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Kleine Erinnerung: Namensnennung ist Urheberrecht, nicht Werbung!

Aus leider mal wieder gegebenem Anlass eine kleine Erinnerung an alle Geschäftspartner, Kollegen und Leser: Die Nennung des Fotografen bei – lizenzierter – Veröffentlichung professionell angefertigter Fotos ist kein frommer Wunsch des Fotografen und keine freiwillige Werbung des Bild-Nutzers, der sich damit von der Verpflichtung zur Zahlung einer angemessenen Vergütung freikauft. Sondern geltendes Recht – Urheberpersönlichkeitsrecht. Übrigens in vom Fotografen frei gewählter Form, beispielsweise als Internetadresse. Lesen Sie es bitte nach, wenn Sie es nicht glauben wollen. Der bundesdeutsche Justizminister Maas hat kürzlich – wenn auch in anderem Zusammenhang – daran erinnert, dass die Forderung, sich an Recht und Gesetze zu halten, keine Zensur darstelle. Das finde ich ermutigend: Nicht, wer auf (s)ein Recht pocht, sollte schief angesehen werden, sondern derjenige, der sich selbstgerecht das Überschreiten von Regeln und Gesetzen anmaßt.

Tun Sie mir den Gefallen und sparen Sie sich zukünftig die Zeit für Zeilen wie diese: „[…] Deshalb auch das Angebot, dass wir die Quelle mit Kontaktdaten veroeffentlichen und somit fuer Sie werben.“ Geht gar nicht.

Clash of Rechtsverständnis: Befassen Sie sich mit den Vorteilen, die Ihnen Nutzungsrechte bringen!

Ich sehe mich immer wieder damit konfrontiert, dass potentielle Kunden keinerlei Erfahrung mit dem Thema Nutzungsrecht haben. Solange dies nicht mit einem Widerwillen gegen das Kennenlernen von Neuem einhergeht, lässt sich über die Vorteile perfekt zugeschnittener Nutzungsrechte sehr nett plaudern. Manchmal herrscht zu meinem Bedauern aber auch ein realitätsfernes Rechtsverständnis in den Marketingabteilungen vor, wie sich aus diesem Zitat ablesen lässt: „[…] aber wir lassen uns nicht auf unsere eigenen Fotos Lizenzgebühren aufschlagen und auch noch zeitlich begrenzen.“ Bei allem Respekt – Sie als Kunde können niemals „Eigentum“ an meinen Fotos erwerben. Ich kann nur empfehlen, sich einmal mit dem deutschen Urheberrechtsgesetz auseinanderzusetzen. Ein Auftraggeber erwirbt gegen Zahlung einer Lizenzgebühr die nötigen Rechte zur Nutzung der Fotos. Er „leiht“ sie, wenn man so will.

Es scheint eine weit verbreitete (allerdings nicht zutreffende) Ansicht zu sein, mit dem Bezahlen des Honorars ginge das Eigentum an Fotos auf den Auftraggeber über. Das Honorar dient jedoch lediglich der Herstellung der Fotos. Anders als bei handwerklichen Leistungen, sagen wir der Herstellung eines Küchentischs, geht anschließend jedoch nicht das Eigentum an den Fotos auf den Auftraggeber über. Hierin unterscheidet sich der Künstler vom Klempner. Sein Werk ist urheberrechtlich geschützt.

Das Urheberrecht ist unveräußerlich. Es sieht beispielsweise vor, dass der Urheber das ausschließliche Recht zur Verwertung besitzt. Will er einem Kunden die (kommerzielle) Nutzung seiner Fotos ermöglichen, muss er zwangsläufig diesem Kunden ein spezifisches Nutzungsrecht einräumen. In aller Regel geht man davon aus, dass dies gegen Bezahlung geschieht. Ich warne vor der Vorstellung, man würde Fotos vollumfänglich und mit allen Freiheiten zur Verwertung erwerben, nur weil ein naiver Fotograf keine Lizenzgebühr fordert oder nichts von Nutzungsrechten in sein Angebot schreibt. Damit kann der Kunde gewaltig auf die Nase fallen. Bittere Rechtsstreitigkeiten sind häufig die Folge, und genau davor möchte ich Sie mit der penetranten Wiederholung von Artikeln über Nutzungsrechte bewahren. Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Unter den Stichworten „Nutzungsrecht“ und „Lizenz“ finden Sie auf diesem Blog jede Menge Lesematerial für die stillen Tage zwischen den Jahren!

Neues, vereinfachtes Lizenzmodell

Nachdem ich gestern schonungslos über die unbarmherzigen Verschlimmerungen meiner AGB berichtet habe, gibt es heute auch gute Nachrichten: Ich werde Sie auch in Zukunft mit Nutzungsrechten und Lizenzen konfrontieren! Zu Ihrem Besten! Und ab jetzt noch einfacher und transparenter!

Der Reihe nach: Ich habe mir das „Rights Simplified“ Modell meiner Bildagentur Plainpicture als Vorbild genommen. Dieses vernachlässigt den Faktor „Nutzungsart“ und orientiert sich lediglich am Verbreitungsgebiet und der Nutzungsdauer. Ich habe lange darüber nachgedacht – und glaube, dieses Modell ist deshalb zeitgemäß, weil wir heute völlig selbstverständlich die unterschiedlichsten Marketingkanäle bespielen. Ich habe Verständnis dafür, dass der ein oder andere Kunde Angst verspürt, damit unwissentlich gegen vereinbarte Nutzungsrechte zu verstoßen. Wer deshalb nicht gleich die vollen, unbegrenzten Rechte kaufen möchte, hat nun zumindest die Gewissheit, sich lediglich einen Kalendereintrag machen zu müssen zur Erinnerung, wann die Rechte auslaufen. Dieses Modell habe ich adaptiert und berechne die Nutzungsgebühr in Zukunft ebenso.

Darüber hinaus habe ich mir noch etwas besonderes ausgedacht, die Lizenz-Flatrate. Ich habe in den vergangenen Monaten viel mit Freunden, Geschäftspartnern und anderen Fotografen darüber gesprochen und betrachte es als „Testballon“. Wer die Lizenzkosten möglichst gering halten, die Fotos aber dennoch über einen längeren Zeitraum nutzen möchte, dem biete ich quasi eine Ratenzahlung an. Vereinbart wird also die entsprechende Gebühr für die Nutzung bis zu 1 Jahr, und diese Gebühr wird in Monatsraten bezahlt (das Honorar wird unabhängig davon weiterhin mit Rechnungsstellung fällig). Die Flatrate wird für 1 Jahr abgeschlossen und verlängert sich, wie jedes gute Abo, automatisch für ein weiteres Jahr, wenn sie nicht gekündigt wird. Möchten Sie also meine Fotos nach einem Jahr weiter nutzen, brauchen Sie nichts weiter zu tun, als fortlaufend die vereinbarten Lizenz-Raten zu zahlen. Dies hat den einfachen Effekt, dass Sie mit dem bewußten Beenden des Abos sich eben auch bewußt werden, die Fotos danach nicht mehr nutzen zu dürfen. Einleuchtend? Ich bin gespannt auf Ihre Meinung – schreiben Sie mir doch einfach dazu!

Fotografen-Tipp: Werden meine Preise zu hoch, wenn ich Lizenzen dazurechne?

Heute früh erreichte mich eine freundliche E-Mail eines Kollegen, der sich Gedanken darüber macht, inwieweit er seinen Kunden dedizierte Nutzungsrechte verkaufen könne. Völlig zu Recht stellt er sich (und mir) die Frage, ob die Kosten für seine Kunden nicht zu hoch würden, wenn er nun auch noch Lizenzen zu seinem Honorar dazurechnen würde.

Lieber Foto-Kollege, bitte erlaube mir, hier öffentlich auf Deine E-Mail zu antworten. Denn ich glaube, dass dies ein wichtiges Thema ist, das auch andere Fotografen beschäftigt. Zunächst möchte ich eine kleine Rechnung aufstellen: Wenn Du für die Eventfotografie eine Tagespauschale von 1300,- € berechnest (wie Du schreibst), impliziert das: Andere Aufträge berechnest Du möglicherweise mit anderen Tagessätzen. Warum? Könnte es sein, dass Dir Dein Bauchgefühl sagt, Kunden könnten mit Deinen Businessportraits oder Produktfotos vielleicht mehr Profit erzielen, als mit Eventfotos? Dies liesse sich nämlich mittels Nutzungsrechten sehr schön abbilden, ohne dass Du dafür unterschiedliche Tagessätze bräuchtest.

Ich entnehme Deiner E-Mail, dass Du Sorge hast, Deine Kunden könnten vor den Kosten zurückschrecken, wenn Du nun auch noch Lizenzen berechnetest. Ich könnte mir vorstellen, dass dieses Gefühl auch viele andere Kollegen umtreibt, so wie ich mich daran erinnern kann, dass ich mir selbst dazu ebenfalls den Kopf zerbrochen habe. Die Antwort ist ganz einfach: Passe Deinen Tagessatz an! Wenn Du bisher für 1300,- € gearbeitet hast, aber keine Nutzungsrechte erteilt oder ausgeschlossen hast, entspricht das dem vielfach so gern gesehenen „Buy out“. Deine Kunden haben also für 1300,- € alle Nutzungsrechte vollumfänglich und unbegrenzt übertragen bekommen. Mit einem Lizenzmodell würde ein solches „Buy out“ vermutlich mindestens 100% Aufschlag zum Honorar bedeuten. Mit anderen Worten: Du hast bisher also für 650,- € Tagesgage gearbeitet und Deinen Kunden wahrscheinlich vielfach unnötige Nutzungsrechte verkauft (dafür aber wenigstens vernünftig verdient).

Selbstverständlich solltest Du Deinen Kunden für die vollen Nutzungsrechte zukünftig nicht plötzlich das Doppelte des bisher üblichen berechnen – dafür hätten sicherlich die wenigsten Verständnis. Ich würde Dir folgendes raten: Überlege, welcher Tagessatz als „nackter Preis“ ohne Lizenz für Dich angemessen erscheint. Sagen wir 1000,- €. Wenn Du Dich an den Nutzungsfaktoren des AGD orientierst (so wie ich es tue), würde eine mittellange, aber intensive Nutzung (sprich: In mehreren Medien oder Publikationen) bei beschränkter geografischer Reichweite grob gesagt zu  Mehrkosten von ca. 75% führen. Du würdest dann in Zukunft für 1750,- € statt 1300,- € am Tag arbeiten und hättest Deinem Kunden dennoch relativ umfangreiche, jedoch von Dir genau umrissene Nutzungsrechte eingeräumt. Erscheint Dir das zu hoch? Dann drehe den Tagessatz noch etwas herunter. Bedenke aber: Wenn Du mit Lizenzen arbeitest, wirst Du oft genug aus Kostengründen eben nicht das volle „Buy out“ berechnen können. Deine Kunden werden auf gewisse Rechte verzichten, um die Kosten überschaubar zu halten. Im unglücklichsten Fall wird das dazu führen, dass du für Deine Eventfotos vielleicht sogar etwas weniger bekommst, als bisher. Eventfotos werden möglicherweise nur im Intranet eines Unternehmens gezeigt, haben somit eine geringe Nutzungsintensität und Reichweite, und werden darüber hinaus sicherlich nicht länger als einige Wochen lang gezeigt. Nach den AGD-Faktoren würde das einem Aufpreis von 30% auf das Honorar entsprechen. Hättest Du jetzt Deinen Tagessatz auf 1000,- € gesenkt, kämest Du sogar wieder auf die 1300,- € vom Anfang. Voila! Wenn das oben genannte Beispiel zu einem Entschluss geführt hätte, den Tagessatz noch unter 1000,- € zu senken, dann würdest Du Deine Eventfotos zukünftig allerdings günstiger verkaufen als bisher. Diese Überlegungen kann ich Dir natürlich nicht abnehmen.

Um Dir (und Euch anderen Fotografen, die ab jetzt richtige Nutzungsrechte vergeben wollt) ganz konkrete Zahlen an die Hand zu geben: Ich nutze die Faktoren Ort, Zeit und Intensität. Die AGD sieht auch die Exklusivität („Nutzungsumfang“ nennen die es) als weiteren Faktor vor. Für meinen Bereich der Unternehmensfotografie kann ich den allerdings nicht wirklich sinnvoll einsetzen: Ein Businessfoto des Firmengebäudes von Firma X kann ich schlecht an Firma Y lizenzieren (selbst wenn ich die Rechte dazu hätte), denn dieses Foto wäre einfach nicht authentisch. Die genutzten Faktoren haben jeweils 3 abgestufte Werte für die Ausprägung gering, mittel und viel. Dabei führt in meiner Tabelle die jeweilige Ausprägung „gering“ aller drei Faktoren zu einem addierten Mehrwert von 30% (jeweils 10% also). Im weiteren Verlauf steigere ich den Faktor Zeit allerdings etwas geringer als die beiden anderen Faktoren. Entscheide ich, dass alle Faktoren „viel“ ausgeprägt sind, führt dies bei mir zu einem Lizenzpreis in Höhe von 120% des Honorars. Die genaue Berechnung ist natürlich Dir überlassen – und selbstverständlich kannst Du weitere Faktoren berücksichtigen. Ich empfehle allerdings, die Rechnung möglichst simpel und vor allem nachvollziehbar zu halten. Wenn Deine Kunden dadurch merken, dass Deine Preise gut durchdacht sind und nicht aus dem Bauch heraus kommuniziert sind, wird das ehrlicher wirken.

Ich hoffe, Dir damit ein wenig Verständnis für den Nutzen von Nutzungsrechten vermittelt zu haben – und wie man dieses Thema im Angebotsalltag einsetzen kann. Du wirst feststellen, dass das Kapitel Lizenz bei Kunden einen sehr hohen Erklärungsbedarf auslöst. Ich erinnere mich an einen guten Kunden aus Düsseldorf, mit dem ich nach Abgabe meines ersten Angebots bestimmt eine Stunde lang telefoniert habe und vermutete, den Auftrag nicht zu erhalten. Ich konnte meinen Kunden aber offensichtlich von den Vorteilen einer Lizenzierung überzeugen und fotografierte im Laufe des Jahres noch etliche weitere Aufträge für ihn. Ich wünsche Dir ebenfalls viel Erfolg mit der Vergabe von Nutzungsrechten. Auf meinem Blog habe ich schon etliche male über Nutzungsrechte geschrieben – schau doch mal in meine anderen Artikel rein 😉

 

Hilfe – der Fotograf will Geld!

Eigentlich sollte dieses Thema abgehakt, abgeheftet und weggeräumt sein. Jedem Unternehmer ist längst klar, dass Leistungen, die er einkauft, Geld kosten. Deshalb will ich hier auch nicht von vorne beginnen – da aber vor wenigen Tagen mein Kollege Michael Omori Kirchner einen interessanten Artikel über die Preisfindung veröffentlich hat und mich gestern zusätzlich die Frage nach meiner Preisgestaltung vonseiten der Kollegin Maira Falconi erreichte, habe ich mich entschlossen, hier nochmals aus Sicht des Kunden zu ergründen, wieso Fotos so viel kosten, wie sie kosten.

Entgegen der weit verbreiteten Meinung, gute Fotos mache doch die gute Kamera, muss ein Fotograf natürlich schon ein bisschen mitwirken bei der Motivgestaltung. Das setzt Talent, eine fundierte Ausbildung, die Auseinandersetzung mit Technik und ein konstantes Training des „Auges“ voraus (von den Investitionen in das Equipment, Versicherungen etc einmal abgesehen). Und natürlich ist es mit dem Druck auf den Auslöser nicht getan, denn vorher hat man akquiriert, Angebote geschrieben und verhandelt, man hat über die Wünsche und Anforderungen des Kunden diskutiert, während des Shootings freundlich Kontakte aufgebaut und spontane Lösungen gefunden und hinterher eine Flut von Fotos gesichtet, sortiert und bearbeitet. Selbstverständlich wird diese Arbeitszeit in Rechnung gestellt. Wie Michael vollkommen richtig schreibt: „Business-Shootings müssen teurer sein als Privatkunden-Shootings“ – denn der oben genannte Zeitaufwand ist in der Regel erheblich höher. Dazu kommt: Sie als Businesskunde verwenden meine Fotos anders als eine Privatperson es tut. Sie setzen Bilder als Werbung ein, um Ihr Unternehmen bekannt zu machen und damit letztlich Geld zu verdienen. Sie erzielen also einen wirtschaftlichen Mehrwert, an dem der Fotograf in geringem Umfang teilhaben möchte. Das ist nichts anderes als eine Dividendenzahlung an die Aktionäre.

Ein weiterer ganz wichtiger Punkt sind die Nutzungsrechte, die Sie für die rechtssichere Verwendung und Veröffentlichung von Fotos brauchen und für die Sie eine massgeschneiderte Lizenz erwerben. Angemessene Kosten hierfür kann man beispielsweise anhand einer Übersichtstabelle der „Mittelstandsgemeinschaft Foto-Marketing“ validieren. Alternativ orientiere ich mich am Vergütungstarifvertrag des „AGD“ und den prozentualen Aufschlägen für verschiedene Faktoren wie die räumliche Verbreitung der Veröffentlichung, Art und Umfang sowie zeitliche Dauer der Nutzung. Sowohl die MFM-Tabelle, als auch die Positionen des AGD sind Empfehlungen – so liegt es also im Ermessen des Anbieters, wie teuer er seine Fotos und Lizenzen anbietet. Beispielsweise komme ich bei geringer Verbreitung und geringem Umfang der Nutzung sowie zeitlich auf 1 Jahr begrenzter Veröffentlichung auf einen Aufpreis in Höhe von 30% auf das Honorar.

Die Kollegin Maira fragt, ob meine Kunden die hochauflösenden Daten der Fotos erhalten, oder ob ich diese separat in Rechnung stelle. Verehrte Kunden, selbstverständlich erhalten Sie die Daten in voller Auflösung (so, wie ich es auch bei meinen privaten Kunden halte). Denn für Ihr Wohnzimmer dürfen Sie sich gerne ein Poster auf Acryl vergrößern lassen. Die geschäftliche Nutzung regelt ja die Lizenz – hier setze ich mein Vertrauen in Sie, dass Sie sich an diese rechtlich bindenden Absprachen halten. Es kann Ausnahmen geben – so habe ich teilweise nur Fotos mit Wasserzeichen zur Ansicht herausgegeben oder der Bequemlichkeit halber lediglich kleingerechnete Dateien, wenn die Nutzung ausschließlich für die Website freigegeben wurde. Ich sehe den Faktor Dateigröße allerdings nicht als honorierbares Feature – der fotografische Aufwand und der künstlerische Wert eines Fotos steigt nicht mit der Anzahl von Megapixeln. Demgegenüber möchte ich klarstellen: Meine Kunden erhalten ausschließlich die von mir ausgewählten Fotos eines Shooting und diese auch nur in der von mir bearbeiteten Fassung. Als Künstler ist mir eine Fremd-Interpretation meiner RAW-Daten nicht genehm.

Fazit: Ein angemessenes Fotografen-Honorar setzt sich aus dem Zeitaufwand und der Lizenz zusammen. Grade diese sollte auf Ihre Bedürfnisse abgestimmt werden, um unnötige Kosten zu vermeiden.

© Till Erdmenger – Businessfotos

Urheberrecht – ein Generationenkonflikt?

Mit sicherlich guten Absichten ruft derzeit das fotoMagazin zu einer Diskussion über das Urheberrecht auf. Was sollte, was könnte geändert werden? Der einleitende Artikel verwirrt jedoch in mancher Hinsicht: So wird rund um den aktuellen Fall Böhmermann, der unerlaubt ein Profi-Foto in sozialen Netzwerken verbreitete, eine Situation konstruiert, die das Urheberrecht als Konflikt zwischen althergebrachten Gesetzen und der „Generation Internet“ darstellt. So einfach, glaube ich, darf man sich das aber nicht machen. Gesetze dürfen und müssen ihrer Zeit angepasst werden – das ist richtig. Dass Gesetze missachtet werden, kann aber nicht mit deren Alter oder Unzeitgemäßheit entschuldigt werden.

In den Kommentaren schreibt die Autorin des Artikels sinngemäß, dass es einer Person, die ein Foto „teilen“, d.h. weiterverbreiten, will, nicht zumutbar sei, den Urheber ausfindig zu machen und um Erlaubnis zu fragen. Das, mit Verlaub, muss ich entschieden zurückweisen! Kein Dünnbrettbohrer dieser Welt kann sich darauf berufen. Wenn es nicht möglich ist, den Urheber eines Werkes zu ermitteln, dann kann es auch keine von dessen Seite erteilten Nutzungsrechte an diesem Werk geben. Ich kremple das mal andersherum auf: Warum werden täglich millionenfach Fotos ohne die entsprechende Lizenz verwendet? Gestohlen? Weil es so einfach ist. Weil alle es machen. Weil niemand sich Gedanken darum macht, wessen „Eigentum“ das ist. Wieviele Becher Joghurt würden ohne Nutzungsgebühr verzehrt werden, wenn es genauso einfach wäre, sie mitzunehmen? Wer weiss. Der Unterschied liegt aber im Bewusstsein, was „stehlen“ und was „teilen“ ist. Es ist also wichtig, über das Urheberrecht zu sprechen und es darf natürlich darüber gestritten werden. So ist das nun mal üblich in unserer Kultur. Nur ignoriert werden darf es nicht.

© Till Erdmenger – Businessfotos

… und ewig lockt das Geld. Wie man von verschenkter Arbeit nicht leben kann.

Wer bezahlt Fotografen? Diese Frage stellt ein Tumblr-Blog und ruft Profis weltweit dazu auf, anonym über Kunden/Auftraggeber und deren Zahlungswilligkeit zu berichten. Im Grunde ein legitimer, basisdemokratischer Ansatz. Er hat allerdings einen immanenten Nachteil: Kein Profi wird hier über Kunden berichten, die außergewöhnlich hohe Preise bezahlen. Zu groß wäre die Verlockung für jeden anderen Fotografen, genau dort zu akquirieren. Man muss die Liste also als Pranger lesen, um einen Nutzen zu finden. Und es ist tatsächlich haarsträubend, was man allein unter den Einträgen zu deutschen Auftraggebern lesen muss: Eine Tageszeitung, die ein Foto mit 10,- € honoriert; ein bekanntes Magazin, das angeforderte Fotos ohne Zahlung eines Honorars oder einer Nennung des Urhebers abdruckt; eine Werbeagentur, die für Auftragsfotografie 100,- € als Tagessatz bezahlt. Aus diesem Blickwinkel betrachtet muss man jene „schwarze Liste“ zukünftig bei Anfragen eines neuen Kunden konsultieren, um adäquat anbieten zu können: Ist der Auftraggeber etwa bekannt dafür, unfaire Honorare zu zahlen?

Als Inspiration für angemessene Honorare sollte ein Profi-Fotograf andere Quellen heranziehen: Ein guter Ausgangspunkt ist die Seite Berufsfotografen.com, die auch einen Honorarrechner anbietet. Dieser hilft mühelos bei der Erkenntnis, wie wenig vom Geld übrigbleibt, wenn man erst einmal alle Ausgaben für Equipment, Auto, Versicherung und Rücklagen subtrahiert hat. Kurz gesagt: Von 100,- € Tagesgage kann man nicht leben. Ein nützliches Tool für unterwegs ist die App DesignFee, mit der man sehr schnell einen Anhaltspunkt für den Aufwand einer Produktion ermitteln kann. Einen eigenen Stundensatz kann man hinterlegen, um schnell eine „Hausnummer“ zurufen zu können (leider aber keine eigenen Faktoren für die Ermittlung der Lizenzgebühren). Und Michael O. Kirchner hat grade ein Video-Tutorial veröffentlicht, dass die Preisgestaltung für Fotografen zum Thema hat (ich kenne dies allerdings noch nicht).

Liebe Kollegen: Es gibt also Hilfe auf dem Weg zu nachhaltigen Honoraren! Es gibt viele Gründe, seine Arbeit wertzuschätzen statt sie zu verschenken! Und es gibt keinen Anlass, selbst an der Preisspirale kräftig mitzudrehen und einen Markt zu zerstören!