Hilfe – der Fotograf will Geld!

Eigentlich sollte dieses Thema abgehakt, abgeheftet und weggeräumt sein. Jedem Unternehmer ist längst klar, dass Leistungen, die er einkauft, Geld kosten. Deshalb will ich hier auch nicht von vorne beginnen – da aber vor wenigen Tagen mein Kollege Michael Omori Kirchner einen interessanten Artikel über die Preisfindung veröffentlich hat und mich gestern zusätzlich die Frage nach meiner Preisgestaltung vonseiten der Kollegin Maira Falconi erreichte, habe ich mich entschlossen, hier nochmals aus Sicht des Kunden zu ergründen, wieso Fotos so viel kosten, wie sie kosten.

Entgegen der weit verbreiteten Meinung, gute Fotos mache doch die gute Kamera, muss ein Fotograf natürlich schon ein bisschen mitwirken bei der Motivgestaltung. Das setzt Talent, eine fundierte Ausbildung, die Auseinandersetzung mit Technik und ein konstantes Training des „Auges“ voraus (von den Investitionen in das Equipment, Versicherungen etc einmal abgesehen). Und natürlich ist es mit dem Druck auf den Auslöser nicht getan, denn vorher hat man akquiriert, Angebote geschrieben und verhandelt, man hat über die Wünsche und Anforderungen des Kunden diskutiert, während des Shootings freundlich Kontakte aufgebaut und spontane Lösungen gefunden und hinterher eine Flut von Fotos gesichtet, sortiert und bearbeitet. Selbstverständlich wird diese Arbeitszeit in Rechnung gestellt. Wie Michael vollkommen richtig schreibt: „Business-Shootings müssen teurer sein als Privatkunden-Shootings“ – denn der oben genannte Zeitaufwand ist in der Regel erheblich höher. Dazu kommt: Sie als Businesskunde verwenden meine Fotos anders als eine Privatperson es tut. Sie setzen Bilder als Werbung ein, um Ihr Unternehmen bekannt zu machen und damit letztlich Geld zu verdienen. Sie erzielen also einen wirtschaftlichen Mehrwert, an dem der Fotograf in geringem Umfang teilhaben möchte. Das ist nichts anderes als eine Dividendenzahlung an die Aktionäre.

Ein weiterer ganz wichtiger Punkt sind die Nutzungsrechte, die Sie für die rechtssichere Verwendung und Veröffentlichung von Fotos brauchen und für die Sie eine massgeschneiderte Lizenz erwerben. Angemessene Kosten hierfür kann man beispielsweise anhand einer Übersichtstabelle der „Mittelstandsgemeinschaft Foto-Marketing“ validieren. Alternativ orientiere ich mich am Vergütungstarifvertrag des „AGD“ und den prozentualen Aufschlägen für verschiedene Faktoren wie die räumliche Verbreitung der Veröffentlichung, Art und Umfang sowie zeitliche Dauer der Nutzung. Sowohl die MFM-Tabelle, als auch die Positionen des AGD sind Empfehlungen – so liegt es also im Ermessen des Anbieters, wie teuer er seine Fotos und Lizenzen anbietet. Beispielsweise komme ich bei geringer Verbreitung und geringem Umfang der Nutzung sowie zeitlich auf 1 Jahr begrenzter Veröffentlichung auf einen Aufpreis in Höhe von 30% auf das Honorar.

Die Kollegin Maira fragt, ob meine Kunden die hochauflösenden Daten der Fotos erhalten, oder ob ich diese separat in Rechnung stelle. Verehrte Kunden, selbstverständlich erhalten Sie die Daten in voller Auflösung (so, wie ich es auch bei meinen privaten Kunden halte). Denn für Ihr Wohnzimmer dürfen Sie sich gerne ein Poster auf Acryl vergrößern lassen. Die geschäftliche Nutzung regelt ja die Lizenz – hier setze ich mein Vertrauen in Sie, dass Sie sich an diese rechtlich bindenden Absprachen halten. Es kann Ausnahmen geben – so habe ich teilweise nur Fotos mit Wasserzeichen zur Ansicht herausgegeben oder der Bequemlichkeit halber lediglich kleingerechnete Dateien, wenn die Nutzung ausschließlich für die Website freigegeben wurde. Ich sehe den Faktor Dateigröße allerdings nicht als honorierbares Feature – der fotografische Aufwand und der künstlerische Wert eines Fotos steigt nicht mit der Anzahl von Megapixeln. Demgegenüber möchte ich klarstellen: Meine Kunden erhalten ausschließlich die von mir ausgewählten Fotos eines Shooting und diese auch nur in der von mir bearbeiteten Fassung. Als Künstler ist mir eine Fremd-Interpretation meiner RAW-Daten nicht genehm.

Fazit: Ein angemessenes Fotografen-Honorar setzt sich aus dem Zeitaufwand und der Lizenz zusammen. Grade diese sollte auf Ihre Bedürfnisse abgestimmt werden, um unnötige Kosten zu vermeiden.

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