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Kleine Erinnerung: Namensnennung ist Urheberrecht, nicht Werbung!

Aus leider mal wieder gegebenem Anlass eine kleine Erinnerung an alle Geschäftspartner, Kollegen und Leser: Die Nennung des Fotografen bei – lizenzierter – Veröffentlichung professionell angefertigter Fotos ist kein frommer Wunsch des Fotografen und keine freiwillige Werbung des Bild-Nutzers, der sich damit von der Verpflichtung zur Zahlung einer angemessenen Vergütung freikauft. Sondern geltendes Recht – Urheberpersönlichkeitsrecht. Übrigens in vom Fotografen frei gewählter Form, beispielsweise als Internetadresse. Lesen Sie es bitte nach, wenn Sie es nicht glauben wollen. Der bundesdeutsche Justizminister Maas hat kürzlich – wenn auch in anderem Zusammenhang – daran erinnert, dass die Forderung, sich an Recht und Gesetze zu halten, keine Zensur darstelle. Das finde ich ermutigend: Nicht, wer auf (s)ein Recht pocht, sollte schief angesehen werden, sondern derjenige, der sich selbstgerecht das Überschreiten von Regeln und Gesetzen anmaßt.

Tun Sie mir den Gefallen und sparen Sie sich zukünftig die Zeit für Zeilen wie diese: „[…] Deshalb auch das Angebot, dass wir die Quelle mit Kontaktdaten veroeffentlichen und somit fuer Sie werben.“ Geht gar nicht.

Schadensersatz: Fair bleiben!

Über Gerichte und Urteile kann man manchmal nur den Kopf schütteln. Ich will hier nicht in die schmuddelige Edathy-Schublade greifen, auch in anderen Fällen gibt es ähnlich unbegreifliche Urteile zu bestaunen. Kürzlich wurden zwei Musiker zur Zahlung von über 7 Millionen Dollar verurteilt, weil Ihr Song zu sehr von einem anderen „inspiriert“ war. Jetzt lese ich von einem Fotografen, dessen Foto über Jahre von einem Verlag in verschiedenen Büchern und auf mehreren Internetseiten missbräuchlich verwendet wurde. In Deutschland. In Österreich. Und in der Schweiz. Ein deutsches Gericht hat dem polnischen Fotografen Schadensersatz in Höhe von 5.580 € zugesprochen. Die vom Fotografen üblicherweise veranschlagten Honorare hätten zu Lizenzkosten i.H.v. gut 16.000 € geführt – das wurde aber vom Gericht nicht anerkannt. Nicht so sehr der Punkt, ob die Herkunft des Fotografen eine Rolle gespielt hat, interessiert hier. Vielmehr frage ich mich, wie ein Gericht die üblicherweise verwendeten Honorare eines Freiberuflers missachten (die sicherlich mithilfe anderer Rechnung hätten belegt werden können) und weit niedrigere Vergütungen nach eigenem Ermessen ansetzen kann. Und noch mehr frage ich mich, inwieweit dieses Urteil Signalwirkung für andere Foto-Missbraucher hat: „Sind mir die Kosten des Fotografen zu teuer, verwende ich die Fotos einfach ohne Lizenz. Mit etwas Glück zahle ich nichts, und wenn man mich erwischt, regelt das Gericht den Preis herunter.“ Pardon – um Straftaten (nichts anderes ist die Verletzung von Urheberrechten) zu verhindern, muss doch eine Strafe härter treffen, als den legalen Weg zu beschreiten, oder sehe ich das falsch? Was meinen Sie dazu? Ich bin gespannt auf die Interpretation meiner Leser!

Recht: Stillschweigendes Einverständnis vs. Lizenz

Es mag kleinkariert und penibel klingen, aber: Je genauer die vereinbarten und bezahlten Nutzungsrechte zwischen Fotograf und Kunde geklärt sind, desto weniger Grund für Streit besteht. Im Fall eines Pressefotografen, dessen Bilder die Zeitung nicht nur in ihrer Printausgabe, sondern auch Online verwendete, kann dieses Vorgehen nicht eindeutig nachvollzogen werden. Das OLG Zweibrücken befand, der Fotograf habe sein stillschweigendes Einverständnis gegeben, weil er dieser branchenüblichen Zweitnutzung weder widersprochen, noch ein separates Honorar gefordert habe. Vor dem Hintergrund der spärlichen Informationen zu diesem Fall kann schlecht eingeschätzt werden, ob der Fotograf ein explizites Nutzungsrecht für die Printausgabe schriftlich formuliert hatte (dann wäre die Lesart einer darüber hinausgehenden, stillschweigenden Zustimmung frech) oder nicht. Auch bleibt unbekannt, ob er von dieser zusätzlichen Nutzung wusste, oder erst später davon erfuhr. Selbst wenn das Urheberrecht grundsätzlich davon ausgeht, dass stillschweigend nur jene Nutzungsrechte übertragen werden, die der Erfüllung des Vertragszwecks dienen (siehe detaillierte Fallbeschreibung auf rechtambild.de), hat das OLG hier anders entschieden.

Zum Glück erkennt das Gericht, wie wenig ein Urhebernachweis im Bild zu suchen hat …

Wie sinnvoll ist ein Urheberhinweis im Foto? © Till Erdmenger

Wie sinnvoll ist ein Urheberhinweis im Foto? © Till Erdmenger

Im Rückgriff auf meinen Beitrag Gericht klärt: Sichtbarer Urheberhinweis ist nötig sei an dieser Stelle die aktuelle Rechtsprechung des Oberlandesgerichts Köln ergänzt: Die Möglichkeit, ein Bild losgelöst von der Website über seine ureigene URL anzuzeigen, ist eine technische Begleiterscheinung der Bild-Nutzung im Internet, keine abgabenpflichtige Zweitverwertung. Das ist nicht nur korrekt, es ist auch beruhigend, die manchmal abstrusen Auswüchse der Rechtsprechung zurecht zu stutzen.

Die Lizenz – Massanzug für Ihre Fotos

© Till Erdmenger – Businessfotos

© Till Erdmenger – Businessfotos

Ich verpacke heute den Holzhammer mit einem freundlichen Schleifchen: Bitte bezahlen Sie nur für genau die Nutzungsrechte, die Sie wirklich brauchen! Wer unbegrenzte Nutzungsrechte für Fotos erwirbt, die maximal 2 Monate lang auf der Website gezeigt werden, zahlt entweder blindlings zu viel oder ist an einen ahnungslosen Fotografen geraten, der von seiner Arbeit nicht leben muss. Liebe Leser, ich muss Sie immer wieder damit nerven, denn es ist essentiell wichtig, dass jeder Bildnutzer genau versteht, warum Fotos kosten, was sie kosten – und wie dieser Preis entsteht.

Warum kosten Fotos, was sie kosten? Der britische Fotograf Jonathan Bowcott hat zum Unterschied von Fotos aus dem Archiv und individuell produzierten Bildern einen guten Beitrag geschrieben: Günstige Bilder von der Microstock-Agentur sind kein Massanzug, sondern vielmehr Massenware. Das ist aber erst die halbe Miete.

Wie entsteht dieser Preis? Die Investition in professionelle Fotos besteht zum einen aus den Produktionskosten, die die Arbeitszeit, das Equipment und natürlich andere Kosten wie Versicherungen abbilden. Die Fotos „gehören“ Ihnen anschließend aber nicht – Sie können lediglich das Recht erwerben, diese zu benutzen. So sieht es das Urheberrecht vor. Dazu gibt es ganz einfache Vergleiche: Software für Ihr Unternehmen können Sie auch nicht einmalig kaufen, sondern erwerben Lizenzen pro Arbeitsplatz. Eine Musik-CD dürfen Sie privat beliebig oft hören, deshalb aber noch nicht zur Untermalung Ihres Firmenvideos nutzen. Ihr Lieblingsbuch können Sie verleihen, dürfen den Text aber nicht in Ihrer Imagebroschüre abdrucken. Möchten Sie urheberrechtlich geschütztes Material kommerziell nutzen, benötigen Sie Nutzungsrechte. Und die sollten auf Ihre Bedürfnisse zugeschnitten sein. Wenn Sie später dennoch weitere Nutzungsarten planen, können Sie einfach eine zusätzliche Lizenz erwerben. Auch die American Society of Media Photographers hat dazu einen interessanten Artikel veröffentlicht. Danke fürs zuhören 😉

Wie teuer die unlizenzierte Nutzung von Fotos werden kann

Auch wenn Sie dieses Portraitfoto toll finden, sollten Sie es ohne Lizenz nicht für eigene Zwecke nutzen – es könnte teuer werden! © Till Erdmenger – Businessfotos

Auch wenn Sie dieses Portraitfoto toll finden, sollten Sie es ohne Lizenz nicht für eigene Zwecke nutzen – es könnte teuer werden! © Till Erdmenger – Businessfotos

Wir alle erleben es täglich im Straßenverkehr: Regeln, die man nicht versteht, werden oft missachtet. Dabei kommen wir um die Auseinandersetzung mit Regelwerken und juristischen Sachverhalten nicht umhin: Auch wer seine Steuererklärung nicht versteht, muss sie abgeben. Gemessen an baustellenfreien 80er-Zonen auf der Autobahn oder dem Steuerrecht ist das Urheberrecht und die damit verbundene Vergabe von Nutzungsrechten gar nicht so kompliziert. Der Urheber erteilt einem Nutzer eine Lizenz für eine genau definierte Nutzung. Für diese Lizenz zahlt der Nutzer eine Summe X. Möchte er das Produkt für etwas anderes nutzen, braucht er eine neue/erweiterte/zusätzliche Lizenz. Und bezahlt entsprechend der gesteigerten Wertschöpfung eine zusätzliche Summe Y. Ich habe auf meinem Blog schon etliche Male Vergleiche gezogen, die ich hier nicht wiederholen muss. Anhand eines relativ aktuellen Gerichtsurteils möchte ich Ihnen aber einmal klarmachen, welche Konsequenzen sich aus der nicht-lizenzierten Nutzung von Fotos ergeben können.

Im verhandelten Fall waren von Anbieter A insgesamt 44 Produktfotos des Anbieters B für eigene Werbezwecke eingesetzt worden. Anbieter B klagte daraufhin unter anderem auf Schadenersatz durch die unberechtigte Nutzung der Fotos. Das OLG Hamm  (OLG Hamm, Urteil vom 13. Februar 2014, Az.: 22 U 98/13) bestätigte in zweiter Instanz, das Lizenzkosten mit einem Aufschlag von 100% als Schadensersatz zu zahlen seien. Es revidierte dabei allerdings die Annahme des Landesgerichts, die Lizenzkosten seien auf Basis der Empfehlungen der Mittelstandsgemeinschaft Foto-Marketing (MFM) zu kalkulieren. Durch einen Sachverständigen war bestätigt worden, dass die Fotos, die nicht von einem Berufsfotografen gemacht worden waren, keine professionelle Qualität aufwiesen. Es sei daher ein niedrigerer Maßstab für die Berechnung der Lizenzgebühr anzulegen. Im Urteil wurde das beklagte Unternehmen zur Zahlung von Schadensersatz bzw. Lizenzkosten in Höhe von 5.268,97 € verurteilt. Zum Urteil finden Sie auch einen detaillierten Artikel auf rechtambild.de.

Sie können daraus einige Schlussfolgerungen ziehen: Die Rechtsprechung zieht eine klare Grenze zwischen Amateur-Bildern und Profi-Fotos. Ebenso sieht es das Gericht als selbstverständlich an, dass für die Nutzung von Fotos eine Lizenz bezahlt werden muss (dies ist im übrigen im Urheberrecht verankert). Zudem wird klar, welchen Vorteil Kunden durch die präzise Formulierung der eingeräumten Nutzungsrechte erlangen: Sie können jederzeit die rechtmäßige Nutzung beweisen. Darüber hinaus können sie rechtliche Konsequenzen gegen Wettbewerber einleiten, falls diese dieselben Fotos unlizenziert benutzen. Und die unberechtigte Nutzung wird durch den richterlich festgesetzten 100%-Aufschlag sowie die Gerichtskosten deutlich teurer, als wenn im Vorfeld eine ordentliche Lizenz erworben worden wäre. Abschließend kurz zur Klärung: Jegliche Lizenzgebühr wird immer zusätzlich zu einem Produktionshonorar berechnet.

Der Getty-Deal

Zukünftiges Getty-Geschäft: Freie Bildlizenz gegen Werbung und Datenklau?

Zukünftiges Getty-Geschäft: Freie Bildlizenz gegen Werbung und Datenklau?

Das war heute die Nachricht des Tages: Getty Images gibt mindestens 12 Millionen professionelle Fotos frei – per sogenanntem „Embed-Code“ können diese Bilder fortan weltweit kostenfrei auf anderen Websites benutzt werden. Gut, es gibt ein paar Einschränkungen, denn heute ist nicht Weihnachten. Die Fotos dürfen nur dann kostenlos benutzt werden, wenn der Beitrag „redaktionell“ ist. Würde ich hier ein solches Getty-Foto verwenden wollen, würde es mir möglicherweise nicht gelingen, dies als nicht-kommerzielle Nutzung darzustellen. Zudem darf nur ein auf das Bild verweisender Code auf der eigenen Seite eingesetzt werden, das Foto wird nicht heruntergeladen – sondern vom Getty-Server aus gangezeigt. Was genau dieser Code alles enthält, muss erst einmal von versierten Programmier-Spezialisten untersucht werden. Getty behält sich ausdrücklich vor, darüber Nutzerdaten zu erheben oder statt des verlinkten Fotos Werbung zu zeigen. Was dieser Code noch alles kann, darüber darf in Zeiten der digitalen Totalüberwachung spekuliert werden. Es dürfte interessant werden, wie glücklich Plattformen wie WordPress, Facebook und Co. darüber sind, wenn solcher Code auf Ihren Seiten eingesetzt wird.

Trotz der unzähligen Beiträge über diesen Coup der Bilddatenbank, die sich heute im Netz finden (z.B. bei DigitalWeek, Heise oder der Süddeutschen), habe ich keinen einzigen Hinweis darauf gefunden, wie die Fotografen für diese neue Nutzung bezahlt werden oder wie sie darüber denken. Immerhin kann Getty kaum alleine darüber entscheiden, Nutzungslizenzen zu verschenken, ohne die Urheber dafür zu entschädigen. Folgende Szenarios sind denkbar: Getty hat seine Bildlieferanten erpresst – wer nicht mitzieht, erhält zukünftig geringere Anteile an verkauften Bildern oder dessen Vertrag wird komplett gelöst. Oder Getty bezahlt den Fotografen für kostenfrei genutzte Bilder auf Basis von Werbeeinnahmen, die der eingebettete Code auf fremden Websites generiert. Ich bin sehr gespannt darauf, zu erfahren, wie es gelaufen ist. Und ich rechne fest damit, in den nächsten Tagen von den ersten Getty-Fotografen näheres zu erfahren.