhaus), wie Männer Hochzeiten oder Kinder ablichten.

Zu einem ganz anderen Schluss hingegen kommt der Kunsthistoriker Boris Friedewald, der vergangenes Jahr ein Buch über die „Meisterinnen des Lichts“ herbrachte und feststellt: „Es sind Frauen, die mit ihren Blicken und Werken Menschen verstören, provozieren, berühren und begeistern. Dafür sind sie berühmt.“ Inwieweit dies mit ihrer Eigenschaft des Frau-Seins zu tun hat, bringt der Artikel im Art-Kunstmagazin in seiner Knappheit freilich nicht ans Licht. Vielleicht führte dabei ein wenig auch die (gute) Idee dieses Bildbandes die Hand…

Verehrte Leser: Was meinen Sie zu diesem Thema? Erkennen Sie einen Unterschied zwischen weiblichen und männlichen Fotografen? Wer wäre Ihnen, für den Bereich der Unternehmensfotografie, lieber? Und warum? Diskutieren Sie mit!

Ausstellungstipp: Terror Incognitus

Mit der Ausstellung „TERROR INCOGNITUS“ präsentiert ZEPHYR – Raum für Fotografie der Reiss-Engelhorn-Museen ab 31. Januar 2016 Arbeiten des Briten Edmund Clark. Der preisgekrönte Fotograf Edmund Clark zeigt, welche Folgen der Kampf gegen den Terrorismus seit 9/11 hat. In präzisen und atmosphärischen Bildern deckt er verborgene Machtsysteme auf.

Clark war der erste Fotograf, der im Gefangenenlager von Guantanamo fotografierte. Er berichtete von der Existenz der sogenannten „Control Order Houses“ im Vereinigten Königreich und zuletzt unter dem Titel „Mountains of Majeed“ aus der Welt der Militärcamps in Afghanistan. Diese Serien werden in Mannheim teils vollständig, teils partiell gezeigt.

Erstmals zu sehen ist Edmund Clarks neueste Arbeit. Sie behandelt ein düsteres Kapitel der jüngsten Vergangenheit. Mit „Negative Publicity: Artefacts of Extraordinary Rendition“ untersucht Clark das System der illegalen Entführung von Individuen, die unter vermeintlichem Terrorverdacht stehen, durch den US-Amerikanischen Geheimdienst und ihre Verbringung in sogenannte „Black Sites“. Diese bis Mitte der 2000er Jahre geheimen und illegalen Foltercamps befanden sich in Rumänien, Litauen, Syrien, Libyen oder Guantanamo. Die zentrale Verteilstation für die notwendigen Flüge war Frankfurt am Main. Aus Dokumenten, Gerichtsprotokollen und Fotografien webt Clark ein komplexes Netz von Informationen, das die Dimensionen des Systems und seine Folgen deutlich macht.

31.01.2016 – 29.05.2016
Edmund Clark: TERROR INCOGNITUS
ZEPHYR – Raum für Fotografie, Museum Bassermannhaus C4, 9

Beitragsbild: Aus der Serie “The Mountains of Majeed” Bagram Airbase, Afghanistan, Digitaler C-Print © Edmund Clark. Mit freundlicher Genehmigung der Reiss-Enkelhorn-Museen.